Berlin/Leipzig, 10. Oktober 2011 (ADN).  Die vor genau 65 Jahren gegründete Nachrichtenagentur Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst (ADN) ist ab sofort revitalisiert. Der Sendebetrieb wurde am Montag wieder aufgenommen. Die künftige inhaltliche Berichterstattung erfolgt unter den ursprünglich gesetzten Prämissen. Die Grundsätze für die Tätigkeit der Nachrichtenagentur wurden im Jahr 1946 unter dem Eindruck des gerade beendeten Zweiten Weltkrieges formuliert.  Sie fanden ihren Niederschlag in dem von den Gründern im August bei der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) in Berlin-Karlshorst abgegebenen  Lizenzantrag. Die sowjetische Besatzungsmacht lizensierte ADN nicht nur als erste deutsche Nachrichtenagentur nach dem Krieg überhaupt, sondern als selbständiges, eigenes deutsches Unternehmen. Die Firma wurde am 5. Oktober 1946 im Handelsregister des Amtsgerichts Berlin Mitte eingetragen. Die Urkunde mit der  Lizenznummer 101, die am 10. Oktober 1946 ausgestellt war, wurde an diesem Tag dem Geschäftsführer Georg Hansen im Empfangszimmer des Gebäudes der Deutsch-Asiatischen Bank in der Berliner Mittelstraße von Oberst Georgi Bespalow in Anwesenheit der militärischen Repräsentanten der USA, Großbritanniens und Frankreichs aus den anderen Sektoren der Stadt sowie des Berliner Oberbürgermeisters Artur Werner überreicht. Die sowjetische Militärverwaltung begrüßte insbesondere die Erklärung der deutschen Journalisten in ihrem Antragschreiben an Marschall Sokolowski, dass sie eine Agentur schaffen wollen, die nicht den Interessen irgendeiner Partei, sondern dem ganzen deutschen Volk dient. Als ein wichtiges Ziel wurde genannt, die Aufnahme Deutschlands  in die gemeinsame Familie der Völker der Welt zu fördern. Oberst Bespalow verpflichtete die ADN-Mitarbeiter als Träger der demokratischen Ideen des Fortschritts.  Ähnlich argumentierte Hansen in seiner Ansprache. Otto Nuschke vom Union-Verlag und Karl Mossner von der liberaldemokratischen Zeitung „Der Morgen“ legten in ihren Redebeiträgen Wert auf die „objektive Nachricht“ gegenüber dem unsicheren Gerücht. Nach ihrer Einschätzung war die Lizensierung ein Schritt auf dem Wege zur völligen Pressefreiheit in Deutschland.

Von dem klar umrissenen Kurs wurde jedoch im Laufe der darauf folgenden Jahrzehnte mehr oder weniger abgewichen. Ein Grund dafür waren die zunehmenden politischen, wirtschaftlichen und militärischen Ost-West-Konfrontationen in der Welt, in Europa und zwischen den beiden von den Besatzungsmächten eingesetzten deutschen Administrationen Bundesrepublik Deutschland (BRD) und Deutsche Demokratische Republik (DDR), die sich jeweils zwar selbst als Staaten betrachteten und bezeichneten, es jedoch im Wesen bis zu ihrem endgültigen juristischen Ende am 17. Juli 1990 nicht waren.

Der Allgemeine Deutsche Nachrichtendienst geriet nach der friedlichen Revolution in der damaligen DDR 1989 und der sogenannten deutschen Wiedervereinigung 1990 zwischen die Mühlsteine diverser macht- und medienpolitischen Interessen. Zunehmende interne und externe Auseinandersetzungen hatten zu seiner Aushöhlung beigetragen. Rasch setzte personelle Auszehrung ein. Die Agentur wurde Stück für Stück von der Treuhandanstalt zerstückelt, ausgeschlachtet und letztlich ganz zerschlagen. Zahlreiche Spekulanten waren daran beteiligt. Noch wahrnehmbare schwache Lebenszeichen des Mediums erloschen vor elf Jahren. (md/mgn/10.10.11) ++

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