Völkershausen(Rhön)/Eisenach/Dippach, 10. Oktober 2011 (ADN). Die Angst der Bewohner in Rhön und Werratal vor Gebirgsschlägen wächst erneut. Das berichteten regionale Printmedien am Wochenende in ausführlichen Titelbeiträgen. Wie das in Bad Salzungen erscheinende „Freie Wort“ schreibt, haben sich nach Angaben des zuständigen, in Kassel ansässigen Bergbauunternehmens Kali + Salz unter den Dörfern der Region neue Risiken aufgetan. Um die Gefahren abzuwenden, sei zusätzliches Geld notwendig. Entsprechenden Verträgen zufolge müssten solche Kosten zur Gefahrenabwehr und zur Sanierung der Gruiben zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent vom Freistaat Thüringen getragen werden. Obwohl das Geld dazu bis zum Jahr 2016 reichen müsste, ist bereits jetzt nach Auskunft des Thüringer Umweltministers Jürgen Reinholz die dafür vorgesehene Landeskasse nahezu leer. Er verlangt vom Bund die Übernahme der Mehrkosten für ökologische Altlasten, teilte „Freies Wort“ mit. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative „Für ein lebendiges Werratal“, Klaus Reinhardt, erklärte, dass die Menschen ein Recht darauf haben zu erfahren, inwieweit Gefahr im Verzug ist. In einem Offenen Brief an Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht fordert er Taten gegen die drohende Gefahr oder die „neuen Schreckgespenster“.

Nach einem Bericht der Tageszeitung „Eisenacher Presse“ hält es der Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Berka/Werra, Joachim Woth, für die Bürger nicht mehr hinnehmbar, was von Seiten der Politik gespielt werde. Wenn das Land tatsächlich – wie behauptet – Gebirgsschläge ausschließt, dann solle es sich bereit erklären, für Schäden aufzukommen, wenn es doch passiert. Der Ort Dippach könne doch nicht offiziell zum Risikogebiet erklärt werden und das Land verweigere dennoch die Finanzierung entsprechender Untersuchungen. Professor Walter Hölzel findet es sehr befremdlich, wenn jegliche Gebirgsschlaggefahr von der Landesregierung geleugnet  werde. Da die Bergbaugebiete und Grubenfelder alle zusammenhingen, könne für keines die Gefahr ausgeschlossen werden.

Als zusätzliche Gefahr droht seit Jahren Abfall-Lauge, die von der Firma K + S in stillgelegte Gruben und unterirdische Schichten des Plattendolomits gepumpt wird. Die chemische Flüssigkeit destabilisiert den Untergrund und vergiftet die Trinkwasserbrunnen. Mit Ausnahme der Stadt Gerstungen mussten inzwischen sämtliche umliegenden Ortschaften ihre Trinkwasserbrunnen wegen Versalzung schließen und beziehen nun das Wasser aus Fernleitungen.

Die vom mitteldeutschen Bergbau durch die unterirdische Förderung von Kalisalzen verursachten Erdbeben hatten in der Vergangenheit bereits mehrfach Katastrophen heraufbeschworen und ausgelöst. Dazu zählt das weltweit größte, das am 13. März 1989 im Epizentrum den Ort Völkershausen/Rhön zu 80 Prozent zerstört und in rund 40 umliegenden Orten der Region erhebliche Schäden angerichtet hatte.  Seine Stärke maß 5, 8 Punkte auf der Richterskala und es hatte nach Expertenurteil von Geologen eine Sprengkraft von zehn Atombomben. Nach ADN-Umfragen fühlt sich die Bevölkerung des thüringischen Dorfes Völkershausen zunehmend verunsichert. Die 81jährige Anni Soßdorf, die vor mehr als 20 Jahren den Einsturz der Kirche und vieler anderer Gebäude vor Ort selbst miterleben musste, hat in den vergangenen Tagen und Nächten bereits mehrfach das furchterregende Grummeln im Erdinnern und das leichte Vibrieren des Geschirrs in den Schränken vernommen. Auch andere Einwohner sind aufgeschreckt worden. (nö/mgn, 10.10.11 – 2)

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