Washington/Iowa, 5. Januar 2012 (ADN). „Traurig, aber wahr: Wer heute noch vernünftig denken kann und gegen Krieg und für solide Finanzen ist, gilt als Extremist. Wer hingegen Krieg führt und auf  Bankrott zusteuert, gilt als wählbar.“ So charakterisierte Tomasz M. Froelich die tendenziöse Berichterstattung deutscher Medien über den beginnenden Wahlkampf in den USA im Allgemeinen. Im Besonderen bezieht er das am gestrigen Mittwoch in dem Blog für konsequenten Libertarismus „Freitum“ auf den Bewerber der Republikanischen Partei Ron Paul. Der derzeitige Abgeordnete im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten von Amerika hat mit 21 Prozent immerhin bei den ersten Vorwahlen im Bundesstaat Iowa knapp hinter den beiden anderen Bewerbern mit jeweils 25 Prozent Platz drei belegt. Lange Zeit hatte er sogar geführt. Dies sei um so beachtlicher, da Ron Paul im Vergleich zu seinen Konkurrenten auch in den amerikanischen Medien ziemlich marginalisiert wird.

Als Beispiel nannte der Autor die Berichte aus den Hörfunkstudios des Westdeutschen Rundfunks (WDR) und des Südwestrundfunks (SWR). Rüdiger Paulert (WDR) habe Ron Paul am rechten Rand des republikanischen Wählerspektrums angesiedelt, weil er die Aufgaben des Staates drastisch zurückfahren will und vor unkonventionellen Schritten nicht zurückschreckt. So fordert er die Prüfung und Kontrolle des Federal Reserve. Nach Ansicht von Sabrina Fritz (SWR) vertritt Paul „sehr extreme Ansichten“. „Er will die USA gesundschrumpfen und fordert den kompletten Rückzug aller Auslandseinsätze. Statt Bomben solle man die 12.000 USA-Diplomaten in Gang setzen. Innenpolitisch sei er für mehr Selbstbestimmung statt staatlicher Bevormundung. Außenpolitisch ist Enthaltsamkeit, diplomatischer Dialog und Selbstbestimmung der derzeit okkupierten Staaten statt militärischem Interventionismus, Bomben und Fremdbestimmung  sein Gebot.

Viele Amerikaner, die sich etwas näher mit Ron Paul auseinandergesetzt haben, sind über seine Ansichten nicht so empört wie deutsche Journalisten ohne tiefere Kenntnis über dessen Person, schreibt Froelich.

In einem Kommentar zu dem Beitrag heißt es: Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine einstündige objektive Sendung über Ron Paul machen würde, würden die Zuschauer danach die Abschaffung der GEZ fordern. Deshalb stellt man ihn lieber als rechten wirren Opa dar. ++ (md/mgn/05.01.12 – 5)