Köln/Nairobi, 15. Januar 2012 (ADN). Eine medienwissenschaftliche Untersuchung hat ergeben, dass Afrikas Zeitungen gegenwärtig mehr Meldungen aus China als aus westlichen Quellen drucken. Noch vor fünf Jahren waren Medien aus Europa und Amerika die einzigen wichtigen Spieler auf dem afrikanischen Medienmarkt, berichtete der Deutschlandfunk dieses Wochenende weiter. Der Westen habe sich zurückgezogen, besonders nach der Wirtschaftskrise. Diesen Trend bestätigte jüngst die Deutsche Welle, die im Oktober des vergangenen Jahres das deutschsprachige Kurzwellenprogramm für Afrika ersatzlos gestrichen hat.

Ähnlich ist die Situation bei Nachrichtenagenturen. Während die Deutsche Presseagentur (dpa) in ganz Afrika nur drei Büros unterhält, betreibt ihr chinesisches Pendant Xinhua inzwischen auf dem schwarzen Kontinent 26 Korrespondentenbüros mit mehreren Dutzend Mitarbeitern. Xinhua wächst genauso rasant wie die Wirtschaft des Mutterlandes. Die Afrika-Berichterstattung der Agentur wird in Nairobi (Kenia) koordiniert. Von dort aus werden alle paar Monate neue Korrespondentenbüros installiert, um mehr Informationen über und in Afrika zu verbreiten.

Für den Nachrichten-Boom gibt es auch einen finanziellen Hintergrund. Henry Owour von der kenianischen Tageszeitung „Daily Nation“ skizziert ihn: Im Moment müssen wir für die Meldungen von Xinhua nichts bezahlen. Die westlichen Nachrichtenagenturen sind sehr teuer. Sie zu abbonieren würde im Jahr Millionen kosten. Viele afrikanische Medien können sich das nicht leisten.

Aus diesem Grund sind Xinhua-Informationen auch so beliebt. Owour würde noch viel mehr drucken, wenn der Platz da wäre.  Eine eventuelle ideologische Färbung der Meldungen stört ihn nicht. Die westlichen Nachrichtenagenturen hätten auch eine Agenda. Xinhua bereichere durch die seine sogar die Farbpalette.

China unternimmt dem Bericht zufolge diese Anstrengungen aus Eigeninteresse. Wegen der reichen Bodenschätze sei das Engagement wirtschaftlich motiviert. Aus politischem Blickwinkel sehe China in Afrika die mit 55 Stimmen in der UNO-Vollversammlung größte Einflusskomponente in diesem internationalen Gremium.  Die USA-Außenministerin Hillary Clinton hält zu Chinas  aufsteigendem  Medienstern eine etwas hilflose Erklärung parat: „Während des Kalten Krieges ist es uns großartig gelungen, die Botschaft des Westens in die Welt zu tragen. Seit 1990 glauben wir, das sei nicht mehr nötig.“ ++ (md/mgn/15.01.12 – 15)

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