Dortmund/Leipzig, 20. Februar 2012 (ADN). „In meiner Vision von einer neuen Welt gibt es kein Geld, weil es nicht mehr nötig ist.“ Wie diese in ihrem zweiten Buch mit dem Titel „In Fülle SEIN – ohne Geld“ geschilderte Lebensvorstellung in  der Wirklichkeit tatsächlich funktioniert, berichtete die 1942 in Danzig geborene Rentnerin Heidemarie Schwermer am heutigen Montag in einer vom Fernsehen des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) ausgestrahlten Sendung. 1996 – also vor 16 Jahren – hat die ausgebildetete Grundschullehrerin und Psychotherapeutin das große Experiment begonnen. Sie sei damit in eine völlig neue, mit ganz einmaligen und beglückenden Einsichten verbundene Welt eingetreten. Soviel Aufbruch wie jetzt habe sie ihr ganzes bisheriges Leben nicht gespürt, so Schwermer gegenüber einem Freund, der sich nach der Aufbruchstimmung in den Sechzigern sehnt und gegenwärtig eine Resignation der Masse wahrzunehmen glaubt. Ihm entgegnet Schwermer: „Wir leben quasi in einer Ruhe vor dem Sturm.“

Wie ein solches Leben ohne Geld praktisch aussieht, zeigte der MDR in einem kleinen Film-Ausschnitt auis dem Tauschring Heidenau. Den Teilnehmern, von denen jeder seine ganz speziellen Produkte und Leistungen anbietet, fehlt es für das alltägliche Leben an nichts. Ein  Migrant aus Litauen repariert den Computer einer alleinstehenden Mutter. Diese wiederum übernimmt für ihn und seine Frau die Babypflege und eine junge Kolumbianerin bereitet köstliches Backwerk für alle Beteiligten zu.

Heidemarie Schwermer gehört zu den Tauschring-Pionieren. Im Jahr 1994 gründete sie die „Gib- und Nimm-Zentrale“ in Dortmund. Es war einer der ersten deutschen Tauschringe, deren Zahl inzwischen auf etwa 300 gewachsen ist. Später reduzierte sie ihre persönlichen Ausgaben, gab dann ihre Wohnung auf und trat aus der Krankenversicherung aus. Letztendlich verschenkte sie ihr Hab und Gut. Das tut sie auch mit dem Geld, das ihr seit kurzem aus einer kleinen Rente regelmäßig zufließt. Alle lebensnotwendigen Dinge ertauscht sie sich. Sie hütet Häuser und Wohnungen, wenn deren Inhaber Urlaub machen.

Die couragierte, rüstige und attraktive Pensionärin erinnert an die ehemalige DDR. Von manchen Ostdeutschen werde berichtet, dass das Miteinander bei der Arbeit sehr schön gewesen sei damals. Ähnlich dem, das eine Indonesierin aus ihrer Heimat schilderte. „Nicht die Deutschen sind es also, die einen ’schlechten Charakter‘ haben, sondern die äußeren Umstände oder besser gesagt, das Geld bestimmt die Handlungsweisen“, schreibt sie. Der Mensch tue inzwischen eine Menge Dinge, die gar nichts mit seinerm Wesen zu tun haben. Er verkaufe sich sozusagen.

Wenn das Beispiel Heidemarie Schwermer Schule macht und massenwirksam wird, geht es der Finanzindustrie an den Kragen. Die Rentnerin zieht schon jetzt Bankern, Finanzjongleuren und allen anderen Geld-Fetischisten die Reiß-Zähne. Die Abzocker werden dann einfach überflüssig. ++ (zc/mgn/20.02.12 – 52)

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