Leipzig, 1. März 2012 (ADN). „Es wäre entsetzlich, wenn ganz Europa von dem gegenwärtig immer kräftiger gepriesenen Modell der Bundesrepublik Deutschland heimgesucht werden würde. Das erklärte der 61jährige Gerhard Pötzsch am Donnerstgabend in Leipzig auf einer Diskussionsveranstaltung über das geplante Einheits- und Freiheitsdenkmal in der Messestadt. Dennoch gebe es offensichtlich ernsthafte Bestrebungen, solche Verwaltungsstrukturen auf den gesamten Kontinent zu übertragen.

Das vorgesehene Mahnmal betreffend zeigte sich Pötzsch sehr zurückhaltend. Er sei nicht gegen das 6,5 Millionen Euro teure Denkmal, aber auch nicht dafür. Sein mulmiges Gefühl diesbezüglich rühre daher, dass im Gegenzug immer mehr finanzielle Mittel zusammengestrichen werden, die der Wahrnehmung von Zeitzeugen der sogenannten friedlichen Revolution gewidmet sind. Der Leipziger SPD-Politiker Pötzsch, der zu DDR-Zeiten 15 Monate Gefängnishaft zu verbüßen hatte, äußerte sich zudem sehr skeptisch gegenüber bisherigen Versuchen ,die damalige Erhebung auf die Herbsttage des Jahres 1989 und den Ort Leipzig zu reduzieren. Dazu seien die rebellierenden Universitätsprofessoren der 50er Jahre und dere Prager Aufstand von 1968 zu zählen. Es habe immer einen Zusammenhang mit globalen Veränderungen gegeben. Kritik übte er darüber hinaus an den bisherigen Versuchen, die „Friedliche Revolution“ von Leipzig gebührend zu würdigen. Das Lichtfest von 2009 zumindest sei ein missglücktes Experiment im Umgang mit der Vergangenheit gewesen. Es habe eine merkwürdige Ausstrahlung gehabt. ++ (rv/mgn/01.03.12 – 63)