Berlin, 9. März 2012 (ADN). Das Verhalten von Touristen ist so, dass sie in der Regel auf der Autobahn der Vorurteile fahren.  Im Gegensatz dazu ist eine „Revolutionstourismus“ erforderlich, um zu erfahren und zu verstehen, was geschieht und was sich verändert. Das erklärte der ägyptische Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad am Freitag auf einer Podiumsdiskussion in Berlin, die unter dem Titel „Generation Zukunft ! – Die arabische Revolution hat erst begonnen“ auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) stand.  Auf diese Weise könne die Erhebung in Ägypten im positiven Sinne unterstützt werden. Abdel-Samad verglich die derzeitige politische Situation am Nil nach einem Jahr des grundlegenden gesellschaftlichen Aufbruchs mit der Französischen Revolution 1789. Damals habe ein Jahr nach dem Sturm auf die Bastille in Paris auch die Gegnerschaft der Revolutionäre das Heft in die Hand genommen. So ähnlich sei es heute in Ägypten, wo der Militärrat fast skandalösere Zustände herbeiführt als sie unter dem Mubarak-Regime bestanden haben.

In Touristen-Ghettos ist nichts über die sozialen Veränderungen des Gastlandes  zu erfahren, stimmte der Direktor des Deutschen Orient-Instituts, Gunter Mulack, der Auffassung des 40jährigen Ägypters aus Gizeh zu. Insofern werde die Aussage des Koran erfüllt, derzufolge der Mensch mit Augen und Ohren zur Welt gekommen ist, um sie zu benutzen und über Grenzen hinauszugehen.

Der in Kairo tätige Nahost-Korrespondent des ARD-Hörfunks, Björn Blaschke, wies darauf hin, dass ein Drittel wichtiger Wirtschaftszweige wie die Trinkwasser-Gewinnung und der Automobilhandel in der Hand der Generäle ist. Diese Relation gelte auch für die großen Ressort-Hotels in den Tourismus-Hochburgen. Insofern sei es nicht vewunderlich, dass die Militärs allein aus den laufenden Einnahmen einen Kredit in Höhe von 1, 1 Milliarden US-Dollar der ägyptischen Nationalbank im Dezember 2011 gewährt haben. ++ (rv/mgn/09.03.12 –  73)

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