Wien, 14. März 2012 (ADN). Für Korruption gibt es viele Namen. In Österreich sind sie bersonders prosaisch: politische Landschaftspflege, Freunderlwirtschaft oder Klimapflege. Letzterer Begriff ist keine Assoziation zu Viktor Klima, dem Bundeskanzler der Alpenrepublik in den Jahren 1997 bis 2000. Er ist auch nicht aus solchen Gründen von seinen politischen Ämtern zuruckgetreten.. Aber gewiss gab es bereits in seiner Zeit als Minister für öffentliche Wirtschaft und Verkehr diese und andere originelle Kosenamen für banale Bestechung. „Anfüttern“ heißt ein weiterer davon. Er bezeichnet allerdings nur die Vorstufe des verwerflichen Tuns. Damit werden beim Angeln nach dicken Fischen erste Kostproben ausgelegt, um Beute anzulocken. Die Grenze von diesem frühen Stadium zur Korruption in Reinstform, die in Deutschland 25 Euro beträgt, liegt in Österreich bei 100 Euro.

Das Anfüttern steht nunmehr wieder zur Diskussion und soll zum Straftatbestand erklärt werden, nachdem es bereits im Jahr 2008 Teil eines der schärfsten Antikorruptionsgesetze gewesen ist und strikt verboten war. Auf  Drängen der Wirtschaft wurden in kurzer Zeit die harten Bandagen wieder gelockert, weil Heiligtümer wie die Salzburger Festspiele oder der Wiener Opernball in Existenzgefahr gerieten. Das Klima wurde also wieder gepflegt und trieb unverdächtig als anerkannter Anglizismus „Sponsoring“ frische Blüten. Inzwischen wuchern sie regelrecht und nahmen solch gigantische Ausmaße an, dass sich allein im vergangenen Jahr ein Eisberg von sieben großen Korruptionskandalen in dem kleinen Land gebildet hat. Den wollen bis zum Sommer dieses Jahres alle politischen Parteien auftauen. Die Schlüsselrolle spielt dabei ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss. Er ist im Dauereinsatz.

Bei all den Bemühungen um ein wirksames Anti-Korruptionspaket ist die Phase des Anfütterns die entscheidende Leitplanke. Auf ihr steht eine Werbeformel: Anfüttern ist nur strafbar, wenn dahinter ein konkretes Geschäft steht. Anders gesagt: Präsente sind erlaubt, allerdings ohne Hintergedanken. ++ (kr/mgn/14.03.12 – 77)

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