Berlin, 25. Oktober 2012 (ADN). Die in der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR)  aufblühende Organisation Volkssolidarität (VS), die sich das Wohl der Alten, Schwachen und Armen auf das Banner geschrieben hat, ist mittlerweile ebenfalls von Kapitalinteressen unterwandert und redet mit gespaltener Zunge. Während auf Papieren, in Rechenschaftsberichten und bei Appellen das engagierte Eintreten für soziales Wohlergehen gepriesen wird, straft die Wirklichkeit die hehren Erklärungen Lügen.

Bei der Vorlage des Sozialberichts 2012 am heutigen Donnerstag in Berlin erklärte Verbandspräsident, Prof. Gunnar Winkler, dass es in Ostdeutschland eine erhebliche soziale Verunsicherung gibt. Die Verschlechterung der finanziellen Absicherung im Alter liege an der Spitze der Befürchtungen. Sie reflektiere die aktuelle Debatte um Altersarmut und das Fehlen glaubwürdiger Konzepte zu deren Beseitigung.

Während der Bundesvorstand der Volkssolidarität die Situation beklagt, sind einfache Bürger gleichzeitig Opfer dieses inzwischen bundesweit agierenden Vereins. So gingen vertrauensseligen Kapitalanlegern in die Volkssolidarität investierte Vermögen flöten. Bei Sabine Rosin sind es mehr als 70.000 Euro, die plötzlich futsch sind. Sie ist eine von 1.600 Menschen, die dem Sozialverband Geld anvertraut haben. Jetzt geht sie Flaschen sammeln, um ihren Lebensunterhalt einigermaßen zu bestreiten, beschreibt die „Schweriner Volkszeitung“ diese Woche das Schicksal der Rentnerin. Ihr Geld landete in einem Immobilienfonds der Kreisverbände Bad Doberan/Rostock-Land und Mecklenburg Mitte der Volkssolidarität. Im Herbst ging der Fonds pleite, hatte dennoch im Bewusstsein dessen weitere Raten von der 68jährigen einkassiert. 

Der Versuch einiger Geschädigter, das Geld zumindest teilweise zurückzuholen, sind vor Gericht gescheitert. Es versuchten ohnehin nur wenige. Derzeit laufen ein Strafverfahren und vier Zivilklagen gegen die Volkssolidarität. Sabine Rosin gehört nicht zu den Klägern, weil das weiteres Geld verschlingen würde. Sie denkt nur über einen Schlichtungsversuch nach, um wenigstens die zum Jahreswechsel drohende Verjährung von Schadenersatzansprüchen zu stoppen. Nach dem Bericht der Schweriner Tageszeitung bedauert der Bundesvorstand die tragische Angelegenheit. Nach eigenem Bekunden „sieht er keine Möglichkeit, weil er davon überzeugt ist, selbst nicht Verursacher der Probleme zu sein.“ Es bestehe keine Gesamthaftung im föderalen System der Organisation.

  Die Volkssolidarität wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Ostdeutschland gegründet, um „soziale Not und Elend nach dem Ende des Krieges zu lindern. Seitdem ist der Grundwert Solidarität Leitmotiv des Wirkens“, lautet die aktuelle Eigenwerbung des Sozialverbandes. Er hat derzeit 244.000 Mitglieder und beschäftigt mehr als 17.500 hauptamtliche Mitarbeiter. Zusätzlich sind 29.000 Menschen ehrenamtlich tätig. ++ (so/mgn/25.10.12 – 304)

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