Athen/Zürich, 4. November 2012 (ADN).  Der kritische Journalismus in Griechenland wird von den reichen Oberschichten des Landes und deren Handlangern aufs Korn genommen. Die Fälle gravierender Repressalien gegen Reporter aus Presse, Funk und Fernsehen häufen sich auffällig. Einige der jüngsten und Aufsehen erregendsten zählt die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) in ihrer aktuellen Wochenendausgabe auf.  So wurde der Journalist und Herausgeber Kostas Vaxevanis in der zu Ende gehenden Woche im Landgericht Athen wegen Verletzung von Datenschutzregeln angeklagt. Er hatte eine Liste reicher Griechen veröffentlicht, die Bank-Konten in der Schweiz unterhalten.  Die Aufzählung von rund 2.000  Namen könnte Hinweise auf Steuersünder geben, denen die griechischen Behörden bislang nicht nachgegangen sein soll. Der 46jährige Vaxevanis hatte zu seiner Verteidigung eine breite Phalanx von Zeugen und Argumenten auf seiner Seite. So hatte der Präsident der Internationalen Journalistenföderation ausgesagt, dass das Gemeinwohl den Angeklagten geradezu verpflichtet habe, die Liste zu veröffentlichen. Vaxevakis wurde letztlich freigesprochen.

Vaxevanis, der lediglich Namen und Beruf, nicht aber die Konto-Stände in seinem Magazin „HotDoc“ aufgelistet hatte, verwies in dem Verfahren auf die politische Dimension des Verfahrens. Im Übrigen brachte er zu seiner Entlastung vor, dass die größte griechische Tageszeitung „Ta Nea“ kürzlich ebenfalls eine Liste mit Namen und Konto-Daten abgedruckt hat. Gegen diese Publikation, die vorwiegend Daten von Künstlern enthielt, sei jedoch keinerlei Strafverfolgung eingeleitet worden. 

Die Verhaftung des Journalisten und die damit verbundene mediale Breitenwirkung könnte nach Auffassung der Athener NZZ -Korrespondentin Elisa Hübel „tatsächlich etwas Licht in den Knäuel aus Klientelwirtschaft und Bürokratie bringen.“ Filz und Intransparenz gelten als eine der Hauptursachen für die desaströse Lage im Lande. Verwiesen wird auf erste positive Signale. So habe inzwischen ein Parlamentsausschuss entschieden, die Konten des Politikers Giorgos Voulgarakis und dessen Ehefrau zu überprüfen. Er hatte zwischen 2004 und 2008 mehrere Ministerposten inne. „Seine Frau war als Notarin in eine Immobilienaffäre verwickelt, die ein Kloster auf dem Heiligen Berg Athos betrifft“, schreibt Hübel. Die Namen des Paars stehen auch in der von Vaxevanis veröffentlichten Datei.

Der Beitrag verweist auf sich mehrende Anzeichen, „dass kritische Journalisten an die Kandarre genommen werden.“ So seien in dieser Woche zwei bekannte Journalisten des staatlichen Fernsehsenders NET entlassen worden.  Sie hatten kritisch über den Bürgerschutzminister berichtet. Kürzlich habe auch der Chef der staatlichen Nachrichtenagentur ANA  seinen Arbeisplatz räumen müssen. ++ (md/mgn/04.11.12 – 214)

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