Dresden/Leipzig, 10. Dezember 2012 (ADN). Mehr als 1.300 Menschen wurden während der Naziherrschaft und deren politischer Justiz in Dresden zum Tode verurteilt und hingerichtet. Zwei Drittel der Opfer stammte aus dem seinerzeitigen „Protektorat Böhmen und Mähren“ sowie dem „Sudetengau“.  Darüber informierte Dr. Birgit Sack bei Eröffnung der Ausstellung „Verurteilt. Inhaftiert. Hingerichtet.“ am Montag – dem Internationalen Tag der Menschenrechte – in der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden. Die Gedenkstättenleiterin teilte mit, dass dieser Erinnerungsort damit nunmehr über eine moderne und ausgewogene Exposition verfügt. Nach Jahren der Recherche und der Forschung sehe man sich jetzt in der Lage, die ganze Bandbreite der Verfolgung während des Nationalsozialismus (NS) zu behandeln sowie die lange verschwiegene Weiternutzung des Ortes während der sowjetischen Besatzungszeit und der frühen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zu thematisieren. „Mit der Ausstellung kann die Geschichte des Justizmissbrauchs in Dresden erstmals umfassend erzählt werden“, unterstrich die Historikerin.

Zu den Justizopfern im NS-Staat gehörten neben den politisch Verfolgten auch andere Bevölkerungsgruppen. Es waren Bürger, die der „Rassenschande“ geziehen oder die wegen des Abhörens ausländischer Sender verurteilt wurden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehörten zu den Angeklagten und Verurteilten am Münchner Platz Dresden vermeintliche und tatsächliche NS-Verbrecher.  Desweiteren waren der Spionage Verdächtige betroffen. Andere Angeklagte wurden mittels Wirtschaftsstrafverfahren enteignet. Um den Fortgang interessengeleiteter und ideologisierter Rechtspolitik und -praxis nach dem Krieg zu verdeutlichen, trägt die Ausstellung den Untertitel „Politische Justiz in Dresden 1933-1945 / 1945-1957“.

Die Geschichte des Münchner Platzes wird anhand von mehr als 700 Fotos, Zeichnungen, Dokumenten, Grafiken und originalen Gegenständen illustriert. Zeitzeugen legen über Hör- und Videostation eindrucksvolle Zeugnisse über die seinerzeitigen Zustände ab. Auf einer Wand werden Abschiedsbriefe von Opfern der NS-Justiz gezeigt. Die Exponate stammen aus regionalen und überregionalen, in- und ausländischen Archiven und Museen. So wird ein Blutdruckmessgerät von Dr. Margarete Blank aus der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig gezeigt. Die in der sächsischen Großstadt und deren Umgebung tätige Ärztin war denunziert worden und gehörte zu den letzten von Nazi-Henkern in Dresden Hingerichteten.

Weitere Ausstellungsstücke wurden von ehemaligen Justizopfern, deren Angehörigen und Nachfahren zur Verfügung gestellt. Dazu zählt ein Kartenspiel des Tschechen Adolf Bures. Er hatte es während seiner Dresdner Haft 1943/44 aus Karton, Papier und Faden selbst hergestellt. ++ (mr/mgn/10.12.12 – 350)

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