12. September 2013 (ADN). Der Kommissionspräsident der Europäischen Union (EU), Jose Manuel Barroso, gibt nach zehnjähriger Amtsinhaberschaft ein jämmerliches Bild der von ihm geleiteten Organisation ab. So lautet das Fazit eines Kommentars der „Süddeutschen Zeitung“ in ihrer Donnerstagausgabe, nachdem der Spitzenbürokrat am Vortag vor dem Europäischen Parlament das zurückliegende Dezennium seines Wirkens bilanziert hatte. Allerdings sei die Schwäche des Portugiesen und seiner Kommission nicht nur ihm selbst, sondern auch den Umständen seiner Regierungszeit zuzuschreiben. Europa durchlebe die schwerste Krise seit seiner Gründung. Viele Maßnahmen zur Rettung der Gemeinschaft seien jenseits der Kommission beschlossen worden.

„Doch auch da wo er zuständig war, überzeugte Barroso nicht. Es misslang ihm, aus seiner Behörde ein starkes Gegengewicht zu den nationalstaatlichen Gremien zu machen“, schreibt Cerstin Gammelin unter der Überschrift „Barrosos desolates Erbe“. Eine Botschaft an den interessierten Bürger bleibe der Präsident der mächtigsten europäischen Behörde schuldig. Seiner Diagnose, die Bürger wendeten sich von europäischen Ideen ab, sei kein Vorschlag für eine Therapie gefolgt. Das Bild, das sein Auftritt im Europäischen Parlament bot, sei so trist gewesen wie die Stimmung. Nach zehn Jahren Barroso zeige die EU-Kommission eine solche Schwäche schwach wie nie zuvor. „Früher wurde die Brüsseler Behörde vor allem in den südlichen Ländern als zuverlässighe Einrichtung gefeiert. Heute vertrauen die Bürger eher wieder nationalen Institutionen. Länder wie Großbritannien, die Niederlande und auch Deutschland überlegen sogar, Kompetenzen aus Europa zurück nach Hause zu holen.“ Das sei bedrohlich, denn der Binnenmarkt bilde jenseits aller Pläne über eine politische Union den real existierenden Kitt, der die 28 EU-Länder zusammenhält. re++ (ep/mgn/12.09.13 – 250)

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