Havanna/Berlin, 28. September 2013 (ADN). „Die Energierevolution in Kuba in den Jahren 2004/2005 stützte sich auf Ansätze, die auch für Deutschland von Interesse sein könnten.“ Das stellte der angesehene Energieexperte und Sachbuchautor Dieter Seifried in der jüngsten Ausgabe der Quartalszeitschrift „Energiedepesche“ fest. Ineffiziente Altgeräte seien durch effizientere Geräte ersetzt worden. Gleichzeitig habe man die Stromtarife so angepasst, dass Vielverbraucher deutlich mehr zu bezahlen haben. Zudem wurde der Kauf von Elektrizität sparenden Haushaltsgeräten durch Sozialkredite unterstützt.

Der Erfolg trat rasch ein. Gab es im Jahr 2005 an 224 Tagen Blackouts, die mehr als 100 Megawat (MW) Leistung umfassten und länger als eine Stunde dauerten, wurden bereits 2007 keine großflächigen Stromausfälle mehr registriert. Das blieb nicht die einzige Überraschung der Energierevolution, die seinerzeit noch von Fidel Castro als Energierevolution ausgerufen wurde. Kuba hatte bislang auf eine zentrale Stromversorgung mit großen Ölkraftwerken gesetzt. Nun investierten die Kubaner in dezentrale Kraftwerke in der Region. Damit wurde auch die Chance wahrgenommen, regenerativen Energiequellen zum Durchbruch zu verhelfen.

Nach den Worten von Seifried, der von 1983 bis 1999 Koordinator und Projektleiter des Freiburger Öko-Instituts war, verkörperte die radikale Abkehr von der Glühlampe den ersten Schritt der Energierevolution. Studenten und Sozialarbeiter setzten das ins Werk. Sie zogen von Haus zu Haus und tauschten kostenlos alle Glühbirnen gegen Stromsparlampen. Nach den Glühlampen kamen die Ventilatoren an die Reihe. Nach Angaben des staatlichen Energieversorgers UNE wurden 1,04 Millionen Altgeräte ausgetauscht und verschrottet. Das größte Einsparpotential boten die Kühlschränke. 2,55 Millionen Kühlgeräte wurden durch effiziente Modelle aus China ersetzt. Mehr als 90 Prozent der kubanischen Haushalte machten mit.

In Deutschland ist eine solche Umtauschaktion von Kühlschränken, die nach Auffassung von Seifried ein Quantensprung wäre, bislang am Wirtschaftsministerium gescheitert. Dabei habe ein Feldversuch in Freiburg bereits im Jahr 2008 gezeigt, dass ein Kühlschranktausch aus volkswirtschaftlicher Sicht lohnenswert ist. „Hier scheinen uns die Kubaner um einiges voraus zu sein“, erklärt er und ergänzt: „Auch bei der Tarifgestaltung lohnt sich ein kleiner Ausflug nach Kuba“. ++ (wi/mgn/28.09.13 – 265)

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