Archive für Kategorie: Kultur

Berlin, 21. Mai 2015 (ADN). Zu einer erwartet leidenschaftlichen Verbalkonfrontation kam es am Donnerstagabend in Berlin zwischen Künstlern, Kulturpolitkern, Lobbyisten und Wirtschaftspolitikern. Im Zentrum der heftigen Wortgefechte bei der anlässlich des Welttages der kulturellen Viefalt organisierten Podiumsdiskussion stand die Befürchtung, ob die europäische und auch deutsche Kultur bei den Verhandlungen zwischen der Europäischen Union (EU) und den USA über das Freihandelsabkommen TTIP unter die Räder kommt und als Beutegut der Amerikaner zu Markte getragen und letztlich geopfert wird. Den schweren von den Kulturvertretern – an der Spitze die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, Verena Metze-Mangold, der Präsident des Deutschen Kulturrates, Prof. Christian Höppner, und dessen Geschäftsführer, Olaf Zimmermann – vorgetragenen Vorwurf zu entkräften, gelang den Matadoren des Kommerzes nicht. Während  der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Matthias Machnig, noch mit wenig plausiblen Argumentationsketten die bohrenden Fragen notdürftig parierte, lösten die Antworten des Präsidenten der Deutschen Automobilindustrie, Matthias Wissmann, nicht nur Entrüstung, sondern Empörung und Hohngelächter aus. Seine Versuche, Rückspiegel und Blinker von Autos mit hart erkämpften Errungenschaften wie die Buchpreisbindung und die öffentlich-rechtliche Rundfunklandschaft in einen Topf zu werfen, waren äußerst durchsichtig, verdächtig und in höchstem Grade hilflos. Was Kultur in einem Handelsabkommen überhaupt zu suchen hat, konnte nicht annähernd beantwortet werden. Im Gegenteil: Insbesondere Wissmann wich der fünfmal gestellten Frage ungerührt aus, welcher Vorteil für die Kultur aus dem TTIP erwachse. „Kultur wird keinesfalls im Zentrum des Vertragswerks stehen und unsere europäische Identät werden wir nicht aufgeben“, faselte der Spitzenlobbyist. Angewidert von solchen Nebelkerzen verließen Teilnehmer die Veranstaltung. Auch die angebliche Notwendigkeit der von den US-Amerikanern verlangten Schiedsgerichte als nebenstaatliche Gerichtsbarkeit konnte nicht nachgewiesen werden. Letztlich beklagte sich der ehemalige Bundesverkehrsminister, dass die Deutschen aus einem Hang zur Apokalypse heraus nur Risiken und nie die Chancen solcher Abkommen sehen. Angesichts der ungetrübt andauernden scharfen Kritik von Seiten der Kulturschaffenden lenkte Machnig plötzlich ein. „Ich brauche im TTIP den Kulturteil nicht“. Zwischenergebnisse der Verhandlungen sollten durchaus der Öffentlichkeit zur Kenntnis und Diskussion vorgelegt werden, um Transparenz zu ermöglichen. Auch wenn Angela Merkel bis Jahresende die TTIP-Verhandlungen abgeschlossen haben will, sehe er das noch nicht so. „Ich bin doch nicht bei Hofe hier und frage im Kanzleramt nach, ob ich darf oder nicht darf“, verteidigte er seine Position. Dennoch blieben die Kontrahenten der leidenschaftlich geführten Diskussion letztlich auf großer Distanz und verhielten sich geradezu wie Antipoden menschlichen Daseins.++ (ku/mgn/21.05.15 – 118)

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Leipzig, 12. Mai 2015 (ADN). Wie kann die Demokratie sich heute und künftig als Staatsform behaupten ? Das ist am Dienstag eine der Fragen gewesen, die auf dem von der Volkshochschule Leipzig monatlich in Konsequenz der seit Herbst vergangenen Jahre insbesondere in Sachsen stattfindenden Bürgerproteste zu beantworten waren. Seminarleiter Dr. Udo Metzinger ließ diesmal die Teilnehmer selbst stärker tätig werden, indem sie untereinander in jeweils vier Diskussionsrunden schlagwortartig ihre Reaktion auf tischgroßen Papieren niederschreiben konnten. Die Riesenschriftstücke wird er mitnehmen und auswerten. Die Ergebnisse sollen auf dem nächsten und vorerst letzten Diskussionstreffen der Veranstaltungsserie „DienstagTreff“ präsentiert werden.

Die wiederum, rege Debatte zeigte auch diesmal bei merklich geschrumpften Publikum, dass es nach wie vor einen kolossalen Gesprächsbedarf gibt. Allein daraus lässt sich schließen, dass die landesweit  eskalierte Protestbewegung auf weiterhin offene Fragen neue Antworten suchen wird. Ob die seit Jahresbeginn von der Volkshochschule organisierten Gesprächsrunden dazu ein geeignetes Instrument sind, dürfte auf der Tagesordnung des vorläufig letzten Forums Mitte Juni stehen. Insofern dürfte sogar konkrete Vorschläge zu erwarten sein, denn wesentliche Veränderungen in der politischen Landschaft sind weder im Land noch bundesweit zu verzeichnen. Das einzige äußerliche Zeichen wird dann allerdings das mit Spannung erwartete Abschneiden der von Pegida-Sympathisanten zur parteilosen Kandidatin für das Dresdner Oberbürgermeisteramt gekürten Tatjana Festerling bei der Wahl Anfang Juni sein. Dem und die Platzierungen ihrer unmittelbaren Mitbewerber und sächsischen Landesminister aus den Reihen der schwer unter Beschuss geratenen etablierten Parteien – Martin Ulbig (CDU) und Eva-Maria Stange (SPD) ist also eine gewisse Signalwirkung zuzumessen. ++ (pl/mgn/12.05.15 – 107)

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Leipzig, 11. Mai 2015 (ADN). Der Polizeiliche Staatsschutz ermittelte gegen einen Studenten der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchdruck (HGB). Wie die jüngste Ausgabe der unabhängigen Leipziger Hochschulzeitung „student !“ weiter berichtet, sah sich diese mit der Bekämpfung politisch motivierter Kriminalität befasste Abteilung des Bundeskriminalamtes veranlasst, eine Aktion des Künstlers Martin Schwarze während einer Ausstellung in der betreffenden Hochschule zu untersuchen. Gegenstand war ein unangekündigt auf ein Bild gesprayter Schriftzug. Eine Besucherin fühlte sich davon so schockiert, dass sie das Ereignis dem CDU-Europa-Abgeordneten Hermann Winkler meldete. Dieser reagierte, indem er der HGB einen Fragebogen zusandte, um das Ausmaß der Kunstfreiheit zu rechtfertigen zu lassen. Der Politiker wollte weiterhin wissen, ob eine staatliche Hochschule regierungskritische Kunst unterstützen darf. Er leitete den Vorgang an die Polizei weiter, die offiziell wegen Sachbeschädigung gegen unbekannt ermittelt.

Inzwischen ist die Akte geschlossen. Es war der Vorwurf der Gewaltverherrlichung erhoben worden. „Die Zeitung schreibt: „Während der Kunststudent in dem Glauben gelassen wurde, als Zeuge einer Sachbeschädigung in das Verfahren eingebunden zu sein, richtete sich dieses tatsächlich auch gegen ihn  selbst.“ ++ (hg/mgn/11.05.15 – 106)

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Leipzig, 6. Mai 2015 (ADN). Der „Geist von Leipzig“ breitete sich geradezu blitzschnell am Mittwoch bei der zentralen Diskussion des dreitägigen „Medientreffpunkts Mitteldeuschland“ über der Gedankenwelt der Oberhäupter bundesdeutscher elektronischer Medien aus – sowohl der öffentlich-rechtlichen als auch der privaten. Nachdem ihn namentlich der Intendant des Norddeutschen Rundfunks (NDR), Lutz Marmor, als erster benannt und sich zu ihm bekannt hatte, folgten seinem Beispiel die anderen Fernseh- und Rundfunkchefs von ARD, ZDF, ProSiebenSat 1 und RTL. Das seit langem geschwungene Kriegsbeil soll begraben werden, indem die zahlreichen Konflikte nicht mehr auf juristischem Wege, sondern mit einer in Leipzig ansässigen privaten Schiedsgerichtsbarkeit schneller gelöst werden. So lautet der Vorschlag von Staatssekretärin Jacqueline Kraege aus Rheinland-Pfalz. „Das finde ich gar nicht schlecht“, reagiert Tobias Schmid von RTL unverzüglich und charakterisiert dies als „freundschaftlichen untergerichtlichen Modus der Auseinandersetzung“. Er sympathisiert offen mit diesen „kleinen regulatorischen Laubsägearbeiten, die wir dann stolz den Eltern präsentieren“. Als Plattform verlangte er mehr Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) und weniger preußisches Landrecht. Jürgen Brautmeier von DLM stimmte sofort diesem „Geist von Leipzig“ zu, den anschließend die Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Karola Wille, noch näher beschrieb: Dieser Geist, für dessen Entweichen aus der Flasche der als Person und Diskutant anwesende Julian Geist von ProSiebenSat1 Anlass gegeben hatte, müsse geprägt sein durch die Übereinstimmung der Interessen von Bund und Ländern einerseits und den Privaten andererseits.

Wie steinig, sogar chaotisch und zudem noch undemokratisch dieser Weg sein kann und wahrscheinlich wird, zeigte die finale Schlußrunde, deren Grundlage ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts bildete. Das Gericht hatte im vergangenen Jahr die geringe Staatsferne und Transparenz bei der Besetzung der Aufsichtsgremien des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) für grundgesetzwidrig erklärt. Nun muss diese Entscheidung, die auch in vollem Umfang für die ARD gilt, umgesetzt werden. Das erste Versagen ist bereits in Kürze zu erwarten, denn im Herbst dieses Jahres wird der neue MDR-Rundfunkrat für weitere sechs Jahre gewählt. Seine personelle Zusammensetzung ist in einer neuen Regelung zu klären, über deren Entwurf die Länderministerpräsidenten bis zum 30. Juni dieses Jahres zu entscheiden haben. Einstimmigkeit ist nötig. Um sich nicht gegeneinander auszuspielen, sind kaum Reibungen zu erwarten. „Es wird so durchgehen, weil die Länderparlamente keinen Einfluss haben“, bedauert ZDF-Fernsehratsmitglied Oliver Passek. Das absurde Theater darüber, wie künftig die Plätze in den Aufsichtsgremien vergeben werden, gehe weiter. Dass sie die geforderte Vielfalt der zivilgesellschaftlichen Gruppen einigermaßen widerspiegeln, sei nicht zu erwarten. Parteipolitik und Staatseinfluss lassen sich so nicht verdrängen. ++ (me/mgn/06.05.15 – 105)

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Leipzig, 5. Mai 2015 (ADN). Die Pegida-Bewegung ist aus einer Desinformationssphäre heraus entstanden. So erklärte am Dienstag der trimediale Chefredakteur des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Stefan Raue, auf dem „Medientreffpunkt Mitteldeutschland“ das für den Sender überraschend aufgetauchte Schwerpunktthema. In diese Berichterstattung und andere plötzlich und unerwartet zu erstellende Reportagen und Fernsehbeiträge sei ein großer Teil der elf Millionen Euro geflossen, die sein Programmbereich Aktuelles/Zeitgeschehen verbraucht hat. In diesem Zusammenhang verwies der ehemals beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) beschäftigte und jetzt bei der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten in Deutschland (ARD) tätige Chefredakteur darauf, dass sich speziell für Migranten produzierte Sendungen in der Vergangenheit nicht bewährt haben. Sie seien auch in anderen Sendern gescheitert, weil nicht einmal die Migranten selbst als die eigentliche Zielgruppe solche Formate konsumierten. Das habe sich auch aus Gesprächen mit den Migrantenverbänden ergeben, die solche Extra-Sendungen ablehnten. Daraus sei geschlussfolgert worden, dass der interkulturelle Dialog in den elektronischen Medien nur im Zusammenhang mit dem Alltag zu behandeln ist. ++ (me/mgn/05.05.15 – 105)

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Berlin, 3./4. Mai 2015 (ADN). Skandinavien liegt auf der diesjährigen zum Tag der Pressefreiheit vorgelegten Rangliste ganz vorn. Finnland auf Platz eins, Norwegen auf Platz zwei und Schweden auf Platz drei stehen auf dem Siegertreppchen. Deutschland bewegt sich nur auf der von „Reporter ohne Grenzen“ herausgegebenen Skala auf dem zwölften Rang. Eine Umfrage des Nachrichtenportals heise online zu den jeweiligen nationalen Reaktionen auf die durch Edward Snowden bekannt gemachten Grundwahrheiten über die NSA unter europäischen Journalisten und Medien offenbart ein düsteres Schlaglicht. Die Niederlande gehörten zu den wenigen Ländern, in denen die NSA-Überwachungskrake umfassend, intensiv und nachhaltig erörtert wurde. In Frankreich und Großbrinannien gab es kaum Regungen. Bis auf auf eine einzige Zeitung verweigerten alle befragten britischen Zeitungen eine Äußerung. Das uneinheitliche mediale Bild in Europa zeigt sich in den politischen Konsequenzen völlig gleich: Konsequenzen sind überall ausgeblieben. Der ehemalige ZDF-Korrespondent Giselher Suhr nennt dieses Phänomen fortschreitende Selbstverstümmelung der Presse. Von den Bürgern und Medienkonsumenten werde dies wohl zu Recht als „Lügenpresse“ gegeißelt.

Auch die Organisation „Freedom House“ stellt in ihrem Jahresbericht den Ländern ein trauriges Zeugnis aus. Journalistische Arbeit werde weltweit im stärker von Regierungen, Milizen, Kriminellen und neuen Medieneigentümern mit dem Vorwand belastet, dass mit Sicherheits- und Anti-Terror-Gesetzen die Pressefreiheit eingeschränkt werden müsse. Kritische Stimmen würden zum Schweigen gebracht. Die zuständige Projektleiterin Jennifer Dunham von „Freedom House“ teilte mit, dass von 199 untersuchten Ländern und Regionen nur noch 32 Prozent eine freie Presse garantieren. Einzelne Journalisten und Medien reagierten am Tag der Pressefreiheit mit stillem Protest und Innehalten der eigenen Arbeit. ++ (me/mgn/03./04.05.15 -103)

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Mailand, 2. Mai 2015 (ADN). „Die Erzeugung von Nahrungsmitteln wird mehr denn je als ein Mittel der Machtausübung missbraucht“. Dieser Satz geht auf dem Gründer Slow-Food-Bewegung, Carlo Petrini zurück, der zu den prägenden Initiatoren und inhaltlichen Pionieren der soeben in Mailand eröffneten Weltausstellung EXPO gehört. Sein Netzwerk präsentiert sich mit einem eigenen Pavillon, in dem ab 19. Mai regelmäßige Veranstaltungen im Geiste von Slow-Food stattfinden werden. Zur EXPO-Eröffnung hat der Vorsitzende der italienischen Gesellschaft für Bodenkunde, Fabio Terribile, einen Vortrag gehalten. Thema war die Wichtigkeit fruchtbarer Böden und das Recht der Menschen auf Land.

Die Slow-Food-Bewegung wurde am 9. Dezember 1989 in Paris von Petrini gegründet. Inzwischen hat sie weltweit mehrere Tausend Mitglieder. Bei ihren Treffen unter dem Titel „Terra Madre“ soll den Nahrungsmitteln und ihren Erzeugern wieder ihre zentrale Rolle im Leben zurückgegeben werden. Das Essen soll gut schmecken, sauber erzeugt und fair gehandelt werden. ++ (lw/mgn/02.05.15 – 103)

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Gaggenau/Berlin, 29. April 2015 (ADN). Nie waren die Menschen so interessiert daran zu erfahren, wo die Produkte herkommen. Das erklärte die bundesdeutsche Ex-Agarministerin Renate Künast in einem Interview, das im April der Monatszeitschrift „Rundschau für den Lebensmittelhandel“ veröffentlicht ist. Transparenz sei ein Wettbewerbsvorteil. Das müsse sich der Lebensmittelhandel immer vor Augen halten. Das sei nicht immer einfach, weil sich der Handel auseinanderbewegt. „Die einen sind billig, andere bieten eine sehr hohe Qualität. Aber der Qualitätsmarkt wird wachsen und Politik muss zum Beispiel Klimapolitik machen – gerade auch beim Essen,“ meint die jetzige Vorsitzende des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz im Deutschen Bundestag.

Nach Auffassung von Künast wollen die Deutschen nicht in einem Land leben, in dem die „Riesenketten und die Groß-Investoren uns Massen-Einheitsfood anbieten“. Die Billigpreise seien doch keine Vielfalt, sondern eher ein rücksichtsloser Umgang mit den Lebensgrundlagen. Für die Folgen werde der Steuerzahler herangezogen. „Wir müssen mehr Vielfalt erzwingen – bei der Anzahl der Händler, aber auch in den Regalen selbst“, reklamierte die Juristin. Es könne ohnehin nicht so weiter gewirtschaftet werden. Neun Milliarden Menschen ließen sich nicht ernähren, weil der praktizierte Chemieeinsatz umgerechnet auf alle zum Umweltkollaps führt.

Hoffnungsvoll zeigte sich die Politikerin hinsichtlich ihrer Vision „Bio für alle“. Immerhin sei der Umsatz mit Bio-Produkten seit 2010 um mehr als 260 Prozent gestiegen. „Wir kommen der Sache näher“. Dass allerdings nur rund fünf Prozent der Anbaufläche in Deutschland biologisch bewirtschaftet werden, liege schlichtweg an den extrem hohen Boden- und Pachtpreisen. Sie sind seit 1991 um fast 90 Prozent gestiegen. Sehr kritisch äußerte sie sich zu Rückständen von Düngemitteln in Bio-Produkten. „Wenn neben einem Bio-Bauern das Feld eines konventionellen Landwirts liegt und das Düngemittel zu dem Bio-Bauern driftet, soll das nicht einmal mehr dann zulässig sein, wenn der Rückstand unter den gesetzlichen Werten liegt,“, fordert die Landwirtschaftspolitikerin. ++ (lw/mgn/29.04.15 – 100)

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Frankfurt/München/Rom, 19. April 2015 (ADN). Das Wort „Völkermord“ für die Ermordung von Armeniern durch die Türken vor hundert Jahren verwenden zu dürfen, darüber ist im Deutschen Bundestag eine heiße Debatte entstanden. „Die Fachpolitiker dringen darauf, Auswärtiges Amt und Kanzleramt sind strikt dagegen,“ teilt am Sonntag die „FrankfurterAllgemeine Sonntagszeitung“ mit. Offensichtlich werden diplomatische Verwicklungen befürchtet.

Unangenehme oder gar unmenschliche Tatbestände zu vernebeln, zu verklausulieren und oder sogar schönzureden, ist eine ganz besondere deutsche Spezialität. Sie verseucht fast alle Lebensbereiche. Beispielsweise darf der Abriss von Wohnhäusern und damit die Liqudierung von wertvollem Wohnraum auch nicht so heißen. Der politisch korrekte Terminus lautet „Rückbau“. Das klingt konstruktiv und ist nicht negativ behaftet. Auch der massenhaft verwendete Begriff „Maßnahme“ ist eine weitgehend unschuldige und harmlose Verbalie. Erst beim Sezieren und Demontieren, dürften dem Betrachter kalte Schauer über den Rücken laufen. Dahinter steckt nämlich „Maß nehmen“ und zu Zeiten des Nationalsozialismus bedeutete das auch, Menschen zu verhaften, zu quälen und zu ermorden. Dennoch werden in größter Gedankenlosigkeit scheinbar  ideologiefreie, technizistische Begriffe der Nazis unbekümmert nicht nur zum Einsatz gebracht, sondern in den Schulen vermittelt. So klingen „Sonderbehandlung“ und „Gleichschaltung“ eigentlich neutral und sind nach dem vom Philologen und Romanisten  Victor Klemperer in seinem „LTI“ genannten Buch Bestandteile des Sprachschatzes des Dritten Reichs – der Lingua Tertii Imperi. „Worte können sein wie winzige Arsendosen; sie werden unbemerkt verschluckt, sie sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da“, schrieb er in seinem illegalen Dresdener Versteck.

Und so sollte man sich um scharf konturierte Klarheit und höchste Präzision bemühen. Das tut beispielweise Heribert Prantl dieses Wochenende in der „Süddeutschen Zeitung“ und formulierte zur Flüchtlingspolitik unter der Überschrift „Diese Union tötet“, dass einer dem Sterben auf dem Mittelmeer zuschauenden Europäischen Union (EU) der Nobelpreis weggenommen werden soll. Das Schlepperunwesen könne nämlich nur deswegen grassieren, weil Europa die Schotten dichtgemacht hat – weil es die Flüchtlinge mit allen, auch völkerrechtwidrigen Mitteln fernhält. Kaum waren diese Zeilen gedruckt, trat der bisher eindeutigste und tristete Beweis auf den Plan: Ein Immigrantenboot aus Lybien mit Kurs Italien versank in der Nacht zum Sonntag. Die Vereinten Nationen befürchten bis zu 700 Tote. Nur 28 wurden bislang gerettet. In wievielen Facetten die EU und die Bundesrepublik Deutschland (BRD) mit dem Völkerrecht auf Kriegsfuß stehen, ist kaum noch überschaubar. ++ (vk/mgn/19.04.15 – 90)

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Dortmund, 16. April 2015 (ADN). Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) hat die Liste der zehn am stärksten in der Medienlandschaft vernachlässigten Themen vorgestellt. An der Spitze des  2015 veröffentlichten Rankings stehen verkaufte Links, mit denen die Medien ihre eigene Glaubwürdigkeit untergraben. Solche Linkverkäufe, bei denen pro Link auf der Intenetseite einer Zeitung mehrere hundert Euro eingenommen werden, hat es nach den INA-Recherchen bei zahlreichen Verlagen gegeben. Es handele sich um bezahlte Werbung, die im redaktionellen Teil versteckt wird – also um eine moderne Form der Schleichwerbung. Der Werbeeffekt geht dabei über den einfachen Link hinaus. Wenn Medien mit einer großen Reichweite auf eine bestimmte Internet-Seite verweisen, steigt diese Seite im Ranking der Suchmaschinen. Sie wird in den Trefferlisten weit oben angezeigt. Die Leser werden bei diesem Geschäft getäuscht. Die Linkverkäufe sind in Fachkreisen bekannt, werden aber in der Presse aus nahe liegenden Gründen nicht thematisiert. Namentlich werden die „Aachener Zeitung“ und die „Ruhr-Nachrichten“ als negativ auffällig genannt.

Beispielhaft berichtete INA über das Nachrichtenportal news.de und einen Beitrag zu dem Starfriseur Udo Walz, der dort Tipps für gesundes Haar geben soll. Im Text findet sich ein Link zu der Amazon-Seite , auf der das Buch „Hairaffairs“ von Udo Walz gekauft werden kann. Der Wert für einen solchen Hinweis wird bei Regionalzeitungen auf mehr als 700 Euro und bei überregionalen Medien auf bis zu 3.000 Euro beziffert.

Platz zwei und drei im Ranking ignorierter oder wenig beachteter Berichterstattungsthemen liegen die undurchsichtigen Finanzgebaren politischer Stiftungen sowie die prekären Verhältnisse in Ausbildungsberufen. Über die Ursachen des Phänomens äußerte sich der langjährige Leiter der INA, Prof. Horst Pöttger: „Journalisten vernachlässigen Nachrichten nicht einfach aus Versehen oder zufällig. Mit der INA weisen wir auf die strukturellen Gründe hin, die dahinterstehen.“++ (me/mgn/16.04.15 – 87)

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