Archive für Beiträge mit Schlagwort: ADN

Berlin, 9. November 2014 (ADN). Dass der Fall der Berliner Mauer medial mit dem  Gestammel des damaligen SED-Politbüromitglieds Günter Schabowski eingeläutet wurde, ist eine äußerst gewagte relative Wahrheit. Dennoch wird diese These gebetsmühlenartig weltweit verbreitet und wird Otto-Normal-Bürger als absolute Gewissheit und unverrückbarer Tatbestand verkauft. In Wirklichkeit begann der Countdown für die Öffnung der Mauer lange vorher. Sie gewann für Journalisten der Nachrichtenagentur ADN bereits zur Mittagszeit des 9. November 1989 kokrete Konturen mit einem Anruf ihres CSSR-Korrespondenten kurz vor zwölf Uhr in der Berliner ADN-Zentrale. Seine einzige Frage bestand darin, ob die Mauer schon offen ist. Anlass der Nachfrage waren Informationen, die er kurz zuvor in der Prager DDR-Botschaft bekommen hatte. Die Überraschung in der ADN-Redaktion reichte von gedämpft bis enorm, löste jedoch sofortige Recherchen vor Ort  aus. Die Wirtschaftsredakteure aus der Inlandsredaktion Lothar Landgraf und Matthias Günkel wurden beauftragt, die innerstädtischen Grenzübergangsstellen nördlich und südlich des Brandenburger Tors abzuklappern und zu beobachten. Auf einer Route lagen die Grenzübergänge Bornholmer Straße, Invalidenstraße und Chausseestraße. Die beiden Journalisten fuhren  unentwegt die betreffenden Punkte ab und stellten fest: keine ungewöhnlichen Bewegungen. Ihre Pendeltouren endeten nach sechs Stunden um 18 Uhr in der Redaktion in der Berliner Mollstraße 1. Dann setzten sie sich an die Computer und bereiteten entsprechende Eilmeldungen vor. Parallel wurde die Life-Übertragung der Pressekonferenz verfolgt. Weitgehend klar war, dass der dann zur Legende gewordene Auftritt Schabowskis am Abend die entscheidenden Informationen liefert. Der Text der  Nachrichtenentwürfe lag sendereif bereit. Es mussten nur noch die präzisen Wortformulieren eingefügt werden. So geschah es. Um 18.58 Uhr wurde auf den Sendeknopf gedrückt. Die erste offizielle Nachricht über den Fall der Mauer stammte also von der Nachrichtenagentur ADN und ging kurz vor 19 Uhr in den Äther.

Bis heute werden diese und andere Wahrheiten unter der Decke gehalten. Die Grenzen, ob dies versehentlich, unbewusst oder absichtsvoll geschieht, sind fließend. Letzteres düfte nach Ablauf von 25 Jahren aber die nächstliegende Annahme sein, denn die Zeitzeugen wurden nicht befragt. Sie könnten nämlich korrigieren, richtigstellen und sogar Beweise vorlegen. Beispielsweise die ausgedruckte erste ADN-Meldung vom 9. November 1989, 18.58 Uhr und weitere ihr darauf folgende Nachrichten. Aber daran besteht kein Interesse. So kommt die prachtvolle Wochenendausgabe der „Berliner Zeitung“ vom 8./9. November 2014 zu fatalen Zerrbildern der Wirklichkeit, indem sie formuliert: „Als erste verbreitet die Nachrichtenagentur Reuters die  Regelung, noch ganz sachlich. AP wagt sich um 19.05 Uhr an die große Deutung und meldet: ‚DDR öffnet Grenze‘. In ein Dilemma stürzt die Pressekonferenz die Kollegen der staatlichen DDR-Agentur ADN. ‚Ich dachte, ich höre und sehe nicht richtig‘, sagt deren Generaldirektor Günter Pötschke in einer ersten Reaktion. ‚Der muss total verrückt sein.‘ Dann beschließt er, die Sperrfrist zu missachten.“ An dieser von Fehlern überlastenen Darstellung ist weiterhin zu erkennen, dass die Autoren wenig oder nichts Genaues über den DDR-Informationsapparat wissen. Eine solche brisante Nachricht mit Sperrfrist vier Uhr des nächsten Tages wie die über die Grenzöffnung wurde gewöhnlich im SED-Parteiapparat in ein versiegeltes Briefkuvert gesteckt, zum Fernsehen, zum Rundfunk und zu ADN gebracht. Dort lagerte es ungeöffnet im Panzerschrank,wurde dann dem Nachtdienst übergeben, der dieses Briefsiegel  erst bei Ende der Sperrfrist erbrach und die bis zu diesem Zeitpunkt  unbekannte Meldung veröffentlichte. Auch Pötschke konnte demzufolge den Inhalt der historischen Neuigkeit nicht kennen, bestenfalls ahnen.

Solchen Kenntnissen ging auch die „Süddeutsche Zeitung“ vor fünf Jahren  beim 20. Jahrestag des Mauerfalls aus dem Wege. Einer der beiden damaligen ADN-Rechercheure bot bereits im Oktober 2009 einen informativen Pressebeitrag zur Veröffentlichung an. Darauf verzichtete die Münchner Printredaktion mit dem Hinweis, die Berichterstattung zu dem Jubiläum sei schon weitgehend fertiggestellt. Es werde nur noch über das tagesaktuelle Geschehen berichtet.  ++ (me/mgn/09.11.14 – 312)

http://www.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

Leipzig/Hamburg, 7. Dezember 2012 (ADN). Wieder hat es im viel gelobten Land der Pressefreiheit und der Meinungsvielfalt Bundesrepublik Deutschland (BRD) eine Tageszeitung den Garaus gemacht.  Die mediale Einfalt wächst weiter. Die überregionale „Financial Times Deutschland“ (FDT) ist am Freitag zum letzten Mal erschienen. Nach zwölf Jahren verlieren mehr als 350 Mitarbeiter ihre bisherige Arbeit. Auf dem völlig schwarzen Deckblatt der letzten Ausgabe unter dem Titel „Final Times“ sind nur zwei Worte zu lesen: endlich schwarz. Das Licht wurde also in den Redaktionsstuben von dem Medienkonkonzern Gruner + Jahr ausgeknipst, nachdem das Wirtschaftsblatt in keinem Jahr seiner mehr als zwölfjährigen Geschichte positive Geschäftsergebnisse erreicht hatte. Der Gesamtbetriebsrat spricht anlässlich des Ereignisses davon, dass sich die Bundesrepublik in der schlimmsten Medienkrise seit ihrem Bestehen befindet. 

Galgenhumor der Redakteure durchzieht alle 42 Seiten der Sterbe-Ausgabe. Auf den neun Schluss-Seiten formulieren die Journalisten ihr Testament. In der Rubrik „Letzter Wille“ stellen sie fest, nur das zu vererben, „was in unseren Köpfen steckt“. Ein solcher Abschied, indem eine Zeitung ihr Testament verfasst, sei ungewöhnlich. Frisch, frech, oft vorlaut, manchmal zu laut – so sei das Anderssein dieses Printprodukts gewesen. „Wir haben versucht, Gedanken und Lösungen jenseits der deutschen Dogmen zu formulieren. Aber das darf man in Deutschland offensichtlich nicht ungestraft.  Die lachsrote Dekade der FDT-Existenz wird mit zwölf Charaktereigenschaften zuammengefasst: Dazu zählen die Dekaden der Tyrannenstürze, des Ungehorsams und der Gier.  Das Testament endet mit einem Appell an die Leser, der großen, leider schwindenden Zahl der Journalisten und diesem Berufstand treu zu bleiben.

Zur Trauergemeinde gehört auch die traditionsreiche  Metropole des Buch- und Zeitungsdrucks Leipzig. Am Hauptbahnhof war die letzte Ausgabe der „Financial Times Deutschland“ schon gegen acht Uhr ausverkauft. Ein Kiosk hatte ohnehin nur drei Exemplare geliefert bekommen.  Über nur zwei Stück verfügte ein Zeitungsladen in der Innenstadt zwei Minuten nach der Öffnungszeit um neun Uhr. Der Chefredakteur der einzigen Leipziger Tageszeitung hatte in einem aktuellen Kommentar empfohlen, mit dem Kauf der vom Todesglöckchen begleiteten FDT den Erwerb der regionalen „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ) zu verbinden. Es lohne sich. Eine Tageszeitung verkörpere in Deutschland ein wichtiges Kulturgut und einen Eckpfeiler der Demokratie. Mit jedem Blatt, das sich vom deutschen Lesermarkt verabschiedet, gehe ein Stück kollektiver Geist, ein Stück Meinungsvielfalt verloren.  Er führte neben der FDT weitere Beispiele der jüngsten Pressegeschichte an: die in Insolvenz gegangene „Frankfurter Rundschau“ (FR), „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“. Auch die Nachrichtenagentur dapd, die einen Insolvenzantrag gestellt hat, erwähnte der LVZ-Chef. Die im Jahr 1946 gegründete Nachrichtenagentur ADN, deren Restbestände vor rund zehn Jahren dank intensiver Treuhandtätigkeit in der Versenkung verschwunden war und seit mehr als einem Jahr wieder den Betrieb aufgenommen hat, übergeht der leitende Journalist jedoch mit Schweigen.  ++ (md/mgn/07.12.12 – 347)

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Leipzig, 26. Juli 2012 (ADN). Behörden der Bundesrepublik Deutschland (BRD) sowie Angestellte des Landes Sachsen und der Stadt Leipzig haben unter Missachtung der Grund-, Bürger- und Menschenrechte die journalistische Arbeit der Nachrichtenagentur ADN abrupt abgebrochen und über mehrere Tage hinweg unterbunden. Die Redaktion wurde von der Polizei zu Unrecht verhaftet, in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Leipzig gebracht und dort mehrere Tage festgehalten.  Stichhaltige Gründe für die Festnahme, die bei Weigerung mit Gewalt – unter Anlegen von „Handfesseln“ – sprich Handschellen – vorgenommen worden wäre,  konnten die involvierten Polizeikommissare Bernd Herrmann und Michael Müller nicht nennen.  Es fehlte sogar an einem schriftlichen und rechtswirksamen richterlichen Haftbefehl.

Opfer der ungwöhnlichen Repressalien war nicht nur die Presse- und Meinungsfreiheit. Damit wurden sogar die Gesetze der BRD,  die diese sich selbst verordnet hat, gebrochen. Die Staatsanwaltschaft Leipzig griff damit willkürlich und  brutal in ein laufendes bislang nicht abgeschlossenes juristisches Bußgeldverfahren um die Zahlung von 100 Euro ein, das derzeit beim Bundesgerichtshof (BGH) anhängig ist und in dem die Rückäußerung einer beteiligten Partei bis in die erste August-Dekade dieses Jahres im 2. BGH-Strafsenat erwartet wird.

Damit diese skandalösen Vorgänge nicht an die Öffentlichkeit gelangen, haben die sächsischen Sicherheitsorgane de facto eine Informationssperre verhängt. Sogar enge Angehörige eines betroffenen Journalisten wussten tagelang nichts über dessen Schicksal. Er konnte bei der Verhaftung und während des Gefängnisaufenthalts weder mit seinen Verwandten telefonieren noch einen Rechtsanwalt informieren, damit dieser dem Willkürakt entgegentreten konnte. Selbst die sofortige Konfrontation mit Dokumenten, mit der die Unrechtmäßigkeit der Aktion zu belegen war,  ließ bei den Polizisten, Justizangestellten und anderen beteiligten Personen, keinen Sinneswandel eintreten.  Sie argumentierten, lediglich die ihnen obliegenden, eng begrenzten Aufgaben zu erfüllen und verweigerten jeden Blick in die Unterlagen. Dazu gehörten neben den Papieren, die den konkreten Fall betrafen, auch der Wortlaut des Grundgesetzes (GG) und der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK), mit denen direkt vor Ort die Illegalität des Geschehens nachweisbar war.  Der menschenverachtende und pressefeindliche Spuk endete vor zwei Tagen mit Ablauf der in einem Schreiben der Leipziger Staatsanwaltschaft genannten Frist.  Eine unvollständige Kopie des Schriftstücks wurde dem Gefangenen erst rund zwei Tage nach der Inhaftierung ausgehändigt. Mit dem Willkürakt wurde bei der Agentur eine Nachrichtenblockade von fast zwei Wochen verursacht. ++ (pf/mgn/26.07.12 – 214)

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Berlin/Köln, 1. Januar 2012 (ADN).  Das Berliner Printmedium  „Der Tagespiegel“ bezeichnete in seiner Silvesterausgabe 2011 als das Jahr der Irrtümer. Die  „Berliner Zeitung“ eröffnete am letzten Tag des Jahres ein 36teiliges Rätsel, das Mitte Januar 2012 endet. Das Themenfeld erstreckt sich von „hoher Politik“ über Naturkatastrophen bis hin zu seichter Unterhaltung. Wer die Ereignisse des vergangenen Jahres besonders gut in Erinnerung behalten hat, kann gewinnen. Was, wird noch nicht gesagt oder geschrieben.

Das Deutschlandradio Kultur spricht von einem „Jahreswechsel an der Zeitenwende von 2011 nach 2012“. Es ist durchaus im übertragenen Sinne gemeint, was Chefredakteur Peter Lange unter dieser Überschrift kommentiert.

Atomausstieg, arabischer Frühling und Fukushima sind die Stichworte, die schon für sich allein das Jahr 2011 zu einem epochalen Zeitabschnitt machen. Fundamentale Veränderungen sind eingetreten und stehen weiter bevor. Sicher ist für 2012 nach den Worten von Lange nur die Unsicherheit. Alles sei in Bewegung. Es gebe große Potentiale zum Guten wie zum Schlechten. Der Ausgang sei offen. Das Jahr 2011 könne der Scheitelpunkt einer Zeitenwende gewesen sein.

Eine solche Erkenntnis fällt einer saturierten Gesellschaft wie der unseren nach Meinung Langes schwer. Im Hinterkopf trage sie nämlich noch die Traumata des 20. Jahrhunderts mit sich. Deshalb setze sie noch immer mehr auf Sicherheit und Rechtsstaat als auf Freiheit und Demokratie.

Darin scheint die Schlüsselfrage zu liegen. Die einem morbiden System zugewandten Beharrungskräfte – als eine Seite der Medaille – sind offenbar noch dominant gegenüber innovativem Geist – nicht dem ingenieurtechnischen, sondern dem gesellschaftlichen und politischen als der zweiten Seite der Medaille. Dass dies so ist, bestätigte ein versierter Nachrichtenjournalist in illustren Schilderungen heute im Deutschlandfunk. Schon der Titel seines kürzlich erschienenen Buches „Weniger Demokratie wagen“ spricht für diese von ihm vertretene Spielart der Stagnation.  In der Interviewsendung „Zwischentöne“ betonte der in Afrika tätige Korrespondent der Deutschen Presseagentur (dpa) dennoch die seiner Meinung nach strikte Neutralität von Agentur-Berichterstattung.  Ein Widerspruch in sich wird da spürbar, denn eine absolute Neutralität oder Wahrheit ist realitätsfremd. Insofern ist es gewiss sympathisch, wenn die andere Seite der Medaille nun medial aufblitzt und sich entfaltet in Gestalt der alten, neuen Nachrichtenagentur ADN (Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst) . Ihre Mitarbeiter versuchen an die Wurzeln dessen zurückzugehen und das aufzuarbeiten, was bislang versäumt wurde. Dazu zählen auch die Ursachen und Folgen der deutschen Teilung sowie des Halbfabrikats „Bundesrepublik Deutschland“, dass seit mehr als 20 Jahren künstlich beatmet wird, durch Europa und die Welt geistert.

Der Sender Deutschlandradio ist eine mediale Frucht der deutschen Teilung und der sogenannten Wiedervereinigung. Damals – Anfang der 90er Jahre – sollte diese Rundfunkstation eigentlich ihren Betrieb einstellen. Grund: ihr Auftrag sei erfüllt. Er bestand darin, die Hörerinnen und Hörer „in der mitteldeutschen Heimat“ mit Informationen zu versorgen. „Deutsche sämtlich, denen es verwehrt ist, gemeinsam mit uns in Freiheit zu leben,“ so erklärte der Gründungsintendant des Kölner Senders,Hermann-Franz-Gerhard Starke, genau auf Tag und Stunde vor 50 Jahren. Die deutsche Teilung sollte mit Rundfunkwellen überwunden werden. Dass sie es bis heute nicht ist und noch erhebliche Kärrnerarbeit bevorsteht, haben wohl einige Strippenzieher im Hintergrund erkannt. Damals – vor einem halben Jahrhundert – wurde in der ersten Nachrichtensendung um 16 Uhr über die Neujahrsansprachen des US-Amerikaners John F. Kennedy und des Franzosen Charles de Gaulle berichtet.  Das mutet einseitig und westlastig an. Das kommunikationswissenschaftliche „Nachrichtenquadrat“ war damals noch nicht  erforscht und praxisrelevant.

Vielleicht besann man sich deswegen eines Besseren und macht bis heute weiter. Dazu wurden Deutschlandfunk, das Radio im amerikanischen Sektor Berlins (RIAS) und die in der DDR ausgestrahlte ursprünglich Deutschlandsender genannte Rundfunkstation miteinander verschmolzen. Welche Bestandteile dabei die Oberhand gewannen, bleibt dahingestellt. Der ursprüngliche Auftrag wird also fortgeführt, das – nicht nur mediale Interegnum – verlängert. Am Ende muss ein wirklich vollkommen souveräner deutscher Staat mit Friedensvertrag und vom Volk beschlossener Verfassung stehen. ++ (md/mgn/01.01.12 -1)

Berlin/Leipzig, 10. Dezember 2011 (ADN). Die Nachrichtenagentur Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst (ADN) hat am heutigen 10. Dezember 2011 – dem Internationalen Tag der Menschenrechte – den Regelbetrieb wieder aufgennommen. Vorausgegangen ist ein zweimonatiger Testlauf, der am 65. Jahrestag der ADN-Gründung startete.

Die Gründung des ADN erfolgte am 10. Oktober 1946 durch Übergabe der Lizenz Nummer 101 durch die Sowjetische Militäradministration (SMAD) in Berlin. Unter Beteiligung von Repräsentanten weiterer Hauptsiegermächte des Zweiten Weltkrieges – USA, Großbritannien und Frankreich – sowie des Oberbürgermeisters von Berlin im ehemaligen Gebäude der deutsch-asiatischen Bank im Berliner Bezirk Mitte überreichte Oberst Georgi Bespalow die Lizenz an Gründungsdirektor Georg Hansen. Der sowjetische Offizier verpflichtete die ADN-Mitarbeiter in seiner Ansprache als „Träger der demokratischen Ideen des Fortschritts“. Karl Mossner von der liberaldemokratischen Tageszeitung „Morgen“ und Otto Nuschke vom Union-Verlag legten in ihren Redebeiträgen Wert auf die „objektive Nachricht gegenüber dem unsicheren Gerücht.“ Nach ihrer Auffassung war die Lizensierung der ersten Nachkriegsagentur als deutsches Unternehmen  ein Schritt auf dem Wege zur völligen Pressefreiheit in Deutschland. Diesen seinerzeit formulierten, jedoch bislang sehr lückenhaft verfolgten Zielen der Berichterstattung sowie den grundlegenden Menschen-, Grund- und Bürgerrechten sieht sich auch der nunmehr eingesetzte ADN-Aufbaustab verpflichtet.  Er hat deshalb die Staatliche Selbstverwaltung als Existenz- und Betriebsgrundlage gewählt, um krankhafte Deformationen in der Nachrichtengebung und eine einseitig interessengeleitete Berichterstattung   zu verrmeiden.

Von dem ursprünglich sehr klar skizzierten Kurs unabhängiger und parteiungebunderer Informationsvermittlung war nämlich im Laufe der Nachkriegsjahrzehnte abgewichen worden. Ein Grund dafür lag in den zunehmenden politischen, wirtschaftlichen und militärischen Ost-West-Konfrontationen in der Welt, in Europa und zwischen den beiden deutschen Territorialfragmenten Deutsche Demokratische Republik und Bundesrepublik. Nach den Erhebungen der DDR-Bürger im Jahre 1989 und im Laufe der bislang politisch erfolglosen Bemühungen, Deutschland wieder in einen völkerrechtlich souveränen Staat zu wandeln, wurde ADN insbesondere durch die destruktive Tätigkeit der Treuhandanstalt zerstückelt und zerstört. (me/mgn/10.12.11 – 29)

Berlin/Leipzig, 10. Oktober 2011 (ADN).  Die vor genau 65 Jahren gegründete Nachrichtenagentur Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst (ADN) ist ab sofort revitalisiert. Der Sendebetrieb wurde am Montag wieder aufgenommen. Die künftige inhaltliche Berichterstattung erfolgt unter den ursprünglich gesetzten Prämissen. Die Grundsätze für die Tätigkeit der Nachrichtenagentur wurden im Jahr 1946 unter dem Eindruck des gerade beendeten Zweiten Weltkrieges formuliert.  Sie fanden ihren Niederschlag in dem von den Gründern im August bei der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) in Berlin-Karlshorst abgegebenen  Lizenzantrag. Die sowjetische Besatzungsmacht lizensierte ADN nicht nur als erste deutsche Nachrichtenagentur nach dem Krieg überhaupt, sondern als selbständiges, eigenes deutsches Unternehmen. Die Firma wurde am 5. Oktober 1946 im Handelsregister des Amtsgerichts Berlin Mitte eingetragen. Die Urkunde mit der  Lizenznummer 101, die am 10. Oktober 1946 ausgestellt war, wurde an diesem Tag dem Geschäftsführer Georg Hansen im Empfangszimmer des Gebäudes der Deutsch-Asiatischen Bank in der Berliner Mittelstraße von Oberst Georgi Bespalow in Anwesenheit der militärischen Repräsentanten der USA, Großbritanniens und Frankreichs aus den anderen Sektoren der Stadt sowie des Berliner Oberbürgermeisters Artur Werner überreicht. Die sowjetische Militärverwaltung begrüßte insbesondere die Erklärung der deutschen Journalisten in ihrem Antragschreiben an Marschall Sokolowski, dass sie eine Agentur schaffen wollen, die nicht den Interessen irgendeiner Partei, sondern dem ganzen deutschen Volk dient. Als ein wichtiges Ziel wurde genannt, die Aufnahme Deutschlands  in die gemeinsame Familie der Völker der Welt zu fördern. Oberst Bespalow verpflichtete die ADN-Mitarbeiter als Träger der demokratischen Ideen des Fortschritts.  Ähnlich argumentierte Hansen in seiner Ansprache. Otto Nuschke vom Union-Verlag und Karl Mossner von der liberaldemokratischen Zeitung „Der Morgen“ legten in ihren Redebeiträgen Wert auf die „objektive Nachricht“ gegenüber dem unsicheren Gerücht. Nach ihrer Einschätzung war die Lizensierung ein Schritt auf dem Wege zur völligen Pressefreiheit in Deutschland.

Von dem klar umrissenen Kurs wurde jedoch im Laufe der darauf folgenden Jahrzehnte mehr oder weniger abgewichen. Ein Grund dafür waren die zunehmenden politischen, wirtschaftlichen und militärischen Ost-West-Konfrontationen in der Welt, in Europa und zwischen den beiden von den Besatzungsmächten eingesetzten deutschen Administrationen Bundesrepublik Deutschland (BRD) und Deutsche Demokratische Republik (DDR), die sich jeweils zwar selbst als Staaten betrachteten und bezeichneten, es jedoch im Wesen bis zu ihrem endgültigen juristischen Ende am 17. Juli 1990 nicht waren.

Der Allgemeine Deutsche Nachrichtendienst geriet nach der friedlichen Revolution in der damaligen DDR 1989 und der sogenannten deutschen Wiedervereinigung 1990 zwischen die Mühlsteine diverser macht- und medienpolitischen Interessen. Zunehmende interne und externe Auseinandersetzungen hatten zu seiner Aushöhlung beigetragen. Rasch setzte personelle Auszehrung ein. Die Agentur wurde Stück für Stück von der Treuhandanstalt zerstückelt, ausgeschlachtet und letztlich ganz zerschlagen. Zahlreiche Spekulanten waren daran beteiligt. Noch wahrnehmbare schwache Lebenszeichen des Mediums erloschen vor elf Jahren. (md/mgn/10.10.11) ++

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