Archive für Beiträge mit Schlagwort: Andreas Papandreou

Athen, 1. April 2015 (ADN). Die beiden griechischen Regierungsparteien SYRIZA und ANEL werden am nächsten Montag im Parlament die Einberufung eines Untersuchungsausschusses vorschlagen. Das Gremium soll sämtliche Entscheidungen unter die Lupe nehmen, die von den im Zeitraum Oktober 2009 bis Januar 2015 an der Macht befindlichen Regierungen getroffen worden sind. Darüber berichtet das Wochenperidikum „Griechenland Zeitung“ am Mittwoch in Athen. Im Fadenkreuz der angekündigten Recherchen sollen das Zustandekommen der Spar- und Reform-Memoranden, die Kooperation mit den internationalen Geldgebern, der Schuldenschnitt sowie die Rekapitalisierung der Banken stehen. Es handelt sich bei dem angepeilten Analysezeitraum um die jeweiligen Herrschaftsperioden unter den Premierministern Papandreou, Papadimos und Samaras. Erwartet werden heftige Kontroversen mit den früheren Regierungsparteien PASOK und ND. Zur Annahme des Antrags werden mindestens 121 von insgesamt 300 Parlamentarierstimmen benötigt. Da die gegenwärtige Koalitionsregierung über eine Mehrheit von 162 Abgeordneten verfügt, wird mit der Einberufung des Untersuchungsausschusses gerechnet.

Ein Kommentator des Zeitungsartikels, der den Vorschlag begrüßt, erhofft sich von dem Gremium Aufklärung über die Rolle des internationalen Finanzkonglomerats Goldman Sachs, bei dem beispielsweise Lucas Papadimos tätig war. Genannt werden weitere prominente Namen aus der EU-Welt, die mit diesem Finanzunternehmen eng verbandelt waren oder sind. Dazu zählen Romano Prodi (Italien), Hans Friderichs (Deutschland), Mario Monti (Italien), Antonio Borges (Portugal), Mario Draghi (Italien) und Kazimierz Marcinkiewicz (Polen). Als zu dem Kreis der involvierten Personen gehörig wird außerdem auf den Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank, Paul Achleitner, sowie den Deutschland-Chef von Goldman Sachs und Berater von Angela Merkel, Alexander Dibelius, hingewiesen. ++ (kr/mgn/01.04.15 – 81)

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Athen/Zürich, 19. April 2012 (ADN). Der griechische Komponist, Dichter und Widerstandskämpfer Mikis Theodorakis rechnet mit den Finanzkriegern und Blutsaugern der internationalen Geldoligarchie ab. In einem Beitrag für die jüngste Ausgabe der schweizerischen Wochenzeitung „Zeit-Fragen“ bringt er die Vorgänge in seinem Heimatland auf einen tragischen, dennoch aufrüttelnden Kern. „In Wahrheit fließt jedes Paket mit den Dutzenden Milliarden Euro, mit denen Griechenland belastet wird, wieder vollständig dahin zurück, wo es herkommt, während uns neue untragbare Zinsen aufgebürdet werden“, erklärt der seit Jahrzehnten engagierte Friedenskämpfer. Bis 2009 habe es kein ernsthaftes wirtschaftliches Problem gegeben. Die großen Wunden seien jedoch durch die übertriebenen Aufwendungen für den Kauf von Kriegsmaterial und die Korruption geschlagen worden. Für beides trügen Ausländer erhebliche Mitverantwortung. Deutsche, Franzosen, Engländer und Amerikaner verdienten nach seinen Worten aus dem jährlichen Verkauf von Rüstungsgütern Milliarden zu Lasten des nationalen Reichtums Griechenlands.  Als weiteres Beispiel prangerte Theodorakis das deutsche Unternehmen Siemens AG an. Es habe ein spezielle Abteilung zur Bestechung griechischer Funktionäre unterhalten, um seine Produkte auf dem griechischen Markt zu platzieren. Um den Abfluss des Reichtums der Griechen in die Kassen fremder Länder zu vetuschen, suchten die korrupten Elemente in den beiden proamerikanischen Machtparteien Zuflucht in einer überdimensionalen Staatsverschuldung, so der Künstler. Inzwischen betrage diese 300 Milliarden Euro und umfasse 13 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Allein die Zinsen für den Kredit von einer Milliarde Dollar, den Andreas Papandreou im Jahre 1986 von einem großen europäischen Land aufnahm, erreichten schließlich 54 Milliarden Euro und wurden 2010 abbezahlt.

Nach Meinung von Theodorakis hat Papandreous Verschwörung gegen das eigene Volk im Sommer 2009 begonnen, als er sich mit dem damaligen Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Straus-Kahn, traf, um Griechenland unter die Hegemonie des IWF zu führen. Dem folgte eine fünf Monate währende systematische Kampagne Ppandreous und seines Finanzministers in Europa, um das Ausland davon zu überzeuigen, ihr Land verkörpere die vor dem Untergang stehende Titanic. „Bei jeder ihrer Erklärungen stiegen die Zinssätze, damit wir keine Kredite mehr aufnehmen konnten und unsere Unterstellung unter den IWF und die Europäische Bank als Rettung erscheinen musste. In Wirklichkeit bedeutete sie den Beginn unseres Sterbens,“, schilderte Theodorakis.

Obwohl das griechische Recht für wichtige Entscheidungen eine Drei-Fünftle-Mehrheit verlangt, besiegelte im Mai 2010 eine einzige Unterschrift eines Ministers unter das berüchtigte Moratorium die vollständige Unterwerfung. Das Moratorium und die Troika, die die Griechen heute praktisch regieren, agieren nicht nur nach griechischem, sondern auch nach europäischem Recht illegal, schreibt Theodorakis. Damit sei die nationale Eigenständigkeit und das Staatsvermögen an die Ausländer abgetreten worden. Dazu zählen Häfen, Flughäfen, Straßennetze, Elektrizität, Wasserversorgung, unter der Erde und dem Meer befindliche Schätze. Sogar kulturelle Monumente wie die Akropolis, Delphi, Olympia und Epidauros seien dem griechischen Volk entzogen. Infolgedessen, so Theodorakis, kam die Produktion zum Erliegen, die Arbeitslosigkeit stieg auf 18 Prozent und 432.000 Unternehmen wurden insgesamt dichtgemacht.

Eine denkbare Lösung, um dem Drama zu entrinnen, sieht der 87jährige in einer radikalen Kursänderung und einer Hinwendung zu Russland. Mit den Russen müsse Griechenland eine faire wirtschaftliche Kooperation suchen, Joint-Ventures bilden und mit ihnen zusammen die natürlichen Ressourcen des Landes nutzen. Abschließend geht Theodorakis in dem Beitrag, der auf einem am 12. Februar 2012 in Athen verfassten Brief beruht, auf Ereignisse seiner Biographie ein. „Ich kämpfte mit der Waffe in der Hand gegen die Hitler-Besatzung. Ich lernte die Verliese der Gestapo kennen. Ich wurde von den Deutschen zum Tode verurteilt und überlebte wie durch ein Wunder. 1967 gründete ich die PAM, die erste Widerstandsorganisation gegen die Militärjunta. Ich kämpfte in der Illegalität. Ich wurde ergriffen und im ‚Schlachthof‘ der Junta-Kripo inhaftiert. Schließlich habe ich wieder überlebt“. Es sei zwar wahrscheinlich ,die Rettung seines geliebten Vaterlandes nicht mehr persönlich zu erleben, dennoch werde er jedoch bis zu seinem Ende fortfahren, seine Pflicht gegenüber den Idealen der Freiheit und des Rechts nachzukommen. ++ (kr/mgn/19.04.12 – 114)