Archive für Beiträge mit Schlagwort: Apotheken

Montevideo/New York, 12. Dezember 2013 (ADN). Das Echo auf die vor rund 24 Stunden in Montevideo erfolgte weltweit erstmalige Legalisierung von Cannabis ist riesengroß, global und äußerst differenziert. Der vom Parlament Uruguays ausgelöste Paukenschlag erzeugt hohe und langanhaltende Wellen. Als das uruguayische Abgeordnetenhaus als erste Instanz im August vergangenen Jahres dem Gesetz zustimmte, glaubte noch niemand so Recht an den Erfolg der Initiative. Doch als nun der Senat mit knapper Mehrheit von 16 zu 13 Stimmen die Vorlage vorgestern endgültig abgesegnet hat, wirkte die Entscheidung in der Weltöffentlichkeit wie ein lauter Weckruf – Pro und Contra.

Zu den größten Skeptikern und Gegnern des schrillen Signals aus der Stadt am Rio de la Plata gehören die Repräsentanten der Vereinten Nationen (UNO). Nach ihrer Ansicht verstößt der Schritt gleich gegen mehrere internationale Abkommen zur Kontrolle des weltweiten Drogenhandels. Mit heftigem Kopfschütteln lässt die diplomatische Welt in der New Yorker UNO-Zentrale wissen, dass die Gesundheitsrisiken von Marihuana bewusst ignoriert würden. Auch in dem vom Linksbündnis Frente Amplio regierten, lateinamerikanischen Land selbst, von dessen 3,3 Millionen Einwohnern nach offiziellen statistischen Schätzungen rund 115.000 Drogen-Konsumenten leben, gibt es Ablehnung. Sie ist mit 80 Prozent nach Lesart der urugayischen Zeitung „El Pais“ deutlich. Bei einer Volksabstimmung, deren Gültigkeit die Teilnahme von nur zwei Prozent der Stimmberechtigten erfordert, könnte das Gesetz rasch wieder kippen. Experten wie Nancy Alonso weisen auf die sozialen und gesundheitlichen Probleme hin, denen das Gesetz den Weg bereitet. Die Psychologin wird von dem aus Montevideo berichtenden Guardian-Korrespondenten Mauricio Rabuffetti mit dem Hinweis zitiert, dass damit das Risiko für das Entstehen von Karzinomen 15 Mal höher liegt als beim Tabak-Genuss. Es würden Depressionen, Angstgefühl und – bei überdurchschnittlichem Verbrauch – Schizophrenie provoziert.

Dennoch scheinen angesichts des seit Jahrzehnten tobenden, weitgehend erfolglosen Krieges gegen Drogen die positiven Stimmen zu überwiegen. Zu den Befürwortern im Inland gehört an erster Stelle der Staatspräsident Jose Mujica. Er verweist auf die bisher gescheiterten Bemühungen gegen den Drogenkrieg, in den insbesondere Lateinamerika verwickelt ist. Dabei bietet Mexiko ein ganz besonders blutiges und brutales Bild. Dort sind offiziellen Statistiken zufolge von 1997 bis 2012 genau 21.071 Menschen ermordet worden. Die grausame Spitze der mexikanischen Bundesstaaten bildet dabei der „bundesunmittelbare Hauptstadtbezirk“ mit 4.256 Toten. Die Drogenkartelle malträttieren weiterhin insbesondere die mittelamerikanischen Staaten Nicaragua, Honduras, El Salvador und Guatemala. Dort sind sie bereits Bestandteil der Politik geworden. Guatemalas Präsident, Otto Molina, sagt nach einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“: „Wir leiden unter diesem Drogenkrieg und müssen komplett umdenken.“ Uruguay biete als erstes Land der Welt der Drogenmafia die Stirn. Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos, dessen Land zu den größten Cannabis-Produzenten zählt, fordert eine offene Debatte. Nötig sei eine internationale Lösung, weil Europa und die USA die Hauptabsatzmärkte sind. Nach den Worten des Außenministers von Venezuela, Elias Jaua, prüft seine Regierung den „innovativen Ansatz aus Uruguay“. Auch in Nordamerika wird über die Alternative Legalisierung statt Verbot nachgedacht. Anlass ist der enorm hohe Polizeiaufwand und die geringen Abwehrerfolge gegen den illegalen Drogenhandel.

Mit dem nun im Rampenlicht stehenden Gesetz, das Mitte 2014 in Kraft tritt, will der Staat Uruguay die Droge kontrollieren und die gesamte Warenkette transparent machen. Der Gesamtprozess – von der Herstellung bis zum Konsum, also Anbau, Ernte, Erwerb, Export, Import, Lagerung und kommerzieller Vertrieb, – werden von öffentlichen Stellen abgewickelt und beaufsichtigt. Vorgesehen ist, dass jeder Uruguayer ab 18 Jahren in Eigenregie bis zu sechs Cannabis-Pflanzen anbauen oder verkaufen darf. Apotheken werden für den Verkauf autorisiert. Maximal dürfen 40 Gramm pro Monat und Person abgegeben werden. Der Preis der Droge wird dadurch enorm sinken, beispielsweise auf einen Dollar pro Gramm.

Auf diese Weise wäre der Mafia die illegale Geschäftsgrundlage entzogen. Bisher macht sie weltweit Milliarden-Gewinne. Inzwischen gibt es bereits erste Absetzbewegungen. Aufgrund in absehbarer Zeit sinkender Drogen-Renditen suchen die Mafiosi nach anderen Betätigungsfeldern, zum Beispiel im Gold-Bergbau. ++ (kr/mgn/12.12.13 – 340)

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Frankfurt am Main, 1. Oktober 2012 (ADN). Apotheken haben riesigen Zulauf.  Einer Untersuchung des Instituts für Handelsforschung Köln (IHF) zufolge werden die deutschen Apotheken täglich von 3,5 Millionen Kunden aufgesucht. Es geht ihnen dabei neben dem Abholen von Medikamenten und kompetenter Beratung auch um kostenfreie Informationschriften rund um die Gesundheit. Wie das Periodikum „Horizont“ in seiner jüngsten Ausgabe weiter mitteilt, kommen inzwischen 21 Prozent der Kunden – also jeder Fünfte – allein zu dem Zweck in die Apotheke, um sich eines der zahlreichen dort erhältlichen Gesundheits-Magazine geben zu lassen.  Die Apotheke werde auf diese Weise zum Gratiskiosk.

Wie die in Frankfurt am Main herausgegebene Zeitschrift für Marketing, Werbung und Medien weiter mitteilt, ist es für die Mehrzahl der Kunden selbstverständlich, in der Apotheke ein Gesundheitsmagazin kostenlos zu bekommen. Zitiert wird der IHF-Pharmaexperte Markus Preißner: „Sie erwarten in der Apotheke die beste und freundlichste Beratung, umgehende Verfügbarkeit der Arzneimittel, kostenlose Botendienste und Gesundheitsdienstleistungen – und eben kostenlose Zeitschriften. Viele haben sich daran gewöhnt und möchten diesen netten Service nicht mehr missen.“

Die eigentlichen Kosten für dieses freundliche Rund-um-Service-Paket tragen die Apotheken und deren Inhaber. Laut IHF-Studie zahlen die Apotheker 60 Cent für jedes abgegebene Exemplar.  46 Prozent der Apotheken verteilen pro Monat zwischen 501 und 1.000 Print-Produkte. Für jede Apotheke entstehen dadurch im Jahresdurchschnitt Zusatzkosten in Höhe von 5.000 Euro.  Hochgerechnet auf alle deutschen Apotheken beziffert das Institut den Vertriebswert dieser Art der Verteilung von Kundenzeitschriften auf jährlich mehr als 100 Millionen Euro.

Von der Mutation der Apotheke in eine Schalt-Zentrale der Gesundheitskommunikation profitieren einseitig die Verlage. Einer der größten ist der Wort & Bild Verlag in Baierbrunn bei München. Allein die verkaufte Auflage eines seiner zahlreichen Medien – die „Apotheken-Umschau“ – beträgt 9,8 Millionen Stück. Die Reichweite beträgt nach Berechnungen einer Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse (AWA) für das Jahr 2012 sogar 13,1 Millionen Leser. ++ (ge/mgn/01.10012 – 279)

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