Archive für Beiträge mit Schlagwort: Arbeiterbewegung

München, 7. Januar 2014 (ADN). Der risikobewusste 007-Mann der Christlich-Sozialen Union (CSU), Peter Gauweiler, hat am siebenten Tag des neuen Jahres in einem 7.17 Uhr gegebenen Rundfunkinterview eine sehr präzise und treffende Definition für den Begriff „Job“ abgeliefert. Nach seinen Worten handelt es sich dabei um den „amerikanischen Ausdruck für die Ausführung irgendwelcher Wegwerftätigkeiten“. Da die zielsichere Formulierung aus dem Munde eines erfahrenen Bundes- und Landespolitikers stammt, der zugleich stellvertretender Vorsitzender einer „staatstragenden“, in der Bundesregierung vertretenen politischen Partei ist, dürfte die Vokabel damit nunmehr zum offiziellen Sprach- und Wortschatz des bundesdeutschen Machtapparates gehören. Gleichzeitig wurde damit mehr als zehn Jahre nach Beschluss der unseligen Agenda 2010 ein entscheidender Schritt in Richtung Wahrheit und Wahrhaftigkeit getan. „Arbeit“ als sinnstiftende Betätigung des Menschen ist demnach historisch überholt und auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet. Das aus dem anglo-amerikanischen Bereich kommende Drei-Buchstaben-Gebilde „Job“, das im Duden unter dem Punkt 1 a als vorübergehende Beschäftigung definiert wird, hat nun auch diese Stufe noch einigermaßen sachlicher Beschreibung verlassen und ist zur beliebigen Gossenvokabel degradiert worden.

Inzwischen schmücken 424 bundesdeutsche Organisationen ihre bürokratischen Apparate mit dem Namen „Job-Center“ und bestätigen damit das miserable Image eines besudelten Begriffs, der in einer humanen Gesellschaft Arbeit heißt und als zentral für den Sinn des Lebens gehalten wird. „Job-Center“ bieten arbeitslosen Menschen in der Regel tatsächlich das an, was von dem politischen Rauhbein Gauweiler „irgendwelche Wegwerftätigkeiten“ genannt wird. Und wenn die Betroffenen diese, sehr oft diskriminierenden Offerten nicht freiwillig akzeptieren, so werden sie unter Androhung des Entzugs wichtigster Existenzmittel zur Annahme gezwungen. All das passt damit auch viel besser in einen kaum eine Gemeinschaft verkörpernden Verbund, dessen Hauptziel in dem auf kurzfristigen Profit orientierten Wirtschaften besteht und der sich – auch verbal – längst als Wegwerfgesellschaft versteht. Menschenverachtung wäre ein geeignetes Synonym für derlei Tun. Dies auch demnächst so zu formulieren, ist das stilistische Sprachtalent Gauweiler am ehesten in der Lage.

Wie auf die ernüchternde Offenbarung aus Bayern die der deutschen Arbeiterbewegung verpflichtete sozialdemokratische Arbeitsministerin, Andrea Nahles, reagiert, ist gegenwärtig noch völlig unklar. Zumindest wichtige Gremien des „Bundesministeriums für Arbeit und Soziales“ müssten umgehend in eine Grundsatzdebatte darüber eintreten, ob die jetzige Bezeichnung ihrer Institution noch zeitgemäß ist. Sprachsemantische Aufklärung ist also dringend geboten. ++ (so/mgn/07.01.14 – 007)

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Frankfurt am Main, 7. Mai 2013 (ADN). Gewerkschaften müssen sich neu erfinden – oder sie gehen unter. Das ist das Fazit eines ganzseitigen Artikels in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) vom Dienstag. Als Urheber der bemerkenswerten Aussage wird der Direktor des Instituts für Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht an der Universität München, Volker Rieble, genannt. Er erläuterte als Beispiele aus der Vergangenheit die Gewerkschaft Leder und die Industriegewerkschaft (IG) Bergbau. Diese Interessenvertretungen von Arbeitnehmern seien nicht nur an den Krisen ihrer Branchen gescheitert, sondern auch an einer ausgeprägten Unfähigkeit, sich zu wandeln.

Um der Gefahr des Verschwindens von der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bildfläche zu begegnen, bietet nach den Worten des Diplominmgenieurs und Betriebsrats, Dirk Rehm, aus der Firma Lenze Automation in Hameln die IG Metall wirkungsvolle Rezepte. Sie habe ihn positiv überrascht, weil sie nicht dogmatisch und politisch verhandelt hat. Günstige Umstände erleichterten die Annäherung von Arbeitnehmern und Gewerkschaft und später mit dem Unternehmen. Eine Neustrukturierung hatte der Tageszeitung zufolge zu einer schwer nachvollziehbaren Vielfalt individueller Vertragsbedingungen im Betrieb geführt und damit zu einem hohen Bedarf an einheitlichen Grundregeln. Für die eigentlich nur 150 Beschäftigten des Maschinenbaubetriebes ist in einem mehrjährigen Prozess ein mustergültiger Tarifvertrag entstanden. Er wird von der IG Metall als Leuchtturmprojekt betrachtet. Die aus Ingenieuren bestehende Belegschaft hatte gleich zu Beginn der Gewerkschaft zu verstehen gegeben, dass sie nichts von roten Fahnen und Trillerpfeifen hält.

Die IG Metall, die über dieses Projekt eigens eine Farbbroschüre veröffentlicht hat, treibt deshalb erheblichen Aufwand, damit Hameln zur Sicherung der Zukunmft der Gewerkschaft kein Ausnahmefall bleibt. „Denn der Wandel der Arbeitswelt stellt die alten Massenorganisationen der Arbeiterbewegung vor existenzielle Fragen. An die Stelle von Massenproduktion treten Dienstleistungen oder kundenspezifische Fertigung – das ist eines der Erfolgsrezepte der Industrie. Damit differenzieren sich Arbeitsbedingungern und Arbeitnehmerinteressen aus, und umso weniger passt dazu die hergebrachte Art der Gewerkschaftsarbeit,“ schreibt die FAZ. ++ (so/mgn/07.5.13 – 121)

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Hanau/Frankfurt (Main), 20. März 2012 (ADN). Aufklärung ist im Sinne der bürgerlichen Philosophie Immanuel Kants der Ausgangspunkt des Menschen, seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit zu entfliehen. Für die Mitglieder und Anhänger des Vereins Business Crime Control (BCC) verkörpert Aufklärung den Ausbruch des Menschen aus seiner unverschuldeten Gefangenschaft in den Laufställchen der Konzernwirtschaft. Das erklärte der ehemalige Vorsitzende des Vereins, Prof. Dr. Hans See, in einem Interview. „Die Konzerne haben uns in ein System hinein manövriert, gegenüber dem die mittelalterliche christlich-katholische Kirche mit ihren ungeheuerlichen Verbrechen aus heutiger Sicht beinahe harmlos erscheint.“

In der gegenwärtigen postkommunistischen Epoche ist die Kritik der kriminellen Ökonomie der einzige Fressfeind, der dem ungebändigten Kapitalismus noch geblieben ist, so See. Die Aufklärung in der Zeit nach dem Kommunismus stelle keine für Dogmen geeignete Theorie dar, sondern beziehe sich auf die unendliche Vielfalt verbrecherischer Ausbeutung und deren Verantwortlicher. Sie enthalte deshalb alle Errungenschaften einerseits der bürgerlichen Aufklärung als auch der Aufklärung, die der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung zu verdanken ist.

Nach den Worten von See hat die Theorie der kriminellen Ökonomie zwei Stoßrichtungen. Die erste bestehe darin, sich mit den gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Theorien und Erkenntnissen des BCC auseinanderzusetzen. Zweite Säule sei der politische Kampf gegen den Machtmissbrauch der Wirtschaft und die Verbrechen des Kapitals. Dabei stünden die Bemühungen im Vordergrund, um bereits im Vorfeld Kapital-Verbrechen auslösende Entscheidungen durch demokratische Kontroll-Systeme zu verhindern bzw. strafrechtlich umfassend zu sanktionieren.

Der Verein BCC wurde am 22. März 1991 – also vor 21 Jahren – im hessischen Hanau gegründet. In der „Atomstadt“ hatte der Transnuclearprozess bewiesen, dass sogar kerntechnischer Abfall um des Profits willen kriminell – also am Gesetz vorbei – entsorgt wird. Weiterer Anlass zur Vereinsgründung war die von den Medien verharmloste Kriminalität der Treuhandanstalt, die die DDR-Wirtschaft abwickelte. ++ (kr/mgn/20.03.12 – 82)