Archive für Beiträge mit Schlagwort: DDR-Bürgerrechtler

Berlin/Leipzig, 5. Dezember 2013 (ADN). Jesus Christus ist allgemein als der erste prominente Kommunist bekannt. Der sich christlich nennende bundesdeutsche Politiker Klaus-Peter Willsch will zweitausend Jahre später den Kommunismus mit all seinen Kombattanten zur Hölle schicken. Zu den von dem Mitglied der Christlich-Demokratischen Partei (CDU) für das Fegefeuer bestimmten Personen gehört die Linkenpolitikerin Gesine Lötzsch. Wie Willsch am Donnerstag im Deutschlandfunk erklärte, strebt Lötzsch den Kommunismus als Ziel ihrer politischen Arbeit an, indem sie „Wege zum Kommunismus“ ausprobieren will. Deshalb sei die Berlinerin keine Anhängerin des Parlamentarismus und folglich nicht geeignet für die Position im Vorsitz des Haushaltsausschusses im Bundestag, für die sie von ihrer Partei vorgeschlagen worden ist.

Dieser Wettstreit um den Titel „Bester Kommunist“ – in welchem Sinne auch immer – , bei dem es um nichts weniger als um eine hervorgehobene Macht- und Einflussposition geht, dürfte sich als erbitterter Hahnenkampf in einer Schar gackernder Hühner entpuppen. Das beweist die sofort vom Rundfunk-Moderator eingeholte Gegenäußerung der Höllenkandidatin.

Dass ein führender Haushaltspolitiker vor allem die vier Rechenarten beherrschen muss, kam gar nicht zur Sprache. Die Kunst, Geld zusammenzuhalten und intelligent zu investieren, bestätigt den Linken ausgerechnet einer ihrer schärfsten Gegner. Der ehemalige DDR-Bürgerechtler Konrad Weiß hatte am Vortag in Leipzig bei einer Podiumsdiskussion ausführlich geschildert, mit welcher Rafinesse der wohl derzeit prominenteste „Kommunistenchef“ Gregor Gysi nach der Wiedervereinigung das Parteivermögen der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) vor dem Zugriff der berüchtigten Treuhandanstalt bewahrt hat und bis heute versteckt hält. Summen in dreistelliger Millionenhöhe seien als Gründerkapital für die Treuesten der SED-Treuen geflossen. Sie hätten sich längst ausgezahlt. Gysi sei zudem das Meisterstück geglückt, die SED-Mitgliederkartei vollständig zu vernichten. Das hätten nicht einmal die Nationalsozialisten mit ihren Mitgliedslisten zuwege gebracht. ++ (dk/mgn/05.12.13 – 333)

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Magdeburg/München, 27. Februar 2012 (ADN). Joachim Gauck fährt ganz ungeniert auf dem Ticket eines ehemaligen DDR-Bürgerechtlers durch die politische Landschaft. Aber in der entstehenden Opposition unter dem Dach der Kirche ist er mir nie begegnet, erklärte der seit dem Jahr 1968 in der DDR-Opposition tätige Hans-Joachim Tschiche in der heutigen Montagausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ). Gauck habe auch nicht zu den Gründungsvätern des „Neuen Forum“, der bekanntesten DDR-Oppositionsgruppe im Jahr 1989, gehört. Er sei erst später auf den fahrenden Zug aufgesprungen und eben nicht einer ihrer Lokomotivführer gewesen, wie gegenwärtig in der Öffentlichkeit lauthals verbreitet wird.

Der 82jährige Tschiche, früher Pfarrer und Leiter der Evangelischen Akademie Magdeburg,  verweist auf die Entstehungsgeschichte der Dissidentenbewegung in der DDR. In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erreichte die westliche Friedenspolitik ihren Höhepunkt. Die Angst vor einem atomaren Inferno ging um. Beide deutsche Teilstaaten wären im Kriegsfall zur nuklear verseuchten Mondlandschaft geworden. „Im Schatten dieser Ereignisse wurde die Friedensdekade der DDR-Kirchen geboren“, so Tschiche. Unter dem Motto „Schwerter zu Pflugscharen“ haben sich nach seinen Worten in einzelnen Gemeinden Friedensgruppen gesammelt, zu denen auch Nichtchristen gehörten. „Die Mehrheit der evangelischen Kirchengemeinden aber verschloss sich dieser Arbeit. Die Öffnung riskierten nur einzelne Pfarrer und Kirchengemeinden – vor allem in den großen Städten“, schildert der Magdeburger.  Die Kirchenoberen versuchten diese aufmüpfigen Gäste zu domestizieren mit der Behauptung, man sei zwar für alle, aber nicht für alles da.  Tschiche zitiert einen Bischof: Wir haben zwar eine Position, aber wir sind keine Opposition.

Nach Meinung von Tschiche haben die Spitzen der Kirche gebremst, während die Aufmüpfigen drängten. Die Stasi habe diese alternative Gruppe auf eine Zahl zwischen 3.000 und 4.000 Menschen geschätzt. Aus ihnen formierte sich das Netzwerk „Frieden konkret“, aus dem dann der Kreis der Bürgerrechtler kam und der die Demokratisierung des sozialistischen Staates anstrebte.

Gauck sei nie dadurch aufgefallen, gedrängt zu haben. Er sei ihm erst im März 1990 in der Volkskammer zum ersten Mal begegnet und als gepflegter Herr mit elegantem Anzug, sonorer Stimme und selbstbewusstem Auftreten aufgefallen. Nach wenigen Worten  habe sich Gauck ihm gegenüber als Mann konservativ-bürgerlicher Gesinnung geoutet. Zwei fremde Welten seien aufeinander geprallt. Viele meiner Freunde aus der Opposition wollten die DDR reformieren und nicht im Westen ankommen, erklärt Tschiche. Das sei 1990 vorbei gewesen. „Wir waren die Türöffner, andere aber haben Politik gemacht.“ so Tschiche. „Linkes Denken war Gauck immer schon suspekt, die DDR hasste er“. ++ (zc/mgn/27.02.12 – 60)