Archive für Beiträge mit Schlagwort: Denkmalschutz

Prag, 25. August 2014 (ADN). Die Stadt Prag wird zahlreiche Mietverträge für Gewerberäume im Stadtzentrum wegen verdächtig niedriger Mieten überprüfen. Das teilte die „Prager Zeitung“ am Montag unter Berufung auf Informationen des Nachrichten-Servers lidovky.cz mit. Anlass für die Kontrollen ist die Feststellung, dass die Betreiber eines 134 Quadratmeter großen Restaurants direkt am Altstädter Ring im Renaissance-Haus „U Minuty“ lediglich umgerechnet 400 Euro Miete pro Monat bezahlen. Die Gaststätten-Inhaber sollen dem Bericht zufolge mit dem umstrittenen Lobbyisten Roman Janousek in Verbindung stehen. Janousek galt zusammen mit alten Seilschaften in der Ära des Bürgermeisters Pavel Bem als graue Eminenz und Strippenzieher der Prager Politik.

Die offizielle Argumentation für die niedrige Miete sind hohe Abschläge aufgrund von Investitionen der Mieter. Ihr Umfang gilt als fragwürdig. Nach Einschätzung von Experten müßte der monatliche Mietbetrag statt 400 Euro viel mehr,  ungefähr das Zehnfache kosten. Zitiert wird die für Eigentumsfragen zuständige Stadträtin Eva Vorlickova, die weit mehr zweifelhafte Mietverhältnisse untersuchen lassen will. „Wir prüfen jetzt Dutzende Mietverträge im Stadtzentrum. Uns interessieren vor allem die besonders lukrativen Lagen. Dabei nehmen wir uns zunächst die haarsträubendsten Fälle vor – ohne Rücksicht darauf, wer der Mieter ist.“

Vorlickova tritt mit ihren Recherchen gewissermaßen in die Fußspuren von Peter Sourek. Er hat vor wenigen Jahren in der tschechischen Hauptstadt ein florierendes Korruptionsreisebüro gegründet. Nach seiner Auffassung hat Prag so viele historische und denkmalgeschützte Gebäude, von denen fast jedes einen vollzogenen, einen laufenden oder einen noch bevorstehenden Immobilienskandal birgt. Er führt seine Gäste von einem immobiliären Korruptionszentrum zum nächsten und erzählt dabei die dazu gehörende Hintergrund-Geschichte. ++ (kr/mgn/25.08.14 – 236)

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München/Tel Aviv, 26. Mai 2013 (ADN). Der Bauhaus-Stil hat hier seinen Höhepunkt erreicht – zu einer Zeit, als in Deutschland die Nazis wüteten. So zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ die aus Deutschland stammende Architektin Sharon Golan, die in der Stadtverwaltung Tel Aviv mit dem Erhalt und der Pflege dieses Erbes beschäftigt ist. Von den 4.000 Bauhaus-Gebäuden im Zentrum der Mittelmeer-Stadt stehen 2.000 unter Denkmalschutz. Sie wurden in den dreißiger und vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderte gebaut, als die Stadt rasant wuchs. Ihre Schöpfer sind jüdische Architekten, die am Bauhaus Dessau studierten und nach der Flucht aus Deutschland im Mandatsgebiet Pästinas landeten. Zumindest waren sie von Walter Gropius und Erich Mendelsohn oder Le Corbusier beeinflusst. Vor zehn Jahren wurden diese Bauensemble zum Weltkulturerbe erklärt. Allerdings verfallen diese wertvollen Kulturgüter. Der städtische Haushalt hält für ihren Erhalt nur 1, 2 Millionen Euro jährlich bereit.

Das Dilemma sieht Emily Silverman von der Hebräischen Universität Jerusalem in dem Konflikt zwischen ökonomischem Profitstreben und sozialem Anspruch der Bauhaus-Idee. Die Mieten renovierter Häuser steigen sofort nach Abschluss der Sanierungsarbeiten und dann fehlt das Geld andernorts, sagt sie.
Beispielhaft wird die alte Arbeitersiedlung „Hod“ beschrieben. Sie entstand im Jahr 1935 nach Entwürfen des vom Bauhaus Dessau gekommenen Architekten Arieh Sharon als eine Art mitten im Stadtzentrum existenter Kibbuz. 150 Wohnungen umsäumen einen grünen Garten und ihre Anmutung muss früher paradisisch gewesen sein. Jetzt sind die Fassaden in einem jämmerlichen Zustand. Billige Balkons wurden nachträglich angebaut. ++ (ku/mgn/26.05.13 – 140)

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