Leipzig, 2. Dezember 2011 (ADN). Teile der nationalen Souveränität müssen aufgegeben werden, um  die europäische Fiskalunion zu schaffen. Das erklärte Prof. Bert Rürup am Freitag  – dem „dies academicus“ der Universität Leipzig – in seinem Festvortrag unter dem Titel „Drei Jahre nach Lehman Brothers – Schuldenberge, Inflationsrisiken, Wachstumsschwäche – wie geht es weiter ? „.  Diese Frage zu beantworten, vermöge derzeit keiner, so der ehemalige Chef des Sachverständigenrates der Bundesregierung und Vorsitzende  des als Rürup-Kommision bekannten Gremiums. Er reduzierte die Komplexität dieses generellen Problems in Europa auf die Alternative, nur zwischen Pest und Cholera wählen zu können. Die Pest bedeute dabei den Zusammenbruch des Euro verbunden mit Aufständen und sozialen Verwerfungen ungeahnten Ausmaßen. Deshalb plädiere er eindeutig, sich für die Cholera zu entscheiden, weil die Mediziner bei Befall mit dieser Seuche wesentlich bessere Heilungschancen sehen. Ziel dieser Therapie sei eben die Fiskalunion und dieses System werde von Angela Merkel bis zur letzten Patrone verteidigt.

Derzeit befinden wir uns fast wieder auf dem Lehman-Brother-Niveau der Finanzkrise von 2008, so Rürup. Es bestehe lediglich der Unterschied, dass vor drei Jahren die Banken die Hauptschuldigen waren.  Jetzt sind es die Versäumnisse der Politiker und der Staaten, so Rürup. Allerdings schiebe die Öffentlichkeit gegenwärtig den Banken die Verantwortung zu. „Deshalb sind sie der Blitzableiter des Volkszorns“.

Nach den Worten von Rürup glaubte man mit den Cannes-Beschlüssen vom 26./27. Oktober 2011 den großen Wurf gemacht zu haben.  Das Gegenteil sei eingetreten.

Der „dies academicus“ bezieht sich auf den 2. Dezember des Jahres 1409, an dem protestierende Studenten und Professoren die Prager Universität verließen, zu Fuß nach Leipzig marschierten und dort die Universität gründeten.  (nö/mgn/2.12.11 – 26)

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