München, 6. Januar 2012 (ADN). Der letzte sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow warnte eindringlich vor dem Ausbruch eines Dritten Weltkrieges. Er könne näher sein, als man gemeinhin annimmt. Es herrsche bereits reges Wettrüsten. Gorbatschow forderte eine sorgsame Kontrolle des militärisch-industriellen Komplexes, weil von ihm die größte Gefahr für die Welt ausgeht. Darauf habe bereits seinerzeit Eisenhower, General und Präsident der USA, hingewiesen, der Krieg als den Misserfolg von Politik und zum Fenster hinaus geworfenes Geld bezeichnete. Die gegenwärtige Kriegsgefahr gehe von der NATO aus, die einen offensiven Raketenabwehrschild aufbaut und gegen Russland richtet.

Die ernsthaften Warnungen des Friedensnobelpreisträgers sind Teil der Dankesrede für den Franz-Josef-Strauß-Preis, der ihm von der Hanns-Seidel-Stiftung am 10. Dezember 2011 in München verliehen worden ist. Dass diese sehr bedeutenden Äußerungen in der aktuellen Berichterstattung kaum beachtet wurden, ist offensichtlich auf weitgehende Ignoranz großer deutscher Medien zurückzuführen. Lediglich der Bayrische Rundfunk und merkur-online.de gehörten zu den wenigen, die berichteten. Bei merkur-online.de erwähnt Reporter Mike Schier im Schluss-Abschnitt seines ausführlichen Berichts die Redepassagen: Statt auf die Proteste auf Moskaus Straßen einzugehen, sorge Gorbatschow sich angesichts des Streits um die NATO-Raketenabwehr ein wenig nebulös um neue militärische Auseinandersetzungen. „Wir befinden uns bereits wieder in einem Wettrüsten !“, sagt er und warnt vor einem 3. Weltkrieg.

Es kann nur spekuliert werden, warum diese Rede dermaßen totgeschwiegen wird, teilt das österreichische Finanz-Portal foonds.com mit. Vermutlich verbreite Gorbatschow Ansichten, die herrschenden Kreisen nicht behagen. Sogar auf der Homepage der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung ist die Gorbatschow-Rede nicht auffindbar. Lediglich die Laudatio von Theo Waigel und die Rede von Hans Zehetmair sind dokumentiert.

Das Internet-Portal sadlove.de stellt die Frage, ob es denkbar ist, dass hierzulande zwar keine Zensur, aber eine gezielt selektive Informationsvermittlung seitens der Mainstream-Medien stattfindet. Es sei sogar der Eindruck entstanden, die Rede sei verschwiegen worden.

Stattdessen überfluteten zwei Tage später – am 13. Dezember 2011 – die Nachrichten zur Kreditaffäre von Bundespräsident Christian Wulff die Schlagzeilen. Die hysterische Erregung darüber hält bis heute die Bundesrepublik Deutschland im medialen Schwitzkasten. ++ (md/mgn/06.01.12 – 6)