Archive für Beiträge mit Schlagwort: Ernährungswissenschaft

Alberta/München, 8. September 2013 (ADN). Der menschliche Urin enthält mindesten 3.079 Chemikalien und Verbindungen. 72 davon werden von Bakterien hergestellt. 1.453 der Verbindungen kommen aus dem Körper selbst und 2.282 sind auf Ernährung, Medikamente, Kosmetika und umweltbedingte Einflüsse zurückzuführen. Das ist das erstaunliche Ergebnis siebenjähriger Forschung an der University of Alberta in Kanada, das zu Beginn dieses Monats im Fachmagazin „Plos ONE“ veröffentlicht wurde. Wie wenige Tage später das Internetportal LiveScience berichtet, ist der bislang ungehobene Schatz an Erkenntnissen besonders wichtig für Mediziner sowie für Ernährungs- und Umweltwissenschaftler. Autor Bahar Gholipour zitiert in dem Fachpressebeitrag Studienleiter David Wishard mit den Worten: „Wir hatten von der Vielfalt keine Ahnung !“.

Die Forschergruppe von rund 20 Wissenschaftlern , denen 22 gesunde Personen für die umfangreichen Experimente zur Verfügung standen, wandte modernste Labor- und Gerätetechnik der Gaschromatographie, der Massenspektroskopie und der Magnetresonanztomographie an. In Kombination mit dem systematischen computergestützten Durchforsten der Wissenschaftsliteratur aus den zurückliegenden 100 Jahren wurde damit die bisher beste chemische Analyse des menschlichen Urins vorgenommen. Wie David Wishard weiter informierte, sind bisher lediglich 50 bis 100 Inhaltsstoffe in Medizinischen Lehrbüchern dokumentiert. Bei den klassischen klinischen Untersuchungen werden sogar nur etwa ein halbes Dutzend Komponenten näher unter die Lupe genommen, so der Professor für Biologie und Informatik.

Die Autoren der Studie, die in der Wochenendausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ unter dem Titel „Toiletten-Forschung“ vorgestellt wurde, beklagen das gedankenlose und massenweise Wegspülen der unglaublich komplexen, durch die konzentrierte Leistungskraft der Nieren entstehenden Bioflüssigkeit durch die Aborte der Welt. Sie hoffen, dass die von ihnen mit den Forschungsergebnissen aufgebaute und frei verfügbare Datenbank dazu beiträgt, neue, schnelle und kostengünstige Tests zu entwickeln. Vielfach sind so Blutabnahmen und Biopsien ersetzbar. ++ (ws/mgn/08.09.13 – 246)

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Hamburg/München/Leipzig/New York, 19. September 2012 (ADN). Der Zuckeranteil ist fast ausnahmslos in Produkten von Frühstücks-Flocken für Kinder zu hoch. In jeder zweiten Packung steckten mindestens 30 Prozent Zucker, zitiert am heutigen Mittwoch das Internet-Portal sueddeutsche.de die Verbraucherorganisation Foodwatch. Sie habe festgestellt, dass vier von fünf Produkten noch einen Zuckeranteil von mehr als 20 Prozent enthalten. Bei nicht einmal sechs Prozent liege der Zuckeranteil unter zehn Prozent. In die Analyse waren 143 Produkte einbezogen, die als besonders für Kinder geeignet beworben wurden.

Dem Bericht zufolge erklärte Foodwatch-Mitarbeiter Oliver Huizinga: „Frühstücks-Flocken für Kinder sind in der Regel schlicht Süßigkeiten mit Müsli-Anstrich.“ Die Industrie präsentiere letztlich ein billiges Gemisch aus Mehlpampe und Zucker. Für die Nahrungsmittelfirmen verkörpern die Flocken mit der billigen Zutat ein einträgliches Geschäft. Für die Gesundheit der Kinder sei das jedoch fatal. 

Auf die globale Gefahr derartiger Methoden hatte zu Beginn dieses Monats das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in einem Schwerpunktbeitrag unter dem Titel „Die süße Droge“ hingewiesen. „Der Zuckerkonsum hat sich weltweit innerhalb von 50 Jahren verdreifacht, auf derzeit 165 Millionen Tonnen pro Jahr. In den Entwicklungs- und Schwellenländern kurbelt der zunehmende Wohlstand den Verzehr von Zucker besonders an. Parallel dazu verbreiten sich dort westliche Zivilisationskrankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes und Herz-Kreislauf-Störungen.“

Das Printmedium schildert das perfide Vorgehen der Agrar- und Lebensmittelkonzerne bis in internationale Gremien hinein. Als Kronzeugin sagte die New Yorker Ernährungswissenschaftlerin Marion Nestle während einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem Gespräch, dass diese Organisation bereits im Jahr 2003 eine international gültige Empfehlung abgeben wollte, nicht mehr als zehn Prozent der täglichen Kalorienzufuhr durch Zucker zu decken. Zuckerverbände und Süßgetränkehersteller seien dagegen Sturm gelaufen. „Ihre Lobby ist so mächtig, dass sie die Politik komplett blockieren können“, erklärte die 75jährige. Am Ende stand nur ein vager Ratschlag der WHO, den Konsum von Zucker zu reduzieren.

In der Bundesrepublik Deutschland versuchen die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker und der Verein der Zuckerindustrie ihre kommerziellen Ziele mit ungerechtfertigten und abwegigen Behauptungen zu tarnen. So vertraten deren Repräsentanten gegenüber dem Hamburger Nachrichtenmagazin die Auffassung, dass der Zusammenhang zwischen Zucker und ernährungsmitbedingten Krankheiten überschätzt wird.  Sie geben jedoch zu, dass der Gebrauch von Zucker in Fertigwaren, Gebäck und Getränken enorm zugenommen hat. Nur 17 Prozent des Zuckers würden heute noch direkt zum Kochen und Backen zu Hause verwendet.

Dem seit vielen Jahren andauernden Versuchen, dem Trend hin zu ungesunden Ernährungsweisen entgegenzuwirken, ist nun jüngst eine neue Initiative hinzugefügt worden. Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum Adipositas-Erkrankungen (IFB) der Universität Leipzig baut sein Hilfsangebot für junge Menschen mit wiederkehrenden Ess-Anfällen aus.  Prof. Dr. Anja Hilbert gesteht zu, dass gerade bei Jugendlichen die bisherigen Offerten „nicht dem tatsächlichen Bedarf entsprechen“. Derartige Störungen, die mit starken psychischen Belastungen und dem Risiko zu Übergewicht und Adipositas verbunden sind,  seien bisher vernachlässigt worden. Deswegen gebe es nun bundesweit erstmalig in Leipzig ein kostenloses Beratungs-Projekt für junge Leute, das vier Monate dauert und innerhalb einer wissenschaftlichen Studie abgearbeitet wird. Dazu werde das IFB mit Schulen, Ärzten und Jugendeinrichtungen kooperieren. Das Angebot richte sich an Mädchen und Jungen ab dem 12. Lebensjahr sowie an Jugendliche und junge Erwachsene bis zum 20. Lebensjahr.  Nach den Worten der auf Verhaltensmedizin spezialisierten Wissenschaftlerin werden die Teilnehmer individuell beraten und trainiert, um ihr Ess-Verhalten in den Griff zu bekommen und den persönlichen Teufelskreis der Ess-Anfälle zu durchbrechen. ++ (ge/mgn/19.09.12 – 267)

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