Archive für Beiträge mit Schlagwort: Euro-Staaten

Paris, 14. Juli 2014 (ADN). Frankreich feiert am Montag den 225. Jahrestag der Französischen Revolution. Es ist Anlass zur Ausrufung eines neuen Trends zum Industrie-Patriotismus, um der deprimierenden Grundstimmung unter den Franzosen belebende Impulse zu bieten. Die Grande Nation leidet an schleichendem wirtschaftlichen Zerfall und wachsendem Prekariat unter den Bürgern. Der französische Industrie-Patriotismus wendet sich ab von der allseits gepredigten Globalisierung und hin zu innerstaatlichen Innovationen in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Das proklamierte Modell des bislang definierten Europa und der Europäischen Union (EU) gerät dabei ins Wanken.

Frankreichs Ex-Staatspräsident Valery Giscard d’Estaing, Hauptkoordinator und Leiter des europäischen Verfassungskonvents 2002 und 2003, fordert  in der Montagausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ per Interview radikale Veränderungen bei Personal und Politik in der EU. „Wir brauchen neue Anführer“, so der 88jährige. Es sei offensichtlich, dass die Menschen etwas Neues wollen. Zudem sei ein klares Projekt vonnöten. „Wir sollten uns zum Ziel setzen, in 15 Jahren eine Wirtschaftsmacht zu schaffen, ,die auf Augenhöhe mit anderen Weltmächten steht,“ erklärte der Giscard d’Estaing. Er verlangte, die Steuer- und Wirtschaftspolitik der Euro-Staaten zu vereinheitlichen und gemeinsame Staatsanleihen auszugeben. Nötig sei desweiteren, einen Ausgleich zwischen reichen und armen Euro-Staaten zu ermöglichen.

Nach seiner Vision von Europa im Jahr 2050 gefragt sagte er: „Dieses Europa wird aus einem Dutzend Staaten mit 300 Millionen Bürgern bestehen und demokratisch verfasst sein. Es ist eine Wirtschaftsmacht, die den gleichen Rang wie China und die USA  einnimmt. Darum herum wird es ein lockeres Groß-Europa geben. Wenn man von ‚Europa‘ spricht, wird man das kleinere Europa meinen. Es wird ein schönes Ensemble sein.“ ++ (eu/mgn/14.07.14 – 194)

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Princeton (New Jersey)/Frankfurt am Main, 15. Mai 2012 (ADN). „Es ist derzeit wie zu Zeiten der Großen Depression. Die Zeit, die wir die Große Depression nennen, beinhaltete zwei Rezessionen und zwei wirtschaftliche Auifschwünge“. So zitierte der Deutschlandfunk am heutigen Dienstag den Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman aus einem Interview mit dem USA-Rundfunkkanal National Public Radio. Die Arbeislosigkeit sei damals insgesamt sehr hoch gewesen und die USA-Wirtschaft habe weit unter ihren Produktionskapazitäten gelegen. „Und so gab es viel menschliches Leid, auch als es der Wirtschaft besser ging“, so Krugman. Damit könne auch der aktuelle Zustand der Wirtschaft ganz gut beschrieben werden. Es sei zwar nicht so schlimm wie 1930, jedoch befinde man sich in einer nachhaltigen Periode mit einer extrem schlechten Wirtschaftslage. Allerdings müsse das nicht sein und es dürfe nicht akzeptiert werden.

Ein Anlass für das Gespräch war Krugmans neues Buch „Vergesst die Krise ! Warum wir jetzt Geld ausgeben müssen.“ Das im Campus-Verlag gerade erschienene Buch kommt genau zur rechten Zeit, lässt die Deutschlandfunk-Rezension wissen. Die Forderung, den bisherigen Sparkurs in Frage zu stellen, werde immer lauter. Der Ruf nach einer Wachstumsperspektive komme nicht nur aus Paris, Athen, Madrid und Rom. Selbst der Internationale Währungsfonds (IWF) verlange jetzt Wachstumsimpulse.

Ein Kapitel des Buches widmet der Starforscher aus Princeton, der erklärter Euro-Gegner war und ist, den Konstruktionsfehlern der europäischen Währung. Die Euro-Einführung habe bewirkt, dass Geld aus Deutschland in den Süden Europas fließt. Die Bundesrepublik müsse ein großes Konjunkturpaket schnüren, um den anderen Euro-Staaten zu helfen.

Bei all den durch Krugmans neue Streitschrift unter den immer häufiger als Schmalspur-Ökonomen eingeordneten Wirtschaftsforschern ausgelösten Debatten bleibt – wie immer – unberücksichtigt, dass dem konventionellen Wachstumsbegriff der Garaus gemacht werden muss. Nötig sind gänzlich neue ökonomische Kriterien und Definitionen, die dem nachhaltigen Wirtschaften dienlich sind. Ansonsten beschleunigen die ohnehin einseitig von kurzfristigen Profit- und Lobbyinteressen geleiteten Wirtschaftswissenschaftler den Marsch der Menschheit in die planetare Selbstzerstörung. ++ (wi/mgn/15.05.12 -142)