Archive für Beiträge mit Schlagwort: Eurokraten

Brüssel/Athen, 31. Januar 2012 (ADN). Die lauten Töne der Brüsseler EU-Kommandantur wurden von den leisen abgelöst. Der Plan, einen Sparkommissar für Griechenland zu ernennen, ist gelöscht. Dass die Hellenen darin eine Neuauflage mit der deutschen Besatzungszeit während des Zweiten Weltkriegs sahen, hat die Eurokraten ähnlich stark erschreckt wie die kurzzeitige „Drohung“ von Georgios Papandreou mit einer demokratischen Direktwahl.  Zumindest verbal wird jetzt abgerüstet. Inhaltlich geht das Plündern munter weiter – still und unaufgeregt. Nach den Beschlüssen des gerade beendeten EU-Gipfels dürfen die Banken ab Ende Februar von der Europäischen Zentrakbank verglichen mit dem vergangenen Dezember doppelt soviel Geld abrufen – nämlich eine Billion Euro.  So haben sie noch monströsere Möglichkeiten ganze nationale Volkswirtschaften auszusaugen.

Insofern dürften bald in Athen, ganz Griechenland und anderen europäischen Ländern die Nazi-Parallelen wieder ins Kraut schießen. Wer das Buch des Wirtschaftshistorikers Götz Aly „Hitlers Volksstaat“ aufmerksam gelesen hat, erkennt die Muster schnell. Soldaten der Deutschen Wehrmacht kauften einst mit sogenannten Reichskreditkassenscheinen die besetzten  Länder Europas regelrecht leer und brachten deren Wirtschaft in höchste Not. Dass dies heute wieder Schule macht, zeigen die erbärmlichen Folgen der derzeitigen Sparpolitik in Griechenland.  Die Profiteure sind fast ausschließlich die von den EU-Politikern heilig gesprochenen Banken. Götz Aly kam seinerzeit mit seiner gewagten These, dass Hitler mit dem Prinzip „Ich bin das Volk“ die politisch-mentalen Konturen des späteren Sozialstaates Bundesrepublik vorzeichnete, in arge Bedrängnis seitens der stromlinienförmigen Geschichtsschreibung. Er erkannte eine Kontinuität von nationalsozialistischer Politik zum bundesrepublikanischen Sozialstaat. Wenn sein Buch in die griechische Sprache übersetzt würde, fände Aly dort viele interessierte Leser. Die gerade abgeebbte europakrtitische Polemik bekäme neue Nahrung – denn die Hellenen sind helle. ++ (kr/mgn/31.01.12 – 31)

Bremen, 8. Januar 2012 (ADN). Griechenland hat von der Bundesrepublik Deutschland einen Geldbetrag in Höhe von 104,72 Millirden Dollar zu erwarten. Das entspricht rund 79 Milliarden Euro. Die bis zu Jahr 2010 aufgelaufene Summe setzt sich aus bisher nicht ausgeglichenen Reparationszahlungen und den daraus resultierenden Zinsen zusammen. Das teilte der Bremer Historiker Karl-Heinz Roth in dem Printmedium „Lunapark“ mit. In der Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie wird die gesamte Kette deutscher Verbindlichkeiten gegenüber dem Balkanland sehr detailliert analysiert und begründet. Anfangspunkt der Entstehungsgeschichte der umfangreichen Zahlungsverpflichtungen ist das Jahr 1946, in dem innerhalb des Pariser Reparationsabkommens die von der Deutschen Wehrmacht während der Besatzungszeit von 1941 bis 1944 in Griechenland angerichteten Schäden exakt ermittelt wurden. Sie werden in den Kriegstagebüchern und Lageberichten der Wirtschaftsoffiziere in der Wehrmacht als Kahlfraß bezeichnet und verkörperten in der Kriegspraxis die totale Ausplünderung des Landes. Dafür wurden den Griechen im Pariser Abkommen, von 1946 Reparationsforderungen gegenüber den Deutschen auf völkerrechtlicher Vertragsgrundlage zugesprochen, die bis heute offen und nicht erfüllt sind.

Roth stellt fest, dass die Bundesrepublik Deutschland ihre Schuldnerschaft über Jahrzehnte hinweg systematisch verschweigt oder mit fadenscheinigen Begründungen abweist. Das bei bundesdeutschen Behörden beliebteste Scheinargument ist die Behauptung, die Ansprüche seien längst abgegolten und „Schnee von gestern“. Dabei werden als Vorwand Zahlungen genannt, die 1960 und 2003 erfolgten. Sie belaufen sich auf Beträge von 115 Millionen DM als sogenannte Globalzahlung und 20 Millionen Euro alös Entschädigung an ehemalige griechische Zwangsarbeiter.

Der Wissenschaftler geht ausführlich darauf ein, wie raffiniert, verschlagen und unverfroren die bundesdeutsche Politik die Profiteure des Zweiten Weltkriegs – die deutschen Wirtschaftsunternehmen – vor solchen Zahlungen schützt. Im Notfall muss die Bevölkerung per Steuer dafür büßen.Die offenen Reparationszahlungen sind im Übrigen auch der Grund dafür, warum Griechenland plötzlich in die Euro-Zone aufgenommen wurde, obwohl sie dafür nicht reif war. Die Miss-Stände der griechischen Wirtschaft waren den zuständigen Eurokraten von Anfang an bekannt. Griechenland sollte jedoch mit dem Euro eine Beruhigungspille verabreicht werden, damit es vom Einfordern der Reparationen ablässt.

Hätten die Griechen das Geld aus der Bundeskasse heute zur Verfügung, wären sie schlagartig aus der derzeit miserablen Lage befreit und finanziell wesentlich besser positioniert. ++ (fk/mgn/08.01.12 – 8)