Archive für Beiträge mit Schlagwort: Eurozone

Leipzig, 21. April 2015 (ADN). Die Deutsche Bundesbank steht in keinerlei Rechtsnachfolge der Deutschen Reichsbank. Deshalb gibt es auch keinerlei Bezugspunkt zu der Zwangsanleihe über 278, 7 Millionen Reichsmark, die von der griechischen Nationalbank während des Zweiten Weltkriegs an das Deutsche Reich ausgereicht werden musste. Das stellte der Präsident der Hauptverwaltung in Sachsen und Thüringen der Deutschen Bundesbank, Franz Josef Benedikt, am Dienstagabend in Leipzig fest. Insofern betrachte sich seine Einrichtung darüber hinaus auch nicht als Adressat für die Einlösung von Wertpapieren wie beispielsweise Reichsschatzbriefe, die seinerzeit von der Deutschen Reichsbank emittiert wurden. Bezüglich solcher und anderer Altforderungen gelte die offizielle Position der Bundesregierung. Sie bestehe darin, dass derartige Zahlungsansprüche mit dem Zwei-plus-Vier-Abkommen erledigt sind und keine Berechtigung mehr haben.

Auf der als Bürgerdiskussionsforum deklarierten Veranstaltung hatte zuvor der Regionalbereichsleiter Banken und Finanzaufsicht in dieser Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank, Dr. Hans-Joachim Rottländer, die neue Situation der Bundesbank und anderer Nationalbanken in der Euro-Zone nach Tätigkeitsaufnahme der neuen europäischen Bankenaufsicht Anfang November vergangenen Jahres erläutert. „Wir bekommen jetzt von der Europäischen Zentralbank (EZB) genaue Arbeitsanweisungen, was zu tun ist“, so Rottländer. Die EZB sei dabei, von den Banken deutlich mehr Daten anzufordern. Damit hätten die aber ihre Schwierigkeien. Da die Kommunikation mit der EZB in Englisch zu erfolgen habe, träten sogar erhebliche Sprachprobleme auf. Die nunmehr 4.000 EZB-Mitarbeitern, von denen 800 in dem kürzlich eröffneten Neubau in Frankfurt am Main arbeiten, seien von den ans System angegliederten Banken nach einem komplizierten Berechnungsschlüssel zu finanzieren. Allein 2014 habe das 156 Millionen Euro gekostet.  ++ (fi/mgn/21.0415 – 92)

http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

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Thessaloniki, 4. Mai 2012 (ADN). „boro choris euro – Ich kann ohne Euro“. Das prangt auf einem Plakat über einem Laden in Griechenlands zweitgrößter Stadt Thessaloniki. Autor des Leitsatzes ist der Religionslehrer und Philosoph Michael Panagiodidis samt seiner Freunde. Sie wollen sich und ihre Landsleute dazu anspornen, die Eurozone freiwillig zu verlassen. Nach ihrer Ansicht müssen die Griechen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und die Gesellschaft von unten reformieren. Dazu haben sie den Euro durch den Koino als Zahlungsmittel ersetzt. Darüber berichtet die „Berliner Zeitung“ in ihrer Ausgabe dieses Wochenenmdes.

Der Koino ist soziales Geld. .Er ist eine virtuelle Währung und verkörpert ein bestimmtes Quantum gesellschaftlicher Leistung. Münzen und Scheine in Koino gibt es nicht. Dennoch vermittelt er den Austausch von Waren und Service-Leistungen, deren Kauf und Verkauf.

Die neue virtuelle Währung wurde erst im Februar dieses Jahres eingeführt, teilt die Berliner Tageszeitung weiter mit. Genutzt werde sie inzwischen von 120 Leuten. Die finanziellen Transaktionen laufen über das Internet. Spekulationen und Überschuldungen wird vorgebeugt, indem ein siebenköpfiges Gremium Zahlungen und Konten überwacht. Inzwischen gibt es in Griechenland über ein Dutzend ähnlicher Tauschbörsen, bei denen beispielsweise eine Jacke im Werte von 50 Koino eingetauscht wird gegen die Dienste eines Nachhilfelehrers für zehn Unterrichtsstunden. Mit denen kann dieser in einer Autowerkstatt die Bremsbeläge seines Wagens auswechseln lassen.

Ziel von Panagiodidis ist es, dass die Mitglieder der Koino-Gesellschaft mindestens 30 Prozent ihrer Geschäfte in diesem neuartigen Finanrahmen abwickeln. Nach seiner Meinung führt das dazu, dass letztlich keine zentrale Macht, keine Regierung und kein Parlament mehr nötig sind. ++ (wi/mgn/05.05.12 – 133)

Berlin, 9. Februar 2012 (ADN). Der verfrühte Schritt in eine gemeinsame Währung war ein elementarer Fehler, der dem Integrationsprozess nicht nur ökonomisch, sondern ebenso sozial und politisch schweren Schaden zufügte und weiterhin zufügt. Das ist eine der Schlussfolgerungen, die Klaus Busch in einer gerade erschienenen Untersuchung der Friedrich-Ebert-Stiftung unter dem Titel „Scheitert der Euro ? – Strukturprobleme und Politikversagen bringen Europa an den Abgrund“ vom Februar 2012 zieht. Die Legitimationskrise der EU und der wachsende Einfluss nationalpopulistischer Strömungen in Europa seien ebenso auf diese negativen Erfahrungen zurückzuführen.

Ferner hat erst das Politikversagen der Euroregierungen mit ihrem Festhalten an der no bailout-Klausel (keine Schuldengarantie, keine Eurobonds), dem Schuldenschnitt in Griechenland im Juli 2011, den völlig unzureichenden Beschlüssen zur Hebelung der EFSF auf dem Oktobergipfel 2011 und weiteren zweifelhaften Maßnahmen zu immer weiteren Spareingriffen getrieben, heißt es in der am heutigen Donnerstag vom Nachrichtenportal EurActiv vorgelegten Studie.

Eine weitere bittere Wahrheit bestehe darin, dass es nach dem Einstieg in die gemeinsame Währung nur unter hohen ökonomischen und politischen Kosten möglich ist, das Projekt aufzugeben und zu den nationalen Währungen zurückzukehren. Für Griechenland, Portugal und Spanien gleiche die Wahl zwischen Euro und der Wiedereinführung von Drachme, Escudo und Peso der Wahl zwischen Scylla und Charybdis. Eine Aufgabe der Eurozone würde in Europa eine derart negative Dynamik auslösen, dass damit auch mit einem Rückfall hinter das Binnenmarktperojekt zu rechnen wäre und der Integrationsprozess als Ganzer in Frage stünde.

„Wir bleiben damit Gefangene eines falsch konzipierten Integrationsschritts“, so Busch abschließend. Die Überwindung der Euro-Krise verlange mehr Europa, aber nicht im Sinne der „Fiskalunion“ von Merkel und Sarkozy, sondern in der Amplitude zwischen europäischem Marshall-Plan und einer demokratischen Wirtschaftsregierung in der Eurozone. ++ (eu/mgn/09.02.12 – 40)