Archive für Beiträge mit Schlagwort: Familienpolitik

Wiesbaden, 17. Dezember 2012 (ADN). Die Bundesrepublik Deutschland (BRD) ist eines der Länder Europas mit dem niedrigsten Geburtenniveau. Dieser Zustand hält schon sehr lange an. Das geht aus einer Broschüre hervor, die das Bundesinstitut für Bevölkerungsfprschung (BIB) jetzt veröffentlicht hat. Besonders hoch sei der Anteil kinderloser Frauen verglichen mit anderen Ländern. Höchste Werte des sogenannten Fertilitätsniveaus erreichen beispielsweise Island (2,20), Irland (2,07), die Türkei (2,04) und Frankreich (2,01). Schlusslichter sind Lettland (1,17), Bosnien-Hezegowina (1,20), Andorra (1,22) und Ungarn (1,25). Deutschlands Wert liegt bei etwa 1,40. Das ist die elftniedrigaste Quote.  Aus historischer Sicht sank damit die Zahl der Geburten pro Frau in Deutschland enorm. Im Jahr 1870 gebar eine Frau durchschnittlich fast fünf Kinder.

Die 55seitige Broschüre behandelt schwerpunktmäßig die enormen Differenzen zwischen Ost- und Westdeutschland. „Tendenziell haben die Frauen im Osten sogar mehr Kinder geboren als die im Westen,“ heißt es in dem Bericht im Kapitel zu den Effekten der Familienpolitik in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Auffällig sei, dass der rückläufige Trend der endgültigen Kinderzahlen in den Geburtsjahrgängen 1950 bis 1960 in der DDR unterbrochen war. Das seien die Geburtsjahrgänge, die infolge der kostenlosen Verfügbarkeit von Antikonzeptiva und der Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs zunächst ihre Kinderzahlen begrenzt haben. In der Periodenbetrachtung werde dies in der ersten Hälfte der 1970er Jahre zunächst als Geburtentief und danach als Wiederanstieg dokumentiert. Insgesamt betrachtet waren danach die endgültigen Kinderzahlen der ostdeutschen Frauen zwischen 0.15 und 0,25 höher als die der westdeutschen Frauen.

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilger, zeigte sich angesichts der Veröffentlichung unter dem Titel „(Keine) Lust auf Kinder ?“ alarmiert und bestürzt. Es mangele an Bewusstsein und der festen Überzeugung, „dass Kinder wirkliches Glück ins Haus bringen“.  Den Beweis dafür liefert das BIB mit der Feststellung, dass nicht einmal die Hälfte (45 Prozent) der kinderlosen Deutschen zwischen 18 und 50 Jahren glaubt, Lebensfreude und Zufriedenheit verbessern zu können, wenn sie ungeachtet der Umstände in den nächsten drei Jahren ein Kind bekämen. In Frankreich gebe es da eine „völlig andere Mentalität“. ++ (so/mgn/17.12.12 – 357)

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Berlin, 10. November 2012 (ADN). In der Bundesrepublik Deutschland (BRD) fehlen 220.000 Plätze in Kindertagesstätten. Keine andere Zahl beweist unschlagbarer, wie unsozial mit der Gesellschaft und ihren Migliedern umgegangen wird. Sämtliche Dampfplaudereien in den Parlamenten und Regierungen über Generationenverantwortung und soziale Nachhaltigkeit werden Lügen gestraft.

Dummerweise haben die Regierenden im Jahr 2008 den Rechtsanspruch der Eltern auf einen Platz im Kindergarten für ihre Kinder beschlossen. Ab August 2013 – also in neun Monaten – ist er fällig. Das wird nicht nur für die Bundesregierung kurz vor der Bundestagswahl zu einem unkalkulierbaren Bumerang. 

Joachim Frank von der „Frankfurter Rundschau“ nennt zu Recht die drohenden und bereits bestehenden Zustände in Kombination mit dem unsinnigen Betreuungsgeld einen Rückfall in das 19. Jahrhundert, in die Biedermeierzeit. „Wenn schon traditionelle Familie, dann bitte die Großfamilie aus mehreren Generationen, wo Kinder nicht bloß Lebensabschnittsphänomene sind und die Senioren ihren Alltag nicht dadurch definieren, dass die Kinder aus dem Haus sind“, kommentiert er am Sonnabend im Deutschlandfunk. Vielleicht habe die verbreitete Klage über Deutschland als kinderfeindliche Gesellschaft ihre eigentliche Wurzel in der Kanalisierung des Familienbildes auf die individualisierte Kleinstfamilie. Kindertagesstätten seien da bestenfalls bewusstseinserweiternd. Der deutsche Freiheitskämpfer und Erfinder des Kindergartens Friedrich Fröbel, dessen Schöpfung weltweit Geltung und in kaum messbarer Weise Nachahmung fand, hat sich gewiss schon mehrfach im Grabe herumgedreht.

Wie modern war im Gegensatz dazu die Deutsche Demokratische Republik (DDR), deren Ende vor 23 Jahren mit dem Fall der Berliner Mauer eingeläutet und binnen eines Jahres eingeäschert wurde. Die Auffassung, dass mit den gegenwärtigen Methoden eine ganze Kerngesellschaft absichtlich zugrunde gerichtet wird, verfestigt sich. ++ (sp/mgn/10.11.12 – 220)

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