Archive für Beiträge mit Schlagwort: Friedrich Schiller

Leipzig, 30. Januar 2015 (ADN). Mit den Gesang der Nationalhymne endete am Freitagabend in Leipzig die dritte Legida-Demonstration. Die Redner brachten in ihren Vorträgen viel Pathetik ins Spiel. Friedrich Fröbel  zitierte zum Abschluss seiner Ansprache die letzten beiden Zeilen der „Ode an die Freude“ von Friedrich Schiller: „Dem Verdienste seine Kronen, Untergang der Lügenbrut.“ Zuvor hatte er einen weiten chronologischen Bogen von dem Lützow’schen Freikorps der Befreiungskriege gegen Napoleon vor 200 Jahren bis in die Gegenwart der nun neuen Bürgerbewegung geschlagen. Die indirekte Demokratie sei in diesem Zeitraum gescheitert. Bei der Behandlung des Hauptthemas „Direkte Demokratie“ hob er vor allem die Vorteile des Schweizer Modells hervor und benannte als prägnanten Zeichner der aktuellen Situation den Fürsten Hans Adam I. von Liechtenstein. Nach dessen Ansicht gehören die derzeit Regierenden nicht zu den Gebildetsten. Es sei zudem zu fragen, was der Staat für den Bürger tun kann, und nicht umgekehrt. Nur mit Volksentscheiden könne die Ausbeutung der Menschen verhindert werden. Das in der Schweizer Politik gepflegte  Konkordanzprinzip sei der Diktatur knapper Mehrheiten der repräsentativen Demokratie überlegen. Er wies auf den eigentlichen Sinngehalt der Artikel 20 und 21 des bundesdeutschen Grundgesetzes (GG) hin, die den Parteien lediglich gestatten, an der politischen Willensbildung mitzuwirken, sie aber nicht dem Volke abzunehmen oder vorzuschreiben.

Götz Kubitscheck forderte von den Politikern und den Medien, maßvoll zu sein. Derzeit werde mit der Teilnehmerzahl an den Legida-Demonstrationen ungebührlich umherjongliert. Als ob die Zahl das Wichtigste ist. Der Historiker Hermann August Winkler habe kürzlich im Berliner „Tagesspiegel“ beleidigende Äußerungen über die Demonstranten formuliert. Menschen düften aber nicht zum Kanonenfutter globaler Wirtschafts- und Finanzinteressen gemacht werden. ++ (pl/mgn/30.01.15 – 30)

http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

Eisenach, 31. Mai 2014 (ADN). In einem Appell aus dem Wartburgkreis wird die Lutherbotschafterin der Evangelischen Kirchen Deutschlands (EKD), Prof. Margot Käßmann augefordert, dem Wahrheitsenthüller und Whistleblower Edward Snowden  Schutz für Leib und Leben auf der Wartburg bei Eisenach zu bieten. Der Aufruf wurde am Sonnabend an dem Ort in der Nähe von Schloss Altenstein und der Gemeinde Steinbach im Wartburgkreis verfasst, wo Martin Luther vor rund 500 Jahren am 4. Mai 1521 unter den Schutz der damaligen Staatsgewalt des sächsischen Landesherrn Friedrich dem Weisen gestellt und auf der Wartburg vor Zugriffen seitens kaiserlicher Mordkommandos bewahrt wurde. Luther war auf der Heimreise von Worms, wo er auf dem Reichstag ein flammendes Bekenntnis zum wahren Glauben vor der Öffentlichkeit artikuliert hatte. Daraufhin hatte ihn der Kaiser für vogelfrei erklärt. Luther musste um sein Leben bangen.  Unter dem Pseudonym Junker Jörger übersetzte der Reformator auf der Wartburg die Bibel aus dem griechischen Urtext in die deutsche Sprache. Etwa 250 Jahre fand unter ähnlichen Umständen wenige Kilometer entfernt in Bauerbach bei Meiningen der aus Württemberg geflüchtete deutsche Nationaldichter Friedrich Schiller – incognito als Dr. Ritter – sicheren Unterschlupf. „Diesem chronologischen Takt eines Vierteljahrhunderts folgend ist die Zeit reif für den nächsten prominenten Fall politischen Asyls“, heißt es in dem Aufruf.

Der Text bringt zum Ausdruck, dass Margot Käßmann in ihrer Mission als Lutherborschafterin sich und den deutschen Bürgern eine Sternstunde verschaffen könnte, wenn es ihr gelingt, dem aufrechten und wagehalsigen Snowden „Ein feste Burg“ zu Füßen der Stadt Eisenach verschaffen würde. Damit könnte sie in diesem unter dem Motto „Reformation und Politik“ stehenden laufenden Jahr der Luther-Dekade ein weltweites und mutiges Signal setzen. Es wäre gleichzeitig eine denkwürdige Hilfeleistung zugunsten eines unabhängigen Journalismus, weitgehender Transparenz und uneingeschränkter Pressefreiheit. ++ (me/mgn/31.05.14 – 150)

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Dresden/Pillnitz, 17. /18. März 2012 (ADN). Ein Blütenmeer in Lila bedeckt die Krokus-Wiese im Schlosspark Pillnitz bei Dresden. Sie ist derzeit die Hauptattraktion und entzückt das vom Winter farbhungrig gewordene Auge der scharenweise angerückten Besucher am ersten warmen Wochenende dieses Jahres an den sanften Elbhängen.  Die beiden engagierten Pillnitzer Bernd Eckoldt und Jochen Flade, die zu den Protagonisten der Bürgerinitiative „Freier Park für freie Bürger“ gehören, karren mobile, selbstgebaute eckige Litfaßsäulen zu den Parkeingängen. Darauf werden Passanten und Spaziergänger informiert, welche aktuellen Gefahren diesem friedfertigen Ort drohen.

Die Landesregierung des Freistaats Sachsen eröffnet nämlich demnächst einen modernen Ablass-Handel. Nur wer zahlt, darf ins Paradies – sprich in den Park. Der bisher über Jahrzehnte und Jahrhunderte freie Zutritt zum Schlosspark Pillnitz soll nun freien Bürgern verwehrt werden. Für viele von ihnen ist der ungehinderte Gang durch die Anlage bislang selbstverständlich und alltäglich, weil die Park-Pfade  integraler Bestandteil des öffentlichen Wegenetzes von Pillnitz sind. Das soll sich nun grundlegend ändern, weil Sachsens Finanzministerium klamm ist und an allen Ecken Geld absaugen will.

Laute und leise Proteste und Beschwerden gegen das Vorhaben des Finanzministeriums und des „Staatlichen Betriebes Sächsischer Schlösser, Burgen und Gärten“ verhallten.  Die Behörden – darunter das Land Sachsen und die Stadt Dresden – schweigen beharrlich.  Inzwischen sind erste Vorkehrungen getroffen, um den Park hinter Schloss und Riegel zu sperren.  Geöffnet wird nur dem Zahlungswilligen, letztlich Zahlungsfähigen und Zahlungskräftigen. Die Eintrittskarten sind offenbar schon gedruckt.  Ab 2. April 2012 – also in wenigen Tagen – soll abkassiert werden.

Mit dem spürbaren Beschneiden der Bewegungsfreiheit in Pillnitz könnte sich eine erste Feuerprobe für den am heutigen Sonntag gewählten neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck ergeben, der sich hinlänglich und prononciert bereits vor Amtsantritt als Freiheitsprediger profiliert hat.  Er wird die Gelegenheit beim Schopfe packen, den Worten Taten folgen zu lassen und  in einem so konkreten Fall wirksam zu intervenieren.  Gewiss geben ihm dabei insbesondere die betroffenen Pillnitzer Bürger Gedanken von Friedrich Schiller mit auf den Weg.  Dem Klassiker, der in Dresden im Dialog mit seinem Freund Körner  Wegweisendes zum Freiheitsbegriff erörterte und in seinen „Kallias-Briefen“ formulierte, wären angesichts der gegenwärtigen skandalträchtigen Pläne des sächsischen Finanzministers im Umgang mit einem kulturellen Kleinod der Gartenkunst markige Verse in den Sinn gekommen. Aus juristischer Sicht nähert sich das Abzock-Projekt der sächsischen Behörden dem Missbrauch. Dazu ist an den Eingangstoren des Schlossparks Pillnitz aus dessen  Besucherordnung Schwarz auf Weiß zitiert: “ Ein Missbrauch der Anlage wird rechtlich verfolgt.“ ++ (zv/mgn/18.03.12 – 80)