Archive für Beiträge mit Schlagwort: Generationenvertrag

Berlin, 10. November 2012 (ADN). In der Bundesrepublik Deutschland (BRD) fehlen 220.000 Plätze in Kindertagesstätten. Keine andere Zahl beweist unschlagbarer, wie unsozial mit der Gesellschaft und ihren Migliedern umgegangen wird. Sämtliche Dampfplaudereien in den Parlamenten und Regierungen über Generationenverantwortung und soziale Nachhaltigkeit werden Lügen gestraft.

Dummerweise haben die Regierenden im Jahr 2008 den Rechtsanspruch der Eltern auf einen Platz im Kindergarten für ihre Kinder beschlossen. Ab August 2013 – also in neun Monaten – ist er fällig. Das wird nicht nur für die Bundesregierung kurz vor der Bundestagswahl zu einem unkalkulierbaren Bumerang. 

Joachim Frank von der „Frankfurter Rundschau“ nennt zu Recht die drohenden und bereits bestehenden Zustände in Kombination mit dem unsinnigen Betreuungsgeld einen Rückfall in das 19. Jahrhundert, in die Biedermeierzeit. „Wenn schon traditionelle Familie, dann bitte die Großfamilie aus mehreren Generationen, wo Kinder nicht bloß Lebensabschnittsphänomene sind und die Senioren ihren Alltag nicht dadurch definieren, dass die Kinder aus dem Haus sind“, kommentiert er am Sonnabend im Deutschlandfunk. Vielleicht habe die verbreitete Klage über Deutschland als kinderfeindliche Gesellschaft ihre eigentliche Wurzel in der Kanalisierung des Familienbildes auf die individualisierte Kleinstfamilie. Kindertagesstätten seien da bestenfalls bewusstseinserweiternd. Der deutsche Freiheitskämpfer und Erfinder des Kindergartens Friedrich Fröbel, dessen Schöpfung weltweit Geltung und in kaum messbarer Weise Nachahmung fand, hat sich gewiss schon mehrfach im Grabe herumgedreht.

Wie modern war im Gegensatz dazu die Deutsche Demokratische Republik (DDR), deren Ende vor 23 Jahren mit dem Fall der Berliner Mauer eingeläutet und binnen eines Jahres eingeäschert wurde. Die Auffassung, dass mit den gegenwärtigen Methoden eine ganze Kerngesellschaft absichtlich zugrunde gerichtet wird, verfestigt sich. ++ (sp/mgn/10.11.12 – 220)

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Dresden, 8. September 2012 (ADN). 7,5 Millionen Erwachsene in der Bundesrepublik Deutschland im Alter zwischen 18 und 64 Jahren können nicht richtig schreiben und lesen. Das ist die erschreckende Bilanz in der „Bildungsrepublik Deutschland“ am Weltalphabetisierungstag, der am heutigen Sonnabend begangen wird.

Mit welchen Methoden ein solcher bildungspolitischer Niedergang provoziert wird, zeigt das Beispiel Sachsen, das in der Schulpädagogik derzeit noch bundesweit an der Spitze der Ranking-Tabellen steht. Am gestrigen Freitag unterstrichen 15.000 Lehrer bei heftigen Demonstrationen in Dresden, wie tief der Schul-Karren von den sächsischen Landespolitikern in den Dreck gefahren wurde. Lehrermangel und Unterrichtsausfall dominieren die Szene. Im vergangenen Jahr sind rund 700.000 Unterrichtsstunden außerplanmäßig ausgefallen. Nach Angaben des sächsischen Lehrerverbandes hätten 230 Lehrer eingestellt werden müssen, um dem Trend „Mehr Schüler, weniger Lehrkräfte“ entgenzuwirken. Zudem liegt inwischen das Durchschnittsalter der Pädagogen über 50 Lebensjahren. Bis zum Jahr 2020 gehen etwa 8.000 Lehrer in  Rente oder Pension. Um den Personalverlust auszugleichen, müssten jährlich pro Jahr 800 bis 1.000 Lehrer neu eingestellt werden. Die Misere wird weiter angeheizt, indem zusätzlicher Arbeitsdruck ausgeübt wird. Statt den älteren pädogogischen Jahrgängen, die in Ostdeutschland ohnehin im Schnitt zehn Jahre länger als ihre Kollegen im Westen im Beruf stehen, Erleichterungen beispielsweise mit Altersteilzeit zu gewähren, wird das Gegenteil getan. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Sabine Gerold, sieht den pädagogischen Generationenvertrag, Alte in den Lehrerkollegien zu entlasten und Junge dazu zu holen,  ignoriert.  All das falle dem Rotstift von Finanzminister Georg Unland zum Opfer.  Er lässt nicht einmal konstruktive Diskussionen darüber zu. Viermal hat er bereits Gespräche abgelehnt.  Dem Diktat angeblicher Geldnot wird die Grundbildung des Nachwuchses untergeordnet. 

Angesichts des zukunftsblinden Sparwahns hat inzwischen der langjährige bildungungspolitische Sprecher der in Sachsen an der Macht befindlichen CDU seinen Posten aus Protest niedergelegt.  Diese Zitronenpresse besonders zynischer Art, mit weniger Geld Kindern und Jugendlichen Wissen und Bildung vorzuenthalten,  nimmt systematische Züge an und führt in eine Sackgasse. Die Folgen sind – nicht nur für Sachsen – kaum absehbar. ++ ( bi/mgn/08.09.12 –  256)

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