Archive für Beiträge mit Schlagwort: Georg Unland

Dresden, 8. September 2012 (ADN). 7,5 Millionen Erwachsene in der Bundesrepublik Deutschland im Alter zwischen 18 und 64 Jahren können nicht richtig schreiben und lesen. Das ist die erschreckende Bilanz in der „Bildungsrepublik Deutschland“ am Weltalphabetisierungstag, der am heutigen Sonnabend begangen wird.

Mit welchen Methoden ein solcher bildungspolitischer Niedergang provoziert wird, zeigt das Beispiel Sachsen, das in der Schulpädagogik derzeit noch bundesweit an der Spitze der Ranking-Tabellen steht. Am gestrigen Freitag unterstrichen 15.000 Lehrer bei heftigen Demonstrationen in Dresden, wie tief der Schul-Karren von den sächsischen Landespolitikern in den Dreck gefahren wurde. Lehrermangel und Unterrichtsausfall dominieren die Szene. Im vergangenen Jahr sind rund 700.000 Unterrichtsstunden außerplanmäßig ausgefallen. Nach Angaben des sächsischen Lehrerverbandes hätten 230 Lehrer eingestellt werden müssen, um dem Trend „Mehr Schüler, weniger Lehrkräfte“ entgenzuwirken. Zudem liegt inwischen das Durchschnittsalter der Pädagogen über 50 Lebensjahren. Bis zum Jahr 2020 gehen etwa 8.000 Lehrer in  Rente oder Pension. Um den Personalverlust auszugleichen, müssten jährlich pro Jahr 800 bis 1.000 Lehrer neu eingestellt werden. Die Misere wird weiter angeheizt, indem zusätzlicher Arbeitsdruck ausgeübt wird. Statt den älteren pädogogischen Jahrgängen, die in Ostdeutschland ohnehin im Schnitt zehn Jahre länger als ihre Kollegen im Westen im Beruf stehen, Erleichterungen beispielsweise mit Altersteilzeit zu gewähren, wird das Gegenteil getan. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Sabine Gerold, sieht den pädagogischen Generationenvertrag, Alte in den Lehrerkollegien zu entlasten und Junge dazu zu holen,  ignoriert.  All das falle dem Rotstift von Finanzminister Georg Unland zum Opfer.  Er lässt nicht einmal konstruktive Diskussionen darüber zu. Viermal hat er bereits Gespräche abgelehnt.  Dem Diktat angeblicher Geldnot wird die Grundbildung des Nachwuchses untergeordnet. 

Angesichts des zukunftsblinden Sparwahns hat inzwischen der langjährige bildungungspolitische Sprecher der in Sachsen an der Macht befindlichen CDU seinen Posten aus Protest niedergelegt.  Diese Zitronenpresse besonders zynischer Art, mit weniger Geld Kindern und Jugendlichen Wissen und Bildung vorzuenthalten,  nimmt systematische Züge an und führt in eine Sackgasse. Die Folgen sind – nicht nur für Sachsen – kaum absehbar. ++ ( bi/mgn/08.09.12 –  256)

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Dresden/Pillnitz, 17. /18. März 2012 (ADN). Ein Blütenmeer in Lila bedeckt die Krokus-Wiese im Schlosspark Pillnitz bei Dresden. Sie ist derzeit die Hauptattraktion und entzückt das vom Winter farbhungrig gewordene Auge der scharenweise angerückten Besucher am ersten warmen Wochenende dieses Jahres an den sanften Elbhängen.  Die beiden engagierten Pillnitzer Bernd Eckoldt und Jochen Flade, die zu den Protagonisten der Bürgerinitiative „Freier Park für freie Bürger“ gehören, karren mobile, selbstgebaute eckige Litfaßsäulen zu den Parkeingängen. Darauf werden Passanten und Spaziergänger informiert, welche aktuellen Gefahren diesem friedfertigen Ort drohen.

Die Landesregierung des Freistaats Sachsen eröffnet nämlich demnächst einen modernen Ablass-Handel. Nur wer zahlt, darf ins Paradies – sprich in den Park. Der bisher über Jahrzehnte und Jahrhunderte freie Zutritt zum Schlosspark Pillnitz soll nun freien Bürgern verwehrt werden. Für viele von ihnen ist der ungehinderte Gang durch die Anlage bislang selbstverständlich und alltäglich, weil die Park-Pfade  integraler Bestandteil des öffentlichen Wegenetzes von Pillnitz sind. Das soll sich nun grundlegend ändern, weil Sachsens Finanzministerium klamm ist und an allen Ecken Geld absaugen will.

Laute und leise Proteste und Beschwerden gegen das Vorhaben des Finanzministeriums und des „Staatlichen Betriebes Sächsischer Schlösser, Burgen und Gärten“ verhallten.  Die Behörden – darunter das Land Sachsen und die Stadt Dresden – schweigen beharrlich.  Inzwischen sind erste Vorkehrungen getroffen, um den Park hinter Schloss und Riegel zu sperren.  Geöffnet wird nur dem Zahlungswilligen, letztlich Zahlungsfähigen und Zahlungskräftigen. Die Eintrittskarten sind offenbar schon gedruckt.  Ab 2. April 2012 – also in wenigen Tagen – soll abkassiert werden.

Mit dem spürbaren Beschneiden der Bewegungsfreiheit in Pillnitz könnte sich eine erste Feuerprobe für den am heutigen Sonntag gewählten neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck ergeben, der sich hinlänglich und prononciert bereits vor Amtsantritt als Freiheitsprediger profiliert hat.  Er wird die Gelegenheit beim Schopfe packen, den Worten Taten folgen zu lassen und  in einem so konkreten Fall wirksam zu intervenieren.  Gewiss geben ihm dabei insbesondere die betroffenen Pillnitzer Bürger Gedanken von Friedrich Schiller mit auf den Weg.  Dem Klassiker, der in Dresden im Dialog mit seinem Freund Körner  Wegweisendes zum Freiheitsbegriff erörterte und in seinen „Kallias-Briefen“ formulierte, wären angesichts der gegenwärtigen skandalträchtigen Pläne des sächsischen Finanzministers im Umgang mit einem kulturellen Kleinod der Gartenkunst markige Verse in den Sinn gekommen. Aus juristischer Sicht nähert sich das Abzock-Projekt der sächsischen Behörden dem Missbrauch. Dazu ist an den Eingangstoren des Schlossparks Pillnitz aus dessen  Besucherordnung Schwarz auf Weiß zitiert: “ Ein Missbrauch der Anlage wird rechtlich verfolgt.“ ++ (zv/mgn/18.03.12 – 80)