Archive für Beiträge mit Schlagwort: Grundschule

Köln, 17. Januar 2015 (ADN). Wenn ich früher in der Schule bereits erfahren hätte, dass Deutschland nicht souverän ist und sich bis heute im Besatzungsstatus befindet, wäre meine Weltsicht längst eine ganz andere. Das erklärte am Sonnabend ein Hörer in der Rundfunkfunksendung „Campus und Karriere“. Dieser Feststellung widersprachen die drei Gäste im Studio nicht. Allerdings ließen sie wissen, dass Derartiges zu vermitteln, keine schulische Aufgabe sei. Solches Wissen solle oder könne man sich selbst durch eigene persönliche Recherchen erarbeiten. Diese seltsame Reaktion in der unter dem Titel „Baustelle Demokratierziehung“ stehenden Gesprächsrunde, in der nach einem Versagen der politischen Bildung in deutschen Schulen gefragt wurde, lässt angesichts des Teilnehmerkreises noch mehr aufhorchen. Es handelt sich um Iris Raether-Lordieck, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im sächsischen Landtag, Sanem Kleff, Leiterin von „Schule ohne Rassissmus – Schule mit Courage“ und Dr. Wolfgang Beutel, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik und Geschäftsführer des Bundeswettbewerbs „Demokratisch handeln“. Diese scheinbaren Koryphäen der Erziehungsbranche geben zwar zu, dass naturwissenschaftliche und fremdsprachliche Kenntnisse ein unberechtigt großes Übergewicht im Unterricht haben. Jedoch substanzielles Wissen über die geschichtliche Entwicklung Deutschlands und seinen Souveränitätsstatus autodiktischen Untersuchungen jedes Einzelnen anheim zustellen, dürfte als Ungeheuerlichkeit zu bewerten sein.

Dass Schulen nicht nur in dieser Hinsicht äußerst unterbelichtet und gravierend defizitär sind, erörtert die Sonnabendausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). Dort wird in dem Leitartikel unter der Überschrift „Arme Sprache“ hinsichtlich der generell verkümmernden Schreibschrift die Misere ausführlich erläutert: „Grundschüler in Deutschland lernen vier unterschiedliche Schriften. Denn in den ostdeutschen Ländern wird häufig weiter die Schrift gelehrt, die 1968 von der DDR eingeführt wurde. Im Westen beginnen viele Grundschulen mit Druckschrift, um dann in der zweiten und dritten Klasse mit der Schreibschrift fortzufahren. Doch es gibt nicht einmal ländereinheitliche Regelungen, jede Schule, jede Schulkonferenz, ja jeder Grundschullehrer entscheidet ganz nach Gusto.“ Es zeige sich eine erschreckende Geringschätzung von Sprache. Das äußere sich darin, dass in der Grundschule das Schreiben nach Aussprache gelernt wird,  dass der obligatorische Wortschatz für Grundschüler gekürzt wurde und dass ausgerechnet beim Deutschunterricht gespart werden soll. Das Fazit lautet “ Alles soll einfacher werden. Auch das Schreiben. Unsere Schüler werden dadurch dümmer.“ ++ (pg/mgn/17.01.15 – 17)

http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

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Berlin/Basel, 9. November 2012 (ADN).  Afrika bietet Skeptikern und Totalignoranten gegenüber dem Bedingslosen Grundeinkommen (BGE) nicht Machbarkeitsstudien, sondern erfolgreiche Praxisbeispiele. Eines der Modellprojekte läuft in dem namibischen Dorf Otjivero. Die Wochenzeitung „Freitag“ nimmt dieses seit Jahren positiv verlaufende Projekt und weitere derartige Versuche in ihrer jüngsten Ausgabe unter die Lupe. Vor vier Jahren begannen in Namibia ein von den beiden Deutschen Claudia und Dirk Haarmann geleitete Grundeinkommensprojekt, von Kirchen, Entwicklungsorganisationen und Gewerkschaften getragen wird. In den Ortschaften von Otjivero und Omitara bekommt jede Person unterhalb des Rentenalters monatlich 100 namibische Dollar. Das sind zwar umgerechnet nur neun Euro, jedoch für große Familien sichert die Summe der Beträge de facto deren Existenz, so der „Freitag“. Es wurde ein Komitee gegründet, in dem sich die Leute im Umgang mit dem Geld gegnseitig beraten. 

Wohltuende Effekt stellten  sich bereits nach sechs Monaten ein. Der Anteil der mangelernährten Kleinkinder sank von 42 auf 17 Prozent. Der Anteil der Kinder, die die Grundschule beenden, stieg im Laufe des Projekts von 40 auf 90 Prozent. Die unternehmerische Selbständigkeit wuchs um 300 Prozent.

Anders als bei Mikrokrediten für Kleinunternehmen erhöht ein bedingungsloses Grundeinkommen die Kaufkraft, wirkt somit ökonomisch und sozial nachhaltig, schreibt die in Berlin herausgegebene Wochenzeitung. Sogar die Machtverteilung im Ort habe sich zum Besseren verändert.  Es seien der Einfluss der Frauen größer geworden und das Selbstbewusstsein der Menschen beispiesweise gegenüber weißen Farmern gestiegen. So können sie Hungerlöhne und miserable Arbeitsbedingungen ablehnen, da mittels des BGE für ihre Grundbedürfnisse gesorgt ist. 

Vehemente prominente Befürworter des Bedingngslosen Grundeinkommens sind der anglikanische Erzbischof Desmond Tutu und der Sozialkritiker Jean Ziegler aus der Schweiz. Nach Auffassung des ehemaligen UNO-Sonderbotschafters muss der Mensch, auch wenn die Erwerbsarbeit abnimmt, trotzdem essen. Ein Grundeinkommen verkörpere einen Weg zur Verteidigung des Gesellschaftsvertrages, ja der Zivilisation überhaupt. 

Dem folgend hat Brasilien vor acht Jahren das Grundeinkommen unter der Regierung Lula da Silva in der Verfassung verankert. Als erster Schritt gilt eine Kindergrundsicherung. „Freitag“ zitiert dazu den Senator Eduardo Suplicy aus Sao Paulo. Seinen Worten zufolge ist seitdem die Kindersterblichkeit gesunken sowie die Schere zwischen Arm und Reich enger geworden. ++ (so/mgn/09.11.12 -219)

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Göttingen, 14. Mai 2012 (ADN). Politik und Demokratie scheint Kindern noch Spaß zu machen. Zu diesem Schluß ist das Göttinger Institut für Demokratieförderung in seinem Projekt „Kinderdemokratie“ gekommen, zu dem die Forscher am Montag einen Zwischenbericht veröffentlicht haben. „Während sich junge Bürger der institutionellen Politik noch offen und neugierig nähern, tritt spätestens im Jugendalter eine Skepsis  ein, die vielfach in starke Frustration mit der Politik und insbesondere ihren Vertretern mündet“, erklärte Johanna Klatt. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin an dem Göttinger Institut verweist darauf, dass es womöglich dann bereits zu spät ist, die grundlegenden Probleme und Defizite demokratischer Prozesse zu erklären. Vor allem solche der Aushandlung und der Beteiligung seien häufig zeitraubend und langweilig, anstrengend und enttäuschend. Nicht zuletzt aus diesem Grund bereite das Projektteam die teilnehmenden Klassen eingehend auf ein Planspiel namens „Felddorf“ vor und später nach. Durch gemeinsam mit Pädagogen und Lehrkräften entwickelte Spiele und Gesprächsrunden werde somit ein Zusammenhang zwischen den dargestellten Konflikten im „Felddorf“ einerseits und den Institutionen der Demokratie andererseits geknüpft.

Als eine Konsequenz der bisherigen Erkenntnise aus dem Projekt betrachtet Klatt es, dass die politische Streitkultur rekultiviert werden muss. Zu einer demokratischen Streitkultur gehöre das Vorhandensein unterschiedlicher Ansichten, Interessen und sogar Ideologien. Nur so könne der Souverän in freien Wahlen eine freie Entscheidung treffen.

Nach Auffassung der Wissenschaftlerin lassen sich sowohl Politikdidaktik als auch tagesaktuelle politikwissenschaftliche Forschung mit der Bildungsarbeit junger Menschen verbinden. Verbal politisch gestritten werde heutzutage allerhöchstens noch in Talkshowrunden und hier meist durch schauspielerische Darbietung zum Amüsement der zuschauenden Bevölkerung. Gerade in finanzpolitisch oder ökologisch verunsichernden Krisenzeiten orientiere man sich an sachlich und kompetent auftretenden Politikertypen, sehne sich nach einem Wissenschaftler oder Technokraten am Kopf des Staates.

Seit nunmehr zwei Jahren erforscht und vermittelt das Göttinger Institut für Demokratieforschung Demokratie im Grundschulalter. Die jungen Teilnehmer entdecken demokratisches und ziviles politisches „Streiten“ in verschiedenen Varianten – beispielsweise in Demonstrationen und Bürgerinitiativen. Die Legitimität und Akzeptanz andersgearteter Meinungen und Interessen sollen trainiert und Politik bereits in jungen Jahren nahe gebracht werden. ++ (zc/mgn/14.05.12 – 141)