Archive für Beiträge mit Schlagwort: Hambacher Fest

Darmstadt/Leipzig, 17. Oktober 2013 (ADN). „Büchner lebt“ – besser und treffender konnte am Donnerstag nicht getitelt werden. Die Süddeutsche Zeitung“ tat es und würdigte auf ihrer ersten Seite damit den Rebellen, Vordenker und Dichter Georg Büchner, der vor 200 Jahren unter dem Donner der Kanonen der Leipziger Völkerschlacht geboren wurde. Bis in die Gegenwart fasziniert sein geniales, in einem nur äußerst kurzen Erdendasein geschaffenenes Werk. „Tagsüber ging er zur Uni, nachts dichtete er wie im Rausch. Er war ein Revolutionär, wurde steckbrieflich gesucht, und schon mit 23 nahm sein Leben ein jähes Ende, schreibt die Münchner Tageszeitung auf rotem Grund und neben seinem Porträt. Erläutert wird dann auf einer ganzen Innenseite, warum sein Werk bis heute ein Ereignis war, ist und bleiben wird. Schon der 16jährige Gymnasiast sei Mitglied eines Schülerzirkels gewesen sein, in dem man sich mit „Bon jour citoyen“ (Guten Tag, Bürger) begrüßt haben soll. Sein Wirken ist so eindringlich, direkt und erschütternd, dass gleichaltige Schüler völlig anderer Zeitepochen noch 150 Jahre später in gesellschaftskritischem Jugendfieber die Seiten der Dramen „Dantons Tod“ und „Woyzeck“ durchwühlen. Begleitmusik in der Büchner’schen Realität waren die Seidenweberaustände von Lyon, das Hambacher Fest und der Sturm auf die Frankfurter Hauptwache 1833. Er gründete in Gießen die „Gesellschaft für Menschenrechte“ und gab die Flugschrift „Der Hessische Landbote“ heraus. Dessen Lektüre unter dem Motto „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ erwies sich als so scharfes Schwert, dass die Herrschenden den jungen Schriftsteller und Naturwissenschaftler sofort auf die Fahndungsliste setzten.

„Georg Büchner – das ist die allgemeine Mobilmachung der deutschen Literatursprache,“ so die „Süddeutsche Zeitung“. Wie die Revolution habe das Sprachereignis Büchner alles erfasst. Wer heute die Schriften dieses Heißsporns liest, der letztlich im Züricher Exil an Typhus starb, erschrickt ob der eminenten Mangelerscheinungen gegenwärtig verfasster Schriften und gehaltener Reden. Das verbale, wie eine Seuche verbreitete Kompromisslertum von heute bezeugt die geistige Armut und den unerträglichen Wankelmut derzeitiger Generationen. Um sie ein wenig über ihr blasses Dasein hinwegzutrösten, urteilt Autor Lothar Müller über Büchner: „Als Sprachereignis ist er singulär“. Lehrstoff für die moderne Zivilgesellschaft, in der die Menschenrechte an fast allen Fronten brach liegen, liefert er massenhaft. ++ (li/mgn/17.10.13 – 284)

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Leipzig, 28. November 2012 (ADN).  Warum haben die Deutschen nicht längst einen wunderbaren Bogen zwischen dem Hambacher Fest des Jahres 1832, der friedlichen Revolution in Leipzig und dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 gezogen ? Dies fragte am Mittwochabend verwundert der französische Publizist und Philosoph Aldfred Grosser bei einer Diskussion im Zeitgeschichtlichen Forum von Leipzig.  Damit hätte ein mustergültiges Beispiel für nationale und europäische Erinnerungskultur gegeben werden können.  Er reagierte damit auf den kleinlichen und zermürbenden Streit um ein deutsches Freiheits- und Einheitsdenkmal, das nach zähen Auseinandersetzungen mit der Bundesregierung nunmehr sowohl in Leipzig als auch in Berlin gebaut werden soll und dennoch bei der Leipziger Bevölkerung heiß umstritten ist. Der Franzose wurde von dem Historiker Prof. Michael Stürmer unterstützt, der den Leipzigern bescheinigte, damals in den Jahren 1989/90 „den Ton angegeben zu haben“. Die damaligen Ereignisse seien mindestens von deutscher, wenn nicht sogar europäischer Bedeutung gewesen.  Es habe sich damals um ein Erdbeben gehandelt, das zum gefährlichsten Moment des Kalten Krieges avancierte. Diese Erinnerung müsse weitergegeben werden.

Stürmer sprach sich für die von Bundesforschungsministerin Anette Schavan geäußerte Idee aus, nicht nur ein deutsch-französisches Schulbuch zu konzipieren, sondern auch ein europäisches. Es müssten dafür nur die richtigen Themen gefunden werden. Beispielsweise gebe es durchaus die Notwendigkeit, über den Dreßigjährigen Krieg aus europäischer Sicht zu schreiben. Allerdings verkörpern Schulbuch-Zulassungen Verwaltungsakte. Daraus entspringen auch in Frankreich und Großbritannien Hindernisse.  Außerdem gebe es die Tendenz, die kleinen europäischen Länder wie Tschechien und Bulgarien zugunsten des deutsch-französischen Verhältnisses zu benachteiligen. Grosser beklagte zudem die Vernachlässigung von Weißrussland, das im Zweiten Weltkrieg am meisten gelitten habe. ++ (rv/mgn/28.11.12 – 338)

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