Archive für Beiträge mit Schlagwort: Holocoust

Leipzig, 7. Oktober 2014 (ADN) Die Geschichte der Deutschen hat nicht erst im Jahr 1989 begonnen, sondern zu ihr gehören bereits die Wikinger und Karl der Große, der Dreißigjährige Krieg, der Erste und der Zweite Weltkrieg und der Holocoust. Das erklärte Altbundeskanzler Helmut Schmidt am Dienstag in Leipzig während einer Diskussionsrunde unmittelbar vor den Feierlichkeiten zum 25. Jubiläum der Friedlichen Revolution in der DDR. Der 95jährige fügte hinzu: „Wir stehen in einer langen Kette und sind Erben einer kulturellen Geschichte.“ Nach Meinung Schmidts „dürfen wir uns nicht einbilden, wir hätten die Revolution gegen die DDR gemacht und nun sei alles in Butter. Nichts ist in Butter !“ In diesem Zusammenhang forderte er dazu auf, sich von verhängnisvollen Vorbehalten zu trennen. Vergangenheitsbewältigung in der Weise zu betreiben, indem man Angehörige des DDR-Staatsicherheitsdienstes (Stasi) bis ins siebente Glied verfolgt und andererseits so tut, als sei die Christlich-Demokratische Union (CDU) an den Zuständen in der DDR völlig unschuldig gewesen und selbst unterdrückt worden, hält er für inakzeptabel. Deshalb habe er es kategorisch abgelehnt, seine Stasi-Akte überhaupt in die Hand zu nehmen. Der Altkanzler betonte, „Frieden ist ein hohes Gut und bedarf der Stütze seit zweitausend Jahren.“ Frieden sei ein „Grundwert jedes Menschen mit Verstand im Kopf“. Er bedauere es deshalb, dass Frieden nicht in den zehn Geboten der Christen, nicht im Koran und nicht im Judentum vorkommt.

Helmut Schmidt war auf Einladung des ehemaligen Kapellmeisters des Leipziger Gewandhauses, Kurt Masur, und des Rocksängers Peter Maffay in die Messestadt gekommen, um über die Macht der Musik zu sprechen. Das Dreigestirn war sich einig darüber, dass Musik einen äußerst wertvollen und unersetzlichen Beitrag zu Frieden, zu Gewaltlosigkeit und zu einem vertrauensvollen Zusammenleben der Menschen leistet. ++ (fr/mgn/07.10.14 – 279)

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Berlin, 27. Dezember 2012 (ADN).  „Schindlers Liste“ ist ein einleuchtendes Beispiel für die komplexe Schwierigkeit, die Nazi-Verbrechen in ihrem gesamten Umfang und der erforderlichen Tiefe zu verdeutlichen. Die Rettung von 600 jüdischen Menschen vor dem „Holocoust“ filmisch darzustellen, ist um vieles einfacher, als die systematische Ermordung von sechs Millionern Menschen in ihrer ganzen Dimension zu illustrieren und vorstellbar zu machen. Das erklärte der Journalist Daniel Erk im Deutschlandfunk am Freitag. Er betreibt für die „tageszeitung (taz)“ einen Hitler-Blog, um die vielfältigen, durch die Medien geisternden Hitler-Phänomene einzuordnen und zu beleuchten.

Nach den Worten  von Erk lässt sich mit dem „Drohgespenst des Dritten Reichs“ leicht Politik machen. Insofern gerate der Gedenktag zum Holocoust, der sich heute zum 67. Mal jährt, fast regelmäßig zu einem ungenügend überzeugenden, fast oberflächlichen Ritus. Die Beklemmung,die viele bei dem Thema spüren, werde in Humor umgemünzt, um dieses emotional sehr großen und kaum zu bewältigenden Problembergs irgendwie Herr zu werden.

Zur Banalisierung von Hitler und allem damit Zusammenhängenden kommt es nach Auffassung von Erk dadurch, dass mit Ersatzhandlungen reagiert wird. Von jedem werde eine Meinung und eine Haltung erwartet. Statt sich mit dem unangenehmen und sehr schmerzhaften Details der Geschichte auseinanderzusetzen, versucht man es mit leicht handhabbaren, sogar popkulturellen Phänomenen.

Darin sieht Erk auch den Grund dafür, dass die jüngste Studie des Deutschen Bundestages zum Antisemitismus zu dem scheinbar überraschenden Ergebnis geführt hat, dass 2o Prozent der Deutschen latent antisemitisch eingestellt sind. Verblüffend sei daran zudem, dass allgemein verbreitet wird, die Lektion des Dritten Reiches sei ein für alle Male begriffen worden und es einen generellen Konsens zur Ablehnung von Nationalsozialismus gibt. Bei genauerem Hinsehen sei jedoch zu erkennen, dass der Zusammenhang zwischen rechtsradikalen antisemitischen Haltungen und dem Dritten Reich  nicht so einfach und banal begründet werden kann.

Ein wesentliches Manko besteht nach Meinung von Erk darin, sich mit den analytischen Schriften zum Nationalsozialismus beispielsweise von Joachim Fest zu beschäftigen – d. h. sie erst einmal zu lesen. Außerdem sei der Drang, sich diesbezüglich in die eigene Familiengeschichte zu vertiefen, wenig ausgeprägt.

Auch das offizielle Gedenken ist, so Erk, von bestimmten Phrasen beherrscht. Es treten dabei gewisse Ermüdungserscheinungen auf und moralische Bewertungen werden vorweggenommen. Das stetige Nennen der Opferzahlen des Zweiten Weltkriegs und des Holocoust sei nicht immer notwendig und hilfreich. ++ (hs/mgn/27.01.12 -27)