Archive für Beiträge mit Schlagwort: Klimawandel

Rostock/Berlin, 8. Oktober 2013 (ADN). Den Schießbefehl an den Außengrenzen der Europäischen Union (EU) gibt es längst. Das erklärte der Journalist und Menschenrechtsaktivist Elias Bierdel vom Österreichischen Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung in einem Interview mit dem Rostocker Studentenmagazin „heuler“, das vom Nachrichtenportal http://www.paulfleischer.de zitiert wird. Allerdings bestehe eine umgekehrte Situation zur Deutschen Demokratischen Republik (DDR), die sich einbetonierte, damit niemand das Land verlässt. Demgegenüber soll im Mittelmeer die massenweise Einreise von Afrikanern in die EU mit Gewalt verhindert werden. So sei an den Rändern spanischer Enklaven in Afrika das Schießen auf Menschen schon lange Usus – allerdings mit Gummigeschossen. Auch das könne erhebliche Verletzungen, sogar tödliche, verursachen. Beispielsweise habe es im Oktober 2005 beim Versuch mehrerer hundert Afrikaner, die Grenzsperranlagen zu überwinden und auf spanischen Boden zu gelangen, offiziell 16 Tote gegeben. Das jüngste Opfer war ein sechs Monate alter Säugling, der durch Kopfschuss starb. Nach Angaben der Migranten seien sogar 60 Personen getötet worden. Die Spanier haben die Schuld den Marokkanern zugeschoben, so Bierdel. Eine wirkliche Klärung der Vorgänge habe nie stattgefunden.

In der Nord-Ägäis wird nach den Worten des Gründungsmitglieds und Vorstands der Organisation „Borderline Europe – Menschenrechte ohne Grenzen“, die zahlreiche Flüchtlingsdramen an den EU-Außengrenzen dokumentiert, sogar scharf geschossen. Das werde auch nicht bestritten. Küstenwachoffiziere hätten es ihm gegenüber eingestanden. Es werde nach deren Aussagen zwar nur auf die Schiffsmotore und lediglich auf Boote mit Flüchtlingsschleppern gezielt, jedoch ist dies unter den gegebenen Umständen ohnehin kaum auseinanderzuhalten. Bierdel, der selbst einmal Flüchtlinge auf dem Mittelmeer rettete und dafür von italienischen Behörden verhaftet, später dann freigesprochen wurde, schätzt die Zahl der bislang im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge auf 20.000. Es gebe zudem eine hohe Dunkelziffer. Auch Deutschland sei innerhalb der Militärorganisation Frontex an dem völker- und menschenrechtswidrigen Treiben betweiligt. Diese Tatbestände seien von Politikern und Medien jahrelang systematisch verschwiegen worden.

Wesentliche Fluchtgründe der Afrikaner böte Europa selbst. So gebe es äußerst unfaire Handelsabkommen mit den afrikanischen Staaten. Zudem zerstörten die europäischen Agrarsubventionen die Märkte in Westafrika und entzögen der Bevölkerung die Lebensgrundlage. „Wir kippen subventionierte Güter dorthin und kein Produzent vor Ort ist mehr in der Lage, mit den Dumpingpreisen aus Europa mitzuhalten,“ kritisiert Bierdel. Außerdem leere Europa die Fischgründe vor den afrikanischen Küsten und der Klimawandel bewirke ein Übriges. ++ (eu/mgn/08.10.13 – 274)

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Leipzig/Cottbus, 16. September 2013 (ADN). Die Renaissance der Kohle ist weltweit in vollem Gange. Das erklärte der renommierte Klimaforscher Prof. Ottmar Edenhofer am Montag in Leipzig vor fachkundigem Publikum aus ganz Deutschland im Umweltforschungszentrum der Helmholtz-Gesellschaft (UFZ). Trotz Gasrevolution in den Vereingten Staaten von Amerika (USA) werde das Land derzeit zum Nettoexporteur für Kohle und beliefere China, Indien und sogar Europa mit diesem konventionellen Energieträger. Edenhofer stellte angesichts dieser scheinbar unerwarteten Entwicklung in der Menschheitsgeschichte fest, dass keine Knappheit an fossilen Energieträgern herrsche, sondern eine Knappheit der Senken von Kohlendioxid, beispielsweise an Wäldern. Er zog daraus die drastische Konsequenz: „Wir werden die Besitzer von Kohle, Öl und Gas enteignen müssen“. Um eine internationale Kooperation zwischen den Nationalstaaten zu erreichen, müssten Anreize für diejenigen geschaffen werden, die am Klimawandel gar kein Interesse haben. Einen solchen Anreiz böte die Einführung einer Kohlendioxid-Steuer, die letztlich eine Senkung der Steuern auf Arbeit und Kapital ermöglichen würde. Insofern müssten zugunsten eines tatsächlichen Klimawandels die Finanzminister in die Verhandlungen eines internationalen Klimaabkommen einbezogen werden, mit dessen Abschluss er in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht rechnet.
Für Europa und Deutschland prognostizierte Edenhofer ebenfalls, dass die Kohle wieder rentabel wird, auch wenn derzeit noch Gaskraftwerke im System sind.

Der Vortrag des Chefökonomen am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) stand unter dem Titel „Klimawandel, Energiewende, Wachstum und Nachhaltigkeit – Wissenschaftler als Karthographen für die Politik – Über Modelle, Spielregeln, Grauzonen und Fallstricke wissenschaftlicher Politikberatung.“ Ausgangspunkt seiner Ausführungen waren relevante General-Aussagen von Gesellschaftskritikern und Wirtschaftswissenschaftlern wie Karl Marx, John M. Keynes, Joseph Schumpeter, Max Weber und Garrett Hardin. Letzterer hatte aus seinen Untersuchungen zur Zukunft der Menschheit die düstere Voraussage getroffen: „Die Titanic wird den Eisberg rammen, aber die Rettungsboote werden nicht für alle ausreichen.“
Klimawissenschaftler Edenhofer forderte, möglichst viele für die Situation zu sensibilisieren. „Wir brauchen globale sowie viele subnationale und lokale Initiativen. Die Leute müssen mitgenommen werden, auch um Gefahren zu verdeutlichen.“
Unter Edenhofers Leitung entstand der IPCC-Sonderbericht zu Erneuerbaren Energien und der Vermeidung des Klimawandels (SRREN) sowie das Konzept für den transatlantischen Kohlenstoffmarkt. Zudem entwarf er den „Global Deal“ für den Klimaschutz.

Am selben Tag hatten sich im Lausitzer Kohlerevier Greenpeace-Aktivisten an Eisenbahngleise gekettet und die Rohstoff-Versorgung unterbrochen. Damit protestierten sie gegen die Ausdehnung des Abbaus von Braunkohle durch den schwedischen Energiekonzern Vattenfall in Ostdeutschland. ++ (kl/mgn/16.09.13 – 254)

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Doha, 8. Dezember 2012 (ADN). Europa fehlt der Wille, den Klimawandel aufzuhalten. Das stellte die Direktorin des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meerersforschung Bremerhaven, Karin Lochte, am Sonnabend im Deutschlandfunk fest. Zu dieser Schlussfolgerung kommt sie aufgrund des bisherigen Verlaufs und der Ergebnisse der Welt-Klimaverhandlungen in Doha. Alles deute darauf hin, dass eine Pause von acht Jahren für den weltweiten Klimaschutz eintritt. Das wäre schrecklich, so die Wissenschaftlerin. Die derzeitigen Emissionen von Kohlendioxid ließen darauf schließen, dass die Erde auf den schlechtesten Fall (worst case) zusteuert, also auf eine Klimaerwärmung, die weit über zwei Grad Celsius gehen wird.

Europa wird seiner Vorreiterrolle nicht mehr gerecht, so Kochte. Energiesparen werde das immer dringendere Erfordernis. In Polarregionen vollzieht sich nach ihren Worten die Erderwärmung doppelt so schnell als im globalen Durchschnitt. Deswegen bilden die dort gemessenen Werte ein Frühwarnsystem für den gesamten Klimawandel. Sie prognostiziert, dass es in den nächsten 50 Jahren im arktischen Sommer kein Eis mehr geben wird. Nordeuropa und die Nordhalbkugel der Erde werden das besonders deutlich zu spüren bekommen, erklärte Direktorin Kochte abschließend.   ++ (kl/mgn/08.12.12 – 348)

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Hamburg/München, 26. Oktober 2012 (ADN). Der Kampf mit Wassermangel oder Überschwemmungen sind keine gute Voraussetzung für neue noch instabile Demokratien. Das ist eine Schlussfolgerung aus einer aktuellen Klimastudie der Bundeswehr. Dürren und Wetterextreme würden Reformen und demokratische Bewegungen in Afrika und im Nahen Osten enorm gefährden, heißt es in der Untersuchung von sieben Forschern aus dem bundesdeutschen Militärsektor.

In dem Dokument unter dem Titel „Klimafolgen im Kontext“ rufen die Wirtschafts-. Politik und Sozialwissenschaftler dazu auf, aus Sorge um Ressourcenkonflikte dem Klimawandel entgegenzuwirken. Besonders schädliche Folgen drohen demnach Volkswirtschaften, die vor allem auf Tourismus und Landwirtschaft basieren. 

Diese und andere Einflüsse begünstigen Kriege und Konflikte durch Klimawandel, heißt es in der Studie.  ++ (nc/mgn/26.10.12 – 305)

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München/Berkeley/Zürich, 1. August 2012 (ADN). Noch vor drei Jahren erfüllten den Physik-Professor an der University of California in Berkeley Richard Muller erhebliche Zweifel an dem von Menschenhand gemachten globalen Klimawandel. Nun mutierte der renommierte Wissenschaftler vom Saulus zum Paulus. Die heutige Mittwoch-Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ druckt das Selbstbekenntnis des Forschers über eigene Irrtümer der Vergangenheit ab.

Grund des fundamentalen Sinneswandels von Muller sind neue Untersuchungen alter Wetteraufzeichnungen. Seine Kehrtwende in so kurzer Zeit führt er auf eine sorgfältige und objektive Analyse im „Berkeley Earth Surface Temperature Project“ zurück, die er gemeinsam mit seiner Tochter vorgenommen hat. Danach ist die durchschnittliche Temperatur der Erdkontinente in den vergangenen 250 Jahren um 1,4 Grad Celsius gestiegen. Darin steckt eine Zunahme um 0,8 Grad Celsius in den zurückliegenden 50 Jahren. Praktisch der gesamte Anstieg sei auf freigesetzte menschengemachte Treibhausgase zurückzuführen. .

Die besonders hohe Qualität dieser Forschungsergebnisse liegt nach den Worten von Muller in den anspruchsvollen statistischen Methoden, die vom wissenschaftlichen Leiter Robert Rohde entwickelt worden sind. Damit könne die Oberflächentemperatur der Landmassen viel weiter in die Vergangenheit hinein bestimmt werden als zuvor.

Richard Muller hofft, dass die Berkeley-Earth-Analyse einen Beitrag leistet, um die teilweise sehr scharf geführte wissenschaftliche Diskussion über die globale Erderwärmung und die menschliche Verantwortung dafür beizulegen. Dem folge der schwierigere Teil. Er bestehe darin, sich über das politische und diplomatische Spektrum hinweg darauf zu einigen, was getan werden kann und sollte.

Trotz des bemerkenswerten Frontwechsels des prominenten USA-Physikers geht die Auseinandersetzung, ob der Mensch beim Klimawandel die Hauptverantwortung trägt  oder nicht,  unvermindert weiter. So berichtete einen Tag zuvor die in der Schweiz herausgegebene Wochenzeitung „Zeit-Fragen“ über neue wissenschaftliche Erkenntnisse von der Universität Gießen. Zusammen mit einer internationalen Forschergruppe seien Wachstumsringe von Kiefern aus dem finnischen Lappland bis in die Zeit 138 v. Chr. untersucht worden. Die Analyse ergab, dass es zu Zeiten der Römer und im Mittelalter wärmer war als bisher angenommen. Der Diplom-Meteorologe Dr. Wolfgang Thüne von der Oppenheimer Werkstatt für Wetterkunde kommt in dem Beitrag zu dem Schluss, dass an der zum quasireligiösen Glaubensdogma hochsilisierten Treibhaushypothese etwas nicht stimmen kann. ++ (kl/mgn/01.08.12 – 220)

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Rio de Janeiro/Wiesbaden/Köln, 21. Juni 2012 (ADN). Die Arktis erwärmt sich etwa doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Dort sind die Veränderungen, die durch den Klimawandel verursacht werden,  ganz offenkundig. Das erklärte am heutigen Donnerstag der Polarforscher und Buchautor Arved Fuchs unmittelbar nach einer zweimonatigen Expedition nach Nordgrönland im Deutschlandfunk. Das Meereis erreiche nicht mehr die Stärke, die es früher gehabt hat. Es friere später und breche früher auf.  Das werde allerdings nur von den wenigen Menschen wahrgenommen, die dort leben.

Solch eiskalten Wahrheiten und Erkenntnisse gehen an den rund 50.000 Teilnehmern offenbar weitgehend spurlos vorbei, die sich seit gestern in Rio de Janeiro zur Jubiläumsfeier „Rio+20“ treffen, um den vor 20 Jahren in der brasilianischen Küstenmetropole veranstalteten ersten Umweltgipfel zu würdigen.

Dass es sich dabei eher um eine Gedenkfeier und eine Demonstration der Tatenlosigkeit als um ein neues Signal zum Handeln dreht, schildert der „Wiesbadener Kurier“ in seiner heutigen Donnerstag-Ausgabe anschaulich: „Welch eine bombastische Inszenierung von Untätigkeit ! 100 Staatschefs reisen an, um eine ‚Abschlusserklärung‘ zur Rettung des Weltklimas zu beschließen, die schon geschrieben ist. Der dünne Inhalt lässt vermuten, dass die illustre Runde mehr CO2 (Kohlendioxid) auf der Reise in die Atmosphäre pustet, als durch die unverbindlichen Absichtsbekundungen eingespart wird.“

Arved Fuchs wirft den Klimakonferenzen der vergangenen Jahre vor, das Problem Klimawandel nur zu verwalten.  Wirklich neue Wege und Lösungen seien nicht eingeschlagen worden. Das sei auch jetzt bei der Konferenz in Rio zu beobachten.

Der Erdgipfel von 1992 in Rio de Janeiro ist in wesentlichen Teilen auf die Initiative und das Engagement von Brasiliens damaligem Umweltminister Jose Lutzenberger zustande gekommen. Der vor zehn Jahren in Porto Alegre verstorbene Umweltaktivist hatte während der Militärdiktatur in seinem Heimatland in den 70er Jahren die erste Umwelt-Organisation unter dem Namen „Vereinigung zum Schutz vor kollektiver Vergiftung“ (AGAPAN) gegründet, eine Firma zur Herstellung von Humus aus organischem Müll betrieben und die Stiftung Gaia zur Verbreitung des ökologischen Bewusstseins aus der Taufe gehoben.

Nach zwei Jahrzehnten dieser Weltumweltgipfel-Premiere entpuppt sich die derzeitige Konferenz „Rio+20“ als Verrat am Planeten Erde, an der Menschheit und an Lutzenberger. Sie dokumentiert eindrucksvoll das Versagen der politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen insbesondere in den sogenannten Industriestaaten. Offensichtlich ist,  dass nun die Bürger selbst das Heft des Handelns vor Ort in die Hand nehmen müssen. ++ (kl/mgn/21.06.12 – 179)