Archive für Beiträge mit Schlagwort: Landwirt

Gaggenau/Berlin, 29. April 2015 (ADN). Nie waren die Menschen so interessiert daran zu erfahren, wo die Produkte herkommen. Das erklärte die bundesdeutsche Ex-Agarministerin Renate Künast in einem Interview, das im April der Monatszeitschrift „Rundschau für den Lebensmittelhandel“ veröffentlicht ist. Transparenz sei ein Wettbewerbsvorteil. Das müsse sich der Lebensmittelhandel immer vor Augen halten. Das sei nicht immer einfach, weil sich der Handel auseinanderbewegt. „Die einen sind billig, andere bieten eine sehr hohe Qualität. Aber der Qualitätsmarkt wird wachsen und Politik muss zum Beispiel Klimapolitik machen – gerade auch beim Essen,“ meint die jetzige Vorsitzende des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz im Deutschen Bundestag.

Nach Auffassung von Künast wollen die Deutschen nicht in einem Land leben, in dem die „Riesenketten und die Groß-Investoren uns Massen-Einheitsfood anbieten“. Die Billigpreise seien doch keine Vielfalt, sondern eher ein rücksichtsloser Umgang mit den Lebensgrundlagen. Für die Folgen werde der Steuerzahler herangezogen. „Wir müssen mehr Vielfalt erzwingen – bei der Anzahl der Händler, aber auch in den Regalen selbst“, reklamierte die Juristin. Es könne ohnehin nicht so weiter gewirtschaftet werden. Neun Milliarden Menschen ließen sich nicht ernähren, weil der praktizierte Chemieeinsatz umgerechnet auf alle zum Umweltkollaps führt.

Hoffnungsvoll zeigte sich die Politikerin hinsichtlich ihrer Vision „Bio für alle“. Immerhin sei der Umsatz mit Bio-Produkten seit 2010 um mehr als 260 Prozent gestiegen. „Wir kommen der Sache näher“. Dass allerdings nur rund fünf Prozent der Anbaufläche in Deutschland biologisch bewirtschaftet werden, liege schlichtweg an den extrem hohen Boden- und Pachtpreisen. Sie sind seit 1991 um fast 90 Prozent gestiegen. Sehr kritisch äußerte sie sich zu Rückständen von Düngemitteln in Bio-Produkten. „Wenn neben einem Bio-Bauern das Feld eines konventionellen Landwirts liegt und das Düngemittel zu dem Bio-Bauern driftet, soll das nicht einmal mehr dann zulässig sein, wenn der Rückstand unter den gesetzlichen Werten liegt,“, fordert die Landwirtschaftspolitikerin. ++ (lw/mgn/29.04.15 – 100)

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Köln, 1. Mai 2014 (ADN).  Das Nachdenken über unser „täglich Brot“ hat die Esstische und die Kinder der Mittelschicht erreicht. Aber die Politik verzagt vor der Aufghabe einer wirklichen Ernährungs- und Agrarwende. Das stellte der Publizist Mathias Greffrath am Donnerstag an den Anfang eines Essays im Deutschlandfunk. Es entstehe eine neue soziale Bewegung, die zwar vielfältig und differenziert ist, jedoch in den nächsten Jahren Dynamik entwickelt und  damit die Regierenden überraschen dürfte. Sier werde es leichter haben als die gegen die Energiekonzerne, weil die Gegner „hässlicher“ sind: Massentierhalter, Landgrabber, Spekulanten,  Lebensmittelfälscher, Bodenvergifter. Es gehe um sehr viel – nämlich um Geschmack und Gerechtigkeit, um Landwirtschaft und Landschaft, um Fleisch und um Frieden.  

Die agrikulturelle Aufklärung dringe in die Alltagsgespräche ein. Sie beginne mit der Empörung sensibler Teenager, die das Frikassee der Eltern verweigern, nachdem sie die Bilder von Putenställen gesehen haben, deren Enge das Verbandsgerede von Tierwohl und Selbstverpflichtung Lügen straft  und gehe über das Schreddern von Eintagsküken , die das falsche Geschlecht haben. Am Ende schockieren neben den Bildern die Zahlen: die Hälfte der Welteierproduktion  und zwei Drittel der Masthähnchen werden großindustriell erzeugt. Hochgezüchtete Hähnchen werden in 40 statt wie vor 50 Jahren in 100 Tagen schlachtreif . Schweine liefern doppelt so viel Fleisch pro Tonne Futter.  Folge der genetischen Produktivitätssteigerung sei ein mehrfacher Verdrängungswettbewerb. Die Landwirte werden dabei total abhängig, weil sie Hybridgeflügel  nicht weiterzüchten können und sie von Saatgutmonopolen gezwungen werden, jede neue Generation neu zu kaufen. ++ (lw/mgn/01.05.14 – 120)

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