Archive für Beiträge mit Schlagwort: Mali

Zürich, 28. Januar 2013 (ADN). Das zentralistische Großgebilde Europäische Union (EU) mit Sitz in Brüssel reiht sich ein in eine ganze Galerie von untergegangenen oder sich zur Zeit im Sinkflug befindenden Molochen, die je größer und zentralistischer sie wurden, desto kriegerischer gegen außen und diktatorischer gegen innen sich gebärdender. Die Feststellung trifft der Historiker Tobias  Salander in der jüngsten Januar-Ausgabe der schweizerischen Wochenzeitung „Zeit-Fragen“.  Das könnte ein „Naturgesetz“  sein, wenn es diesen Begriff in der Geschichtsschreibung geben würde. Beispielhaft nannte der Autor die Städte Athen und Sparta, die ab einer gewissen Größe dem Machtwahn verfallen waren.  Alexander der Große habe dann die Idee der Polis absolut an absurdum geführt, um zum größten Kriegsherrn seiner Zeit zu werden.  Es folgten Rom und die englischen Kolonien in Nordamerika. Dann habe sich die ehemals selbst unterdrückte Einwohnerschaft des nördlichen Amerika in imperiale Hybris versetzt und Millionen von Ureinwohner unterworfen und getötet.  Der imperiale Sprung erfolge nun entweder direkt militärisch oder mittels des Dollars. 

Salander fragt: „Wie, wenn sich die einzelnen Nationalitäten im Sowjetreich unabhängig gemacht, die einzelnen Länder in Nazideutschland gegen ihre Gleichschaltung erfolgreich zur Wehr gesetzt  und ihren Austritt aus dem Reichsverband durchgesetzt hätten ? Hätte ein Thüringen, eine Hansestadt Hamburg, hätte ein Freistaat Bayern  eine freie Ukraine, ein freies Kasachstan  oder auf der anderen Seite, hätte Baden einen unabhängigen Staat Elsass  angegriffen ?“. Wohl kaum, ist die Antwort des Historikers auf  die selbst gestellte rhethorische Frage.   Er prognostiziert, dass eine immer stärker zentralisierte, hochaufrüstende EU allen historischen Erfahrungen zufolge immer größere Kriege vom Zaun brechen werde. Die kleineren hätten längst stattgefunden oder begonnen. Serbien, Lybien, Syrien und Mali seien Beispiele dafür.

Ausführlich setzte sich Salander mit der Rolle  und Historie des Freistaates Bayern auseinander, der sich in vielerlei Hinsicht als Vorreiter für ein Europa der Vaterländer präsentierte. „Das Land, dessen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg als einzige über eine eigene Verfassung abstimmen durfte; ein Freistaat, der das Grundgesetz der BRD ablehnte, weil letzteres auf einen Zentralstaat abzielte und zu wenig föderalistisch war. Ein Staat, der nach dem Zweiten Weltkrieg wichtige Politiker aufwies, die ihr Exil in der Schweiz verbracht hatten und von unserem Land viele direktdemokratische Anregungen mitbrachten.“  Namentlich nannte er den Sozialdemokraten Wilhelm Hoegner, der damals bayrischer Ministerpräsident war. ++ (ml/mgn/28.01.13 – 022)

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Paris/München, 26./27. Januar 2013 (ADN).  Der Siegesmarsch französischer Truppen durch Afrika hält an. Unter der Parole „Mali vor den Islamisten retten“ ziehen die Franzosen durch ihre ehemaligen Kolonien, um deren Bevölkerung vor neuen mysterösen Mächten zu bewahren. Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt dieses Wochenende in einem Beitrag unter der Überschrift „Frankreichs Faust in Afrika“, dass „Paris sein früheres Imperium, entgegen  allen gegenteiligen Versicherungen, immer noch als sein Schutzgebiet betrachtet.“ Auch Präsident Francois Hollande habe vor einigen Wochen auf seiner ersten Afrikareise vor der senegalesischen Nationalversammlung beteuert – wahrheitswidrig – , die Zeit von „Francafrique“ sei vorbei.  Hinter diesem speziellen Begriff der besonderen Beziehungen sieht der Autor des Beitrags die Schattenseite dieses traditionellen Verhältnisses, das von einem dichten Filz politischer und wirtschaftlicher Verbindungen, von Protektion und Korruption geprägt ist. In diesem Zusammenhang gewähre Paris seinen Klienten im schwarzen Kontinent nicht nur militärischen Schutz, sondern auch Budget-Zuschüsse, Entwicklungshilfe und diplomatischen Beistand. Auf diese Weise könne sich Frankreich darauf verlassen, dass die so protegierten Staaten mit ihrem Stimmenblock in den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen franco-konformes Verhalten an den Tag legen. Auch andere Interessenübereinstimmungen gibt es.  Dazu zählt der in den Ex-Kolonien als Zahlungsmittel kursierende CFA-Franc. Diese gemeinsame und stabile Währung wird von der Banque de France und damit letztlich auch den Euo-Staaten garantiert. Zudem haben 20 afrikanische Staaten Verträge über Waffenlieferungen mit Frankreich.

Im Gegensatz zu Großbritannien, das von seinen alten Kolonien einfach nur Respekt erwartet, hofft Frankreich zudem noch Zuneigung und Liebe von „seinen“ Afrikanern. Dazu wurden und werden alle denkbaren Mittel eingesetzt.  So durfte sogar ein Dorfältester aus der Elfenbeinküste lange vor deren Unabhängigkeit Abgeordneter der französischen Nationalversammlung werden. Später war er Präsident seines Heimatlandes. Insofern nimmt es nicht wunder, dass die aktuellen Fenrsehbilder und andere Berichte aus Mali beständig leidenschaftliche Sympathiebekundungen der Eingesessenen gegenüber Frankreich dokumentieren. Viele wünschen sich eindringlich, dass die Truppen der ehemaligen Kolonialmacht das Land nie mehr verlassen mögen.  ++ (kl/mgn/27.01.13 – 021)

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Leipzig, 17. Januar 2013 (ADN).  Das Menschenrecht als Legitimationstitel und diplomatische Waffe moderner Staatsgewalten stand am Donnerstagabend im Diskussionsmittelpunkt einer Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Politische Diskussion der Universität Leipzig. Eingangs wurde die breite Berichterstattung der tagesaktuellen „Süddeutschen Zeitung“ über die Kriegführung Frankreichs in Mali analysiert.  Es werde suggeriert, dass dort um Frieden und Menschenrechte gekämpft wird, weil in dem afrikanischen Land Spelunken geschlossen, Waffendieben die Hände abgehackt und ein Tabakverbot verhängt wurden. Der Afghanistan-Krieg sei ähnlich begründet worden. Wären einige der angeführten Argumente Ernst zu nehmen, dann müssten demnächst auch in den USA und in der Bundesrepublik Deutschland Kriegshandlungen zu erwarten sein. Im Übrigen stehe die gesamte Europäische Union (EU) wie ein Mann hinter bestimmten islamischen Ländern, die ebenfalls menscherechtswidrigen Praktiken frönen, weil sie massenweise notleidenden afrikanischen Elendsgestalten das Betreten der „heiligen Erde“ Europas verwehren. Sie lassen sie im Mittelmeer ertrinken oder sperren sie in KZ-ähnlichen Lagern ein. Dafür werde Geld von der EU an diese Staaten bezahlt.

Die Diskussion mündete in der Frage, ob die große aufklärerische Idee des Menschenrechts theoretisch nur eine einzige Paradoxie sein könnte und praktisch zu nichts anderem nütze, als Gewalt zu rechtfertigen , die moderne Staaten zur Durchsetzung ihrer Zwecke nach innen und außen für angebracht halten. ++ (mr/mgn/17.01.13 – 012)

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