Archive für Beiträge mit Schlagwort: Monika Grütters

Berlin, 8. März 2015 (ADN). „Die Zerstörung der Jahrtausende alten Stadt Nimrud durch die Terrormiliz ‚Islamischer Staat‘ im Norden des Irak hat weltweit Entsetzen ausgelöst“. So heißt es in der Wochenendausgabe der „Leipziger Volkszeitung“ auf Seite 1. Ähnlich klingen die Formulierungen in anderen Medien der sich gerne als zivilisierte Welt deklarierenden Erdsphäre. Der heuchlerische Aufschrei, der auch aus Quellen vieler Regierungen kommt, hat einen schalen Geschmack, denn auch in Europa – speziell in der Bundesrepublik Deutschland – wird erheblicher Kulturfrevel praktiziert. Unter dem Deckmantel der Unwirtschaftlichkeit werden nicht nur Tausende Wohnungen einfach abgerissen, obwohl sie gerade jetzt bequem den anschwellenden Strom der Flüchtlinge aufnehmen könnten. Im sogenannten Programm „Stadtumbau Ost“ in den neuen Bundesländer wurden bislang 260.000 Wohnungen sogar mit milliardenschweren Finanzhilfen aus Bundes- und Landeskassen liqudiert. Vernichtet wurden auch wertvolle und einmalige Kulturbauten. Dazu zählt das einzigartige Architektur-Ensemble „Galerie M“ in Berlin. Sehenden Auges der Offiziellen und mit deren Duldung verschwand das bauliche Kleinod in einer regelrechten Nacht-und-Nebel-Aktion. Bürgerproteste gegen den „Rückbau“ der modernen und attraktiven Ausstellungs-, Konzert- und Veranstaltungshalle wurden ignoriert. Auch direkt an die Kulturbeauftragte der Bundesregierung, Monika Grütters, die selbst noch dazu in der Nachbarschaft des vor einem Jahr eilends abgerissenen Gebäudes lebt und wohnt, und ihren Amtsvorgänger Bernd Neumann gerichtete Beschwerden verhallten ohne Konsequenz. Insofern vollzieht sich die vom Altertumswissenschaftler Jan Asmann von der Universität Konstanz als Ikonoklasmus und zerstörtes kulturelles Gedächtnis bezeichnete Vernichtung von Kulturbauten auch in Europa, allerdings unwidersprochen und ohne Reaktion der Verantwortlichen. ++ (ku/mgn/08.03.15 – 59)

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Berlin, 10. Januar 2014 (ADN). Berlin, Deutschland und die Welt stehen unmittelbar vor einer kaum vergleichbaren kulturellen Schandtat. Das erklärte der Komponist und Begründer des musikkünstlerischen Verbundes „die neue brücke“, Kurt Dietmar Richter, am Freitag in Berlin vor der Presse. Der unmittelbar bevorstehende Abriss eines einmaligen architektonischen Kleinods im Ostberliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf, das sich vor allem für Bilderausstellungen und Musikaufführungen eignet, verdeutliche den ganz im Stillen verlaufenden kulturellen Verfall in den städtischen Siedlungen. Derartige Vorgänge vollziehen sich landesweit zigfach. Sie stellen eine Totalkapitulation vor angeblich wirtschaftlichen Zwängen dar. Richter ging damit auf Formulierungen des verantwortlichen Vorsitzenden der Wohnungsbaugesellschaft DEGEWO, Frank Bielka, ein. Dieser hatte dem Komponisten in einem Mitte des vergangenen Jahres verfassten Brief mitgeteilt: „Wir müssen als degewo also mit einem Bestandsgebäude umgehen, welches schon früher im laufenden Betrieb nur durch erhebliche Subventionen zu erhalten und zu betreiben war. Eine Verbesserung der Einnahmesituation unter Nutzung als Galerie – und auch sonst – war nicht möglich. Sie werden sicher verstehen, dass wir uns vor diesem Hintergrund anderweitigen Überlegungen für den Standort nicht verschließen können.“

Ungeahnte Hinhalte-Techniken wurden und werden praktiziert, um das Vernichtungswerk besonders in dem Zeitraum allgemeiner Besinnlichkeit zwischen „Stiller, heiliger Nacht“ und knallenden Silvesterböllern mit möglichst geringem öffentlichen Aufsehen vonstatten gehen zu lassen. So ist ein per Post aufgegebener Antwortbrief der DEGEWO vom 30. Dezember 2013 auf ein Schreiben des gegen den Abriss der beim deutschen Kulturrat als gefährdetes Denkmal registrierten Kunststätte aufbegehrenden Aktionsbündnisses „MP13“ bis heute, den zehnten Tag des neuen Jahres 2014, noch nicht angekommen. Er wurde erst gestern nach mehrmaliger Nachfrage im Anhang einer e-mail dem Adressaten zugestellt.

Keine Reaktionen zu dem Kulturfrevel liegen bislang von der vor drei Wochen zur Kulturstaatsministerin des Bundes ernannten Monika Grütters vor. Sie ist zudem Abgeordnete des Deutschen Bundestages und vertritt den Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf für die Christlich Demokratische Union (CDU). Unterstützung findet das Aktionsbündnis „MP13“ jedoch von der linksorientierten Bundestags-Vizepräsidentin, Petra Pau, die ebenfalls Abgeordnete von Marzahn-Hellersdorf ist.

Kritische Beobachter vergleichen das obskure Geschehen in der größten Neubausiedlung Europas, das sich inmitten einer sich Zivilgesellschaft nenenden,, kulturell gesitteten Welt abspielt, inzwischen mit der Vernichtung von zwei überlebensgroßen Buddha-Statuen in Afghanistan vor rund zehn Jahren. Damals hatten Taliban-Terroristen unter lautstarken Protesten aus aller Welt – insbesondere aus Deutschland – die beiden 28 und 55 Meter hohen Steinfiguren zunächst zerschossen und letztlich gesprengt. ++ (ku/mgn/10.01.14 – 010)

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