Archive für Beiträge mit Schlagwort: Nikolaiviertel

Berlin, 12. Januar 2015 (ADN). Seit genau 500 Jahren besitzt die Sozietät Tiefwerder-Pichelsdorf Fischereirechte auf Spree und Havel zwischen der Mühlendammschleuse am Nikolaiviertel in Berlin-Mitte und der Stadt Brandenburg/Havel. Über dieses ungewöhnlich seltene Firmenjubiläum einer Wirtschaftsvereinigung berichtet die Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ am Montag. Das Jubiläum zu feiern, was am Vortag im Gotischen Saal der Zitadelle Spandau ausgiebig geschah, war aufgrund unverwüstlicher  juristischer und ökonomischer  Fundamente möglich. „Dass die Berliner Havelfischer bis heute ihrem Handwerk nachgehen können, verdanken sie Kurfürst Joachim I., der 1515 seinen ‚fleißigen Kietzern vor dem Sloss su Spandau“ die Fischereirechte verlieh. Das Dokument befindet sich bis heute im Besitz der Fischersozietät“, schreibt die Zeitung. Sogar eine durch die napoleonischen Truppen erzwungene Umsiedlung  1813 von Spandau nach Tiefwerder nahe der heutigen Heerstraße überlebte die wirtschaftliche Solidargemeinschaft. Sämtliche Fischerfamilien waren betroffen. Dort lebt auch Rainer Oelhardt, der gegenwärtige Vorsitzende der Sozietät. Er ist bestens vertraut mit den komplizierten regionalen Fischereirechten. Sie gehören seit Generationen nur bestimmten Familien oder Erbengemeinschaften und dürfen nur von diesen intern weitergegeben werden.  „Niemand kann sich neu einkaufen“, wird Oelhardt zitiert. Bei der Sozietät gebe es 42 solcher Inhaber. Einer von ihnen ist Berufsfischer Jürgen Vaupel. Er will so lange weiter arbeiten, so lange es seine Gesundheit zulässt. Das dürfte auch für die gesamte Fischereisozietät im übertragenen Sinne gelten. Das Festhalten an den stabilen rechtlichen Prinzipien bietet eine gute und realistische Chance für die Fortexistenz dieses Unternehmens in der zweiten Jahrtausend-Hälfte. Dafür sorgen auch 3, 5 Millionen junge Aale, die seit dem Jahr 2005 unter Mitwirkung der uralten, aber quicklebendigen Fischereisozietät in der Berliner Havel ausgesetzt worden sind.  ++ (ge/mgn/12.01.15 -12)

http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

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Berlin, 27. Oktober 2012 (ADN). Berlin feiert an diesem Wochenende sein 775. Gründungsjubiläum. Verglichen mit dem 750. Jubelfest vor 25 Jahren fallen die Feierlichkeiten äußerst bescheiden aus. Damals – in der politisch in Ost und West zweigeteilten  Metropole gab es im Übrigen zwei große Jubiläumsfeiern, die streng voneinander separiert vorbereitet, umgesetzt und massiv propangandistisch untermalt wurden. Jedes der beiden Systeme – Planwirtschaft und Marktwirtschaft – wollte angesichts der brisanten politischen Lage das jeweils andere an Größe, Glanz und Zukunftsfähigkeit übertreffen.

Der damalige Wettstreit ging weitgehend Patt aus. Keine der beiden Seiten wurde mattgesetzt. Nur ab und zu neigte sich die Waage der letztlich global zu nennenden Konkurrenz zwischen Ost und West mal der einen, mal der anderen Partei zu.

Hinzuzufügen ist, dass fast alle ehrgeizigen Vorhaben, um das Fest würdig zu begehen, „fristgerecht und in guter Qualität fertiggestellt wurden.“ So lauteten damals die gängigen Floskeln in der Berichterstattung. Höhepunkt im historischen Kern der Stadt im Ostteil war die feierliche Krönung der altehrwürdigen sanierten Nikolaikirche als Symbol des damals 750jährigen Berlin. Im Angesicht des ehemaligen Dachdeckers und Staatschefs Erich Honecker setzte sein noch aktiver Berufskollege Fritz Lückert aus der hintersten und im westlichsten Landesteil der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gelegenen thüringischen Rhön die goldene Wetterfahne auf die Kirchtumspitze. Auch die Dachstühle der beiden Kirchtürme waren dort – in der Produktionsgenossenschaft „Oechsetal“ Völkershausen/Rhön – gebaut, nach Berlin befördert und dort auf das Mauerwerk gesetzt worden. Die Planwirtschaft funktionierte diesbezüglich wie am Schnürchen. Pünktlichkeit war ein zuverlässiger Wert – auch im sogenannten Sozialismus.

Das heutige Jubiläum bietet verglichen mit dem vor einem Vierteljahrhundert einen jämmerlichen Anblick. Genau vor einem Jahr hätte der neue Berliner Großflughafen BER eröffnet werden sollen. Inzwischen hat sich Termin mehrfach verschoben. Nun sehen die Berliner der Inbetriebnahme in genau einem Jahr entgegen. Sie tun es nicht mehr mit Zittern und Bangen, sondern mit Spott, Häme und Wut, denn die unglaubliche, inzwischen weltweit bekannte Skandalgeschichte um den Neubau des Luftkreiuzes scheint eine unendliche zu sein.  Der vor 20 Jahren verstorbene Namensgeber Willy Brandt hat sich gewiss bereits mehrfach im Grabe umgedreht, weil die Umstände des nach ihm benannten Bauprojekts all seinen Prinzipien zu widersprechen scheinen. Vielleicht hätte das gigantische Vorhaben mit vielen kleinen Genossenschaften errichtet werden sollen, anstatt damit große Konzerne und deren Manager zu beauftragen.  Insofern hat  die DDR-Planwirtschaft der angeblich so überlegenen Marktwirtschaft noch nachträglich ein dickes Bein gestellt. Dieser – in der Fußballersprache – Blutgrätsche genannte Bumerang verlangt nach einem Elfmeterpfiff – beispielsweise gegen den Mitspieler in Person des Regierenden Bürgermeisters und BER-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit.  An ihn wäre die Gewissensfrage zu stellen, wohin nicht die Millionen-, sondern die Milliarden-Summen, die eigentlich den Bürgern gehören, letztlich geflossen sind.  Aber wer soll dieses Signal in der pluralen auf Individualität getrimmten und korruptiopnsanfälligen Ellenbogengesellschaft überhaupt noch hören ? 

Der eigentliche Unterschied zwischen Plan- und Marktwirtschaft ist bei dem inzwischen ebenfalls fast 25 Jahre währenden Staatstheater von deutscher Wiedervereinigung, Europäischer Union und anderer zweckbestimmter Illusionismen nicht mehr erkennbar.  Die Menschen lassen sich weder vom Sandmännchen Ost noch vom Sandmännchen West immer seltener Sand in die Augen streuen. Mentaler Depression dürfte bald mehr als sanfte Rebellion  folgen ++ (wi/mgn/27.10.12 – 306)

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