Archive für Beiträge mit Schlagwort: Pfingsten

Athen/München/Moskau, 8. April 2015 (ADN). Die zu Ostern von Griechenlands Vizefinanzminister Dimitris Mardas ausgelöste Reparationslawine rollt inzwischen auf vollen Touren. Sie hat ihre rasant wachsende Geschwindigkeit durch eine Zahl verliehen bekommen, die Mardas am Ende des christlichen Auferstehungsfestes im griechischen Abgeordnetenhaus erstmals verkündet hat: 278, 7 Milliarden Euro. Seitdem rauscht die gewaltige, penibel von einem Parlamentsausschuss, jedoch frei nach Archimedes und der allerorten seit Menschengedenken praktizierten Zinses-Zins-Rechnung  ermittelten Summe machtvoll durch den bundesdeutschen Blätterwald und löst einen „Aufstand der Geschichte“ aus, wie am Mittwoch die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) schreibt. Alte Schuld, die nicht recht gesühnt wurde, schaffe neue Probleme und belaste auch die Gegenwart anderer Völker. „Türken und Armenier entzweit der Völkermord, dem einst so viele Armenier zum Opfer fielen. Serben, Kroaten, Bosnier oder Kosovaren sehen sich wechselseitig als Opfer von Mord und Vertreibung. Nationen des Südens werfen dem Norden bis heute Kolonialismus und Sklaverei vor. Geschichte kann die Gegenwart überwältigen und die Zukunft gefährden. Auch deshalb müssen sich die Nationen ihr stellen, auch wenn sie sich nicht wiederholt. Deutschland hat sich vielen Entschädigungsforderungen aus Ländern, die einst vom Dritten Reich geschunden wurden, juristisch geschickt entzogen. Früher argumentierten die Bundesregierungen, Kriegsreparationen könnten erst in einem künftigen Friedensvertrag abschließend geregelt werden“, heißt es in der SZ. Doch nach dem Ende des Kalten Krieges habe sich die Geschichte zurückgemeldet und Deutschland sich dem Drängen erneut widersetzt. Das Argument laute nunmehr, der Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 sehe keine Reparationen mehr vor. Eine Zwangsanleihe, die Griechenland nun wieder zurück haben will, sei gar kein echter Kredit gewesen.

Solches Umhergeeiere und die gespielte Empörung seitens der bundesdeutschen Politik zeigt, dass dieser angeblich bislang unbekannte 278-Milliarden-Euro-Eisberg in Wirklichkeit nur ein Hügel ist, wenn die bislang permanent ein Viertel Jahrhundert lang bewusst ausgeblendeten Konsequenzen einbezogen werden. Den Zweiten Weltkrieg haben nämlich nicht nur vier Siegermächte gewonnen, sondern rund 50 weitere Staaten. Sie saßen im Jahre 1990 nicht mit am Verhandlungstisch und werden sich – wie die Griechen – nun auch näher mit ihren dem Weltkrieg entspringenden Entschädigungsansprüchen befassen. Reparationsfragen werden generell in Friedensverträgen geklärt. Im Zwei-plus-Vier-Vertrag steht davon kein Sterbenswort. Schon deshalb ist er kein Friedensvertrag. Zu seinem 25-Jahres-Jubiläum im September dürften den damaligen sechs Vertragspartnern eine Unmenge offener Rechnungen aus der ganzen Welt ins Haus flattern. Vielleicht sollten deshalb insbesondere die Deutschen den Griechen dankbar dafür sein, dass sie nun diesen Stein ins Rollen bringen und mit den Hauptsiegermächten auch darüber Sondierungsgespräche führen. Gewiss hat das Finanzminister Yanis Varoufakis kürzlich in Washington getan und Premier Alexis Tsipras tut es jetzt in Moskau. Die in Athen herausgegebene „Griechenland Zeitung“ von heute beklagt den „leeren Gabentisch“, auf den die Griechen zum bevorstehenden orthodoxen Osterfest blicken werden. Es wäre zu wünschen, wenn in 50 Tagen zum christlichen Pfingstfest, an dem alljährlich der „Heilige Geist“ über der Welt ausgegossen wird, die notwendigen völkerrechtlichen Erkenntnisse die Politiker-Hirne erreicht und erhellt haben. Um das über Jahrzehnte hinweg auf unverantwortliche Weise Versäumte endlich abzuarbeiten, ist die Zeit reifer denn je. ++ (vk/mgn/08.04.15 – 79)

http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

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Leipzig/Nürnberg, 24.Dezember 2011 (ADN). Dem deutschen Arbeitsmarkt wird eine neue Blüte verkündet. Das Berufsbild Weihnachtsmann lässt beispielsweise die Herzen in dem Jobcenter Leipzig – dem größten in Ostdeutschland – höher schlagen. Jubelnd verkündete bereits Anfang November Pressesprecher Hermann Leistner die frohe Botschaft, dass täglich die Telefone in der Jobvermittlung Leipzig klingeln. „Jeder fragt nach dem bärtigen Alten und möchte sich seinen Besuch am 24. Dezember sichern. Inzwischen haben wir 66 Buchungen von Familien für den Heiligabend und 6 Bestellungen durch Kitas in der Adventszeit“, gab Leistner sieben Wochen vor dem Fest bekannt. Die endgültigen Zahlen liegen zwar noch nicht vor, jedoch werden mit Sicherheit neue Beschäftigungssrekorde erreicht. Bereits im vergangenen Jahr schossen die Arbeitsverhältnisse in die Höhe. 433 Nikoläuse und Weihnachtsmänner wurden eingestellt. Die meisten Buchungen gab es von Familien für Heiligabend. Da sprinteten 49 Weihnachtsmänner zu 402 Bescherungen. In der vorangegangenen Adventszeit kamen Nikolaus und Weihnachtsmann bei  31 Weihnachtsfeiern in Firmen und Kitas zum Einsatz, so die offizielle Pressemitteilung der Leipziger Arbeitsagentur.

Inzwischen spielt sich dieses Jobwunder bundesweit ab. In Niedersachsen und Bremen bieten acht von 22 Arbeitsagenturen die weihnachtliche Beschäftigung an. Im hessischen Kassel steht die Jubelmeldung unter der Überschrift „Traumjob vom Weihnachtsmann“.

Dass die neuentdeckte Beschäftigung tatsächlich mit Niedriglöhnen entgolten wird, erfährt man nur am Rande. Pro Auftritt gibt es 25 bis 30 Euro in Leipzig und weiteren ostdeutschen Regionen. Im Hannover, Göttingen und andernorts in Westdeutschland werden zwischen 30 und 50 Euro gezahlt. Also das übliche West-Ost-Gefälle. Dass es harte Arbeit mit Bart und Mütze ist, vor den Kindern aufzutreten, erfährt man von Stefan Grob.  „Ich war noch nie so platt in meinem Leben als nach einem Tag als Weihnachtsmann.“ Er hatte zu seinen aktiven Zeiten als Knecht Ruprecht an einem Tag bis zu 20 Familien beglückt.

Die Bundesagentur für Arbeit betreibt die Vermittlung von Weihnachtsmänner inzwischen systematisch. Anja Huth aus der Nürnberger Zentrale erklärte gegenüber dem „Nordbayrischen Kurier“, dass die Arbeitsagentur die Anfragen entgegennimmt und die Bewerber betreut.  Wenn sich also das Berufsbild Weihnachtsmann weiter erfolgreich verfestigt  und dieses Beschäftigungsmodell flächendeckend eingesetzt wird, dürfte es nicht unwahrscheinlich sein, dass andere saisonale Dienstleistungen solcherart etabliebt werden. Denkbar ist im Frühjahr zu Ostern der Job als Osterhase und im Sommer der als Pfingstengel. Eventuell wird schon an den Tätigkeitsmerkmalen in der Arbeitsagentur gebastelt, um die Berufe Weihnachtsmann, Osterhasse und Pfingstengel in einer durchgängigen unbefristeten Arbeitsplatz münden und von den Industrie- und Handelskammer als Ausbildungsberuf zertifizieren zu lassen. Der Berufsname könnte dann gestreng der Chronologie des Kirchenjahres „WeihOstPfing“ heißen.

Dem deutschen Michel ist alles zuzutrauen, vor allem dann, wenn ihm seine Schlaf- und Zipfelmütze nach vorne gefallen ist und ihm jedweden Blick in die Wirklichkeit versperrt. ++ (ar/mgn/24.12.11 – 41)