Archive für Beiträge mit Schlagwort: Presse

Leipzig, 13. Dezember 2012 (ADN). Fast zwei Dutzend Jahre nach der politischen Zeitenwende in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR)  ist das Bild der Ostdeutschen in den überregionalen Zeitungen zumeist negativ geprägt.  Diesen Schluss zieht ein Forscherteam der Universität Leipzig unter der Leitung von Politikprofessorin Rebecca Pates. Wie die Hochschule am Donnerstag mitteilte, haben die Wissenschaftler vier Jahre lang die mediale Darstellung der Ostdeutschen analysiert, um zu diesem Ergebnis zu kommen. Die Erkenntnisse haben Eingang in ein Buch gefunden, das unter dem Titel „Der ‚Ossi‘. Mikropolitische Studien über einen symbolischen Ausländer“ nunmehr im Handel ist. 

Zu der Untersuchung wurden vorwiegend renommierte überregionale Zeitungen und Magazine aus den Jahren 2001 bis 2005 herangezogen. Nach der Studie sind die Ostdeutschen ihren westdeutschen Pendents in nahezu allen Bereichen unterlegen. Der Ostdeutsche verkrafte zwar Umbrüche gut, sei jedoch ansonsten nicht zeitgemäß und häufig von strukturellen Problemen betroffen.  Allerdings komme er als Hartz-IV-Empfänger mit seiner Situation gut klar und verkörpere somit ein Vorbild für den „nmormalen“ Deutschen.  Nach den Worten der britischen Politologin ist der „Ossi“ damit eine ausgegrenzte Gruppe im eigenen Land.

Die untersuchten Medien hätten häufig über Ostsachsen geschrieben, wo rechtsgerichtete Parteien besonders oft gewählt werden. Unbeachtet blieb dabei, dass in Teilen Hessens und in Ostbayern das Wahlverhalten nicht anders ist. Jedoch werde das nicht in den Blickpunkt gerückt. „Der Rechtsradikalismus wird beispielsweise als ostdeutsches Erziehungsproblem dargestellt“, erklärte Pates. Desweiteren würden Frauen in Ostdeutschland in der Presse als „gebärstreikend“ beschrieben, obwohl nach den Statistiken ostdeutsche Frauen in Wirklichkeit mehr Kinder bekommen als ihre westdeutschen Geschlechtsgenossinnen.  ++ (pl/mgn/13.12.12 – 353)

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Athen/Zürich, 4. November 2012 (ADN).  Der kritische Journalismus in Griechenland wird von den reichen Oberschichten des Landes und deren Handlangern aufs Korn genommen. Die Fälle gravierender Repressalien gegen Reporter aus Presse, Funk und Fernsehen häufen sich auffällig. Einige der jüngsten und Aufsehen erregendsten zählt die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) in ihrer aktuellen Wochenendausgabe auf.  So wurde der Journalist und Herausgeber Kostas Vaxevanis in der zu Ende gehenden Woche im Landgericht Athen wegen Verletzung von Datenschutzregeln angeklagt. Er hatte eine Liste reicher Griechen veröffentlicht, die Bank-Konten in der Schweiz unterhalten.  Die Aufzählung von rund 2.000  Namen könnte Hinweise auf Steuersünder geben, denen die griechischen Behörden bislang nicht nachgegangen sein soll. Der 46jährige Vaxevanis hatte zu seiner Verteidigung eine breite Phalanx von Zeugen und Argumenten auf seiner Seite. So hatte der Präsident der Internationalen Journalistenföderation ausgesagt, dass das Gemeinwohl den Angeklagten geradezu verpflichtet habe, die Liste zu veröffentlichen. Vaxevakis wurde letztlich freigesprochen.

Vaxevanis, der lediglich Namen und Beruf, nicht aber die Konto-Stände in seinem Magazin „HotDoc“ aufgelistet hatte, verwies in dem Verfahren auf die politische Dimension des Verfahrens. Im Übrigen brachte er zu seiner Entlastung vor, dass die größte griechische Tageszeitung „Ta Nea“ kürzlich ebenfalls eine Liste mit Namen und Konto-Daten abgedruckt hat. Gegen diese Publikation, die vorwiegend Daten von Künstlern enthielt, sei jedoch keinerlei Strafverfolgung eingeleitet worden. 

Die Verhaftung des Journalisten und die damit verbundene mediale Breitenwirkung könnte nach Auffassung der Athener NZZ -Korrespondentin Elisa Hübel „tatsächlich etwas Licht in den Knäuel aus Klientelwirtschaft und Bürokratie bringen.“ Filz und Intransparenz gelten als eine der Hauptursachen für die desaströse Lage im Lande. Verwiesen wird auf erste positive Signale. So habe inzwischen ein Parlamentsausschuss entschieden, die Konten des Politikers Giorgos Voulgarakis und dessen Ehefrau zu überprüfen. Er hatte zwischen 2004 und 2008 mehrere Ministerposten inne. „Seine Frau war als Notarin in eine Immobilienaffäre verwickelt, die ein Kloster auf dem Heiligen Berg Athos betrifft“, schreibt Hübel. Die Namen des Paars stehen auch in der von Vaxevanis veröffentlichten Datei.

Der Beitrag verweist auf sich mehrende Anzeichen, „dass kritische Journalisten an die Kandarre genommen werden.“ So seien in dieser Woche zwei bekannte Journalisten des staatlichen Fernsehsenders NET entlassen worden.  Sie hatten kritisch über den Bürgerschutzminister berichtet. Kürzlich habe auch der Chef der staatlichen Nachrichtenagentur ANA  seinen Arbeisplatz räumen müssen. ++ (md/mgn/04.11.12 – 214)

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Bonn, 18. September 2012 (ADN). Ungeachtet jedes weiteren technischen Fortschritts wird es Leute geben, die etwas vertuschen wollen, und andere die dies aufzudecken versuchen. Mit einer solchen salomonischen Klausel versprüht der Medienjournalist Frederik Pleitgen unverhohlenen Optimismus über die künftige Entwicklung seiner Branche. In einem Bericht des Fernsehsenders „Phoenix“ am heutigen Dienstag über Perspektiven des Journalismus angesichts der scheinbar ins Unermessliche wachsenden Überlegenheit des Internets gegenüber der konventionellen Tätigkeit von Presse, Funk und Fernsehen wies der Medienmann von CNN International auf die zunehmende Rolle des sogenannten Bürgerjournalismus hin. In Gestalt privater Blogger habe dieser im „arabischen Frühling“ schneller und besser informiert als die Geheimdienste. Dennoch sei gute Recherche das A und O und zeichne einen erfolgreichen Profi-Journalisten aus. Das verschaffe dem Reporter, dessen Berufsbild sich enorm wandelt, entscheidende Vorteile in Sachen Kommunikation. Bildhaft wurde ein Vergleich zu Spitzenköchen gezogen, die ihren Beruf hervorragend in Hotels unmd Restaurants ausüben, obwohl in jedem normal funtionierenden Haushalt tagtäglich Millionen von Hobby-Köchen am Werke sind.

Nach dem Urteil des Medienwissenschaftlers Gundolf Freyermuth steht Bürgerjournalismus nicht erst vor den Toren der modernen Informationsvermittlung, sondern habe sich bereits mit voller Breitseite in der Bericherstattung entfaltet. Zum umstrittenen Wahrheitsgehalt solcher Nachrichten bemerkt die Bloggerin Lisa Ben Mhenni aus Tunesien, dass sie selbst nur mit Leuten korrespondiert, die sie persönlich kennt und deren Aussagen Vertrauen auslösen. Sie zeigte sich gewiss, dass der Syrien-Krieg von Cyber-Aktivisten gewonnen wird.   ++ (me/mgn/18.09.12 – 266)

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