Washington, 28. Januar 2012 (ADN). „Die Achsen-Idee ist gut. Aber er wollte es etwas bedrohlicher, etwas düsterer, also machte er aus der Achse des Hasses eine Achse des Bösen und hat sicher auch an Ronald Reagan gedacht, an seinen Spruch – das war 1983 – von der Sowjetunion als Reich des Bösen.“ So schilderte der langjährige USA-Hörfunkkorrepondent Siegfried Buschschlüter  einen Moment der Entstehungsgeschichte der entscheidenden, vor rund zehn Jahren von USA-Präsident Georg Bush gehaltenen Rede. Sie war Ausgangspunkt für ein reich mit Kriegsereignissen erfülltes Jahrzehnt.

Einer von Bushs Redenschreiber, David Frum, hatte nach historischen Präzedenzfällen gesucht und sich in den Begriff der Achsenmächte aus dem Zeiten Weltkrieg verbissen. Gemeint war das Militärbündnis Berlin-Rom-Tokio, das als unberechenbar und Gefahr für den Weltfrieden galt. Auf die Konstellation der als Schurkenstaaten bezeichneten Länder – namentlich Nordkorea, Iran und Irak – anspielend übertrugen Frum und sein Mitautor Michael Gerson diese Begrifflichkeiten auf die seinerzeitige Situation und  verwoben sie miteinander, um zusätzlich Dramatik zu erzeugen. So wurde aus der Achse des Hasses die des Bösen: Das traf ins Schwarze der von George Bush sehr gerne verwendeten religiösen Sprachwelt. Begünstigt wurde dies dadurch, dass die beiden Redenschreiber selbst sehr religiös motiviert waren. Gerson beispielsweise hatte Theologie in Illinois an der Alma Mater studiert, an der bereits der bekannte Wanderprediger Billy Graham wirkte. Wie Bush betrachtete Gerson sich als evangelikaler Christ.

Letztlich sahen diese geistigen Urheber in und Brandstifter in dem Krieg gegen den Irak einen göttlichen Auftrag mit der Kernbotschaft: Freiheit ist nicht Amerikas Geschenk an die Welt, sondern Gottes Geschenk an jeden Menschen in der Welt. Die Mission von Bush sei es nur, diese göttliche Gabe an die Adressaten zu überbringen. Als USA-Präsident, der nicht zufällig ins Weße Haus gekommen sei, fühlte sich Bush dazu berufen, erläuterte Buschschlüter am Freitag im Deutschlandfunk. De facto war es also ein moderner Kreuzzug.

Nachlesbar ist diese Genesis in Frums Buch „The right Man – die überraschende Präsidentschaft des George W. Bush“.  Frum schildert darin, wie er den Auftrag bekommen hat, mit kurzen Sätzen in einigen Wörtern darzulegen, wie man einen Krieg gegen den Irak rechtfertigen kann. ++ (ap/mgn/28.01.12 – 28)