Archive für Beiträge mit Schlagwort: Regierung

Zürich, 26. Januar 2014 (ADN). Die National Security Agency (NSA) behauptet, zuerst einen Heuhaufen ansammeln zu müssen, um dann darin eine Stecknadel zu finden. Daraus erwächst der Verdacht, dass sie angesichts der schieren Masse des gespeicherten Materials nur digitale Friedhöfe anlegt. Darauf weist die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) in ihrer Wochenendausgabe hin. Dies erscheine umso plausibler, wenn man bedenkt, dass die Informationen der NSA nicht die einzigen sind, die auf Analytiker und Entscheidungsträger einprasseln. So lieferten Drohnen derart viele Videos, dass nur ein Bruchteil ausgewertet werden kann.

Die NZZ zitiert den ehemaligen Verteidigungsminister Donald Ramsfield mit sehr spitzen Anmerkungen: Die Geheimdienste produzierten sehr viel mehr Daten als nützliches Wissen. Aus Sicht des amerikanischen Steuerzahlers bestehe der eigentliche Skandal darin, dass mit gewaltigen Mitteln eine Bürokratie gemästet wird, deren Aufwand in zweifelhaftem Verhältnis zum Ertrag steht.

Die Schweizer Tageszeitung weist darauf hin, dass nicht die offiziellen Kontrolleure Druck auf die NSA machen, sondern die von Edward Snowden alimentierten Medien. So stehe Amerikas Sicherheitsapparat permanent am Pranger der Weltöffentlichkeit. „Dass jede Technologie ambivalent ist, nützt der sich einem nimmersatten Big Brother ausgeliefert fühlenden Bürgergesellschaft. Wenn auch Regierungen ihre Daten nicht mehr schützen können, eröffnen sich ganz neue Perspektiven für eine Kontrolle von unten“, schlussfolgert die NZZ. ++ (sp/mgn/26.01.14 – 026)

http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com

Athen, 10. November 2013 (ADN). „Die ERT war auf gar keinen Fall defizitär, das muss betont werden. Sie hat allein im ersten Halbjahr 2013 55 Millionen Euro Gewinn gemacht. Die Privatsender sind die großen Schuldner. Sie haben seit ihrer Gründung vor bald 25 Jahren niemals korrekt für ihre Sendelizenzen bezahlt. Wieviel dem Staat bisher dadurch entgangen ist, kann nur gemutmaßt werden. Schätzungen sprechen aber von einer Summe zwischen 500 Millionen und zwei Milliarden Euro.“

Mit diesen Sätzen entlarvt Giorgios Pleios, Leiter des Instituts für Medienwissenschaft an der Athener Universität, am Wochenende in der Hörfunksendung „Markt und Medien“ genau umgekehrt lautende Behauptungen der griechischen Regierung. Nach deren Auffassung sei der Staatsrundfunk ERT nicht nur ein Sündenpfuhl und ein Hort der Günstlingswirtschaft, sondern auch ein mit hohen Defiziten belastetes Zentrum der Verschwendung. Mittels solcher Scheinargumente finden die Athener Machthaber den Vorwand, den Sender im Sommer zu schließen und nun zu räumen. Dagegen protestiert die Bevölkerung lautstark. Mit derartigen Repressionen solle offensichtlich die neugewonnene unabhängige, erfrischende und kritische Berichterstattung der ERT unterdrückt und gekappt werden. Der griechische Staatsrundfunk hatte sich von der bisherigen politischen Gängelung befreit und die Aufgabe übernommen, die ein wirklich öffentlich-rechtlicher Sender zu erfüllen hat, meinen die Bürger. Sie prophezeien: diese Entwicklungen werden auf ganz Europa übergreifen. ++ (me/mgn/10.11.13 – 308)

http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com

Thessaloniki, 4. Mai 2012 (ADN). „boro choris euro – Ich kann ohne Euro“. Das prangt auf einem Plakat über einem Laden in Griechenlands zweitgrößter Stadt Thessaloniki. Autor des Leitsatzes ist der Religionslehrer und Philosoph Michael Panagiodidis samt seiner Freunde. Sie wollen sich und ihre Landsleute dazu anspornen, die Eurozone freiwillig zu verlassen. Nach ihrer Ansicht müssen die Griechen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und die Gesellschaft von unten reformieren. Dazu haben sie den Euro durch den Koino als Zahlungsmittel ersetzt. Darüber berichtet die „Berliner Zeitung“ in ihrer Ausgabe dieses Wochenenmdes.

Der Koino ist soziales Geld. .Er ist eine virtuelle Währung und verkörpert ein bestimmtes Quantum gesellschaftlicher Leistung. Münzen und Scheine in Koino gibt es nicht. Dennoch vermittelt er den Austausch von Waren und Service-Leistungen, deren Kauf und Verkauf.

Die neue virtuelle Währung wurde erst im Februar dieses Jahres eingeführt, teilt die Berliner Tageszeitung weiter mit. Genutzt werde sie inzwischen von 120 Leuten. Die finanziellen Transaktionen laufen über das Internet. Spekulationen und Überschuldungen wird vorgebeugt, indem ein siebenköpfiges Gremium Zahlungen und Konten überwacht. Inzwischen gibt es in Griechenland über ein Dutzend ähnlicher Tauschbörsen, bei denen beispielsweise eine Jacke im Werte von 50 Koino eingetauscht wird gegen die Dienste eines Nachhilfelehrers für zehn Unterrichtsstunden. Mit denen kann dieser in einer Autowerkstatt die Bremsbeläge seines Wagens auswechseln lassen.

Ziel von Panagiodidis ist es, dass die Mitglieder der Koino-Gesellschaft mindestens 30 Prozent ihrer Geschäfte in diesem neuartigen Finanrahmen abwickeln. Nach seiner Meinung führt das dazu, dass letztlich keine zentrale Macht, keine Regierung und kein Parlament mehr nötig sind. ++ (wi/mgn/05.05.12 – 133)