Archive für Beiträge mit Schlagwort: SED-Diktatur

Weimar,/Jena 1. Dezember 2012 (ADN) Von der in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) verrichteten Zwangsarbeit profitierte nicht nur der schwedische Einrichtungkonzern IKEA, sondern vor allem zahlreiche Konzerne und Wirtschaftsunternehmen in der Bundesrepublik Deutschland (BRD). Diese Vermutung wird in rasendem Tempo zur Gewissheit, je näher sich Analytiker mit der brisanten Thematik befassen.  Wie die in Weimar herausgegebene „Thüringische Landeszeitung“ in ihrer aktuellen Sonnabendausgabe unter der Überschrift „Aufklärung bei Zwangsarbeit“ berichtet,  waren vor allem auch politische Häftlinge der DDR-Zwangasarbeit für Westfirmen unterworfen.  Diese Gefangenen wurde zu körperlicher Schwerstarbeit gezwungen. Der Generalsekretär der Freien Demokratischen Partei (FDP) in Thüringen, Patrick Kurth,  hat nach dem Bericht der Weimarer Zeitung angekündigt,  dies schon bald unter Teilnahme zahlreicher Opfer zu debattieren und zu thematisieren. „Es sei dabei nicht nur um wirtschaftliche Aspekte gegangen, etwa in dem für Westfirmen billig produziert wurde. Eine gewichtige Rolle habe auch Disziplinierung im Sinne des SED-Unrechtsstaates und Demütigung der Inhaftierten gespielt.“

Nach den Worten von Kurth ist die Tatsache, dass heuzutage nur wenige um diese Zwangsarbeit wissen, auf das intensive Bemühen der Verantwortlichen in der DDR zurückzuführen, den systematischen Einsatz von Zwangasarbeitern zu verschleiern. Außerdem gebe es wenig Forschung. Klar sei im Übrigen, die Mitverantwortung des Westens beleuchtet zu müssen.

Die „überraschenden“ Neuigkeiten wurden auf einer Anhörung der FDP-Bundestagsfraktion am Vortag offenbar.  Dabei informierte der Chef  der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, dass seiner Institution entsprechende Überprüfungs-Anträge von westdeutschen Firmen und Handelsketten vorliegen. „Wir stochern noch im Nebel“, wird Jahn zitiert, der eine umfassende Aufarbeitung einfordert. Erst dann könne über eine Opferentschädigung nachgedacht werden.  Nach Aussage der Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anna Kaminsky, gibt es lediglich drei Dissertationen zu dem Thema.  Die Arbeit müsse vom Bund unter Beteiligung der Unternehmen gefördert werden.   ++ (so/mgn/01.12.12 – 341)

http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com

Berlin, 26. Januar 2012 (ADN). Von Diktaturen beherrschte Länder brauchen nach dem Ende der Alleinherrschaft 14 Jahre Zeit, um einen spürbaren Wertewandel durch eine neue Generation zu erleben. Das erklärte Dr. Thomas Petersen vom Institut für Demoskopie Allensbach am Donnerstagabend in Berlin. Er hatte dazu internationale Vergleiche aus Europa präsentiert. Daraus ging hervor, dass die Spanier nach der Franco-Diktatur 14 Jahre, die Westdeutschen 13 Jahre nach der Nazi-Diktatur und die Ostdeutschen ebenfalls 13 Jahre nach der SED-Diktatur benötigten. Die grundlegende Veränderung von Denk- und Gesinnungsmustern sei jeweils mit einem erheblichen Generationenkonflikt verbunden.  Dabei wurde in der Bundesrepublik Deutschland dieser Wertewandel erst im Jahre 1972 entdeckt, obwohl er bereits zehn Jahre zuvor  eingesetzt hatte.  Das Nazi-Schuldbewusstsein, das die Westdeutschen geprägt habe, sei den Ostdeutschen erspart geblieben.

Nach den Worten von Petersen, der auf die Gründung des Allensbacher Instituts im Jahre 1947 auf Betreiben der französischen Besatzungsregierung verwies, hat der größte Fehler nach der sogenannten Wende 1989/90 in dem Glauben bestanden, nicht für die Freiheit kämpfen zu müssen. Im Übrigen brauche ein Volk ein Jahrhundert Zeit, um  eine verhehrende Niederlage verarbeiten zu können.

Dem Vortrag in der Französischen Friedrichstadtkirche auf dem Berliner Gendarmenmarkt folgte eine Podiumsdikussion, an der die DDR-Oppositionelle und jetzige CDU-Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld sowie ihr Sohn Dr. Philipp Lengsfeld teilnahmen. Vera Lengsfeld hatte sich dabei des Vorwurfs eines Diskutanten zu erwehren, sie habe es nach ihrer Verhaftung durch die DDR-Staatsicherheitsbehörden im Januar 1988 vorgezogen, sich nach dem Westen zu einem angenehmen anderthalbjährigen Studium in England abschieben zu lassen, anstatt in der DDR zu bleiben. Kritisiert wurde auch ihr Wechsel von der Grünen Partei in die CDU, den auch ihr Sohn vollzog. Philipp Lengsfeld sieht in seinem politischen Grün-Schwarz-Farbenwechsel keinen Zusammenhang mit dem seiner Mutter. Er sei zeitlich verschoben und anders motiviert gewesen.

Auf der unter dem Titel „Wie entlässt die Revolution ihre Kinder ?“ stehenden Veranstaltung teilte Pfarrer Curt Stauss mit, dass er kürzlich mit einem katholischen Berufskollegen ein Institut für Diktaturfolgenberatung gegründet habe. Stauss fungiert zugleich als Beauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland für Seelsorge und Beratung von Opfern der SED-Kirchenpolitik. ++  (ki/mgn/26.01.12 – 26)