Archive für Beiträge mit Schlagwort: Staudamm

Rio de Janeiro, 15. Juni 2014 (ADN). Es wird zwar nicht mehr so viel über Befreiungstheologie gesprochen, aber es gibt sie nach wie vor. Auch wenn sie im Jargon der Kirche nicht mehr so oft auftaucht. Das bringt Erwin Kräutler, Bischof von Xingu, der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens, im Sender Deutschlandfunk Kultur am Wochenende zum Ausdruck. Der Papst sei zwar kein dezidierter und prononcierter Bekenner der Befreiungstheologie, aber er vertrete genau ihre Anliegen. Es gehe darum, mit den Leuten etwas gegen die Armut zu tun, nicht nur darauf hinzuweisen. Strukturen müssten angeprangert werden, die letztlich  für die Kluft zwischen Arm und Reich verantwortlich sind. Dazu gehöre das Dokument von Aparicido, in dem Menschen für überflüssig und zu Abfall erklärt werden. Die indigenen Völker würden als Wegwerfprodukte angesehen. Das sei physischer oder auch kultureller Tod.

Kräutler, der wegen seines Auftretens für die südamerikanischen Ureinwohner um sein Leben fürchten muss und unter Polizeischutz steht, stuft die Befreiungstheologie nicht als marxistisch ein, sondern als grundbiblisch. Sie habe zudem mit Volksfrömmigkeit zu tun. Der Bischof ist entschiedener Gegner des Staudammprojekts Belo Monte, das den ursprünglichen Siedlern die Existenz raubt und sie vertreibt. Es seien im Grunde europäische Firmen, die Turbinen für das Wasserbauvorhaben liefern und damit de facto bei der Ausbeutung in Brasilien mithelfen. ++ (re/mgn/15.06.14 – 165)

http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

 

Khartum/Berlin, 26. Juni 2012 (ADN). Nach Schätzungen sind vom Bau des Merowe-Staudamms im Norden Sudans rund 40.000 Personen betroffen. Sie werden umgesiedelt. Mit welchen menschenverachtenden Methoden dies geschieht, beklagt der jüngste Jahresbericht des Europäischen Zentrums für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR). Die in Berlin ansässige Organisation hat deshalb Anzeige gegen zwei leitende Angestellte des Ingenieurbüros Lahmayer International GmbH bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main erstattet. Das deutsche Bauunternehmen, in dessen Hand Bauplanung, Bauüberwachung und Kontrolle des Projekts – einem der größten Wasserkraft-Vorhaben Afrikas – liegt, hatte mit dem Bau des Staudamms begonnen, ohne dass vorher mit den davon betroffenen Menschen Vereinbarungen über ihr weiteres Schicksal getroffen worden waren. Dies schreiben jedoch internationale, mit der Weltbank abgestimmte Standards vor. Die Verhandlungen hätte die sudanesische Regierung mit den dort ansässigen Bewohnern führen müssen.  „Sie wurden mit Fortschreiten des Bauprojekts unter Federführung Lahmeyers vielmehr buchstäblich aus ihren Dörfern geflutet“, heißt es in dem ECCHR-Bericht. „Rund 4.700 Familien sind davon betroffen. Ihnen wurde die Lebensgrundlage entzogen: Häuser und Ernten wurden ebenso vernichtet wie Nutztiere und sonstiges Hab und Gut.“

Das Beispiel ist nach Einschätzung des ECCHR symptomatisch für große Infrastrukturprojekte, von denen erhebliche Gefahren für wirtschaftliche und soziale Menschenrechte ausgehen. Eigentlich sollen solche Vorhaben der Entwicklung des jeweiligen Landes und damit auch der lokalen Bevölkerung dienen. Im vorliegenden Fall  hat die deutsche Firma Lahmayer das menschenverachtende Vorgehen der sudanesischen Regierung durch rücksichtsloses Betreiben des Bauprojekts verstärkt, so das ECCHR. Für solche eklatanten Verletzungen der Menschenrechte auf adäquates Wohnen und auf Nahrung dürfe die Mitverantwortung eines deutschen Unternehmens nicht straffrei sein. „Dass deutsche Staatsbürger an der Vertreibung beteiligt waren, müssen deutsche Strafverfolgungsbehörden das Geschehen umfassend aufklären“, wird in dem Abschnitt „Wirtschaft und Menschenrechte“ des Jahresberichts 2011 geschlussfolgert. ++ (mr/mgn/26.06.12 – 184)