Archive für Beiträge mit Schlagwort: Verkehrstote

Hamburg, 4. Januar 2015 (ADN). Die Zahl von Selbstmordversuchen nach den Festtagen bis Anfang Januar steigt „überzufällig“ an. Darüber informiert das Sekretariat des Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland (NaSPro). Wie die von Georg Fiedler, Diplompsychologe in der Spezialambulanz für Suizidgefährdete des Universitätsklinikums Hamurg-Eppendorf, geleitete Institution weiter mitteilt, belegt die Statistik jedoch nicht die Annahme, dass Einsamkeit zu Weihnachten und daraus entstehende Depression und Trauer Ursache  für häufigere Suizide an diesen Tagen seien. Dagegen habe eine langjährige europäische Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für das Ansteigen der Selbstmordversuche nach Weihnachten  „Gebrochene Versprechen“ verantwortlich gemacht. Dass die Erwartungen an die Festtage und an das Verhalten anderer Personen zu groß waren und enttäuscht wurden, wurde von der Untersuchung als Hauptmotivation herausgeschält.

Die jüngsten bundesweiten statistischen Suizid-Erhebungen stammen aus dem Jahr 2012. In diesem Jahr wurden 9.890 Selbstmorde registriert. Dabei dominiert das Erhängen mit 4.446 Fällen. Es folgen Überdosis an Medikamenten (1.323), Sturz aus der Höhe (996), „Legen vor ein sich bewegendes Objekt“ (718), Schusswaffen (690) und „Gase“ (424). Insgesamt ist die Zahl der Selbsttötungen seit dem Jahr 2008 angestiegen. Sie lag im Jahr 2012 höher als die Gesamtzahl an Verkehrstoten (3.600), der durch Mord und Totschlag Umgekommenen (578) an Verstorbenen durch illegale Drogen (944) und der Aids-Todesopfer (550). Die Daten beruhen auf der Auswertung von Todesbescheinigungen. Die Todesursachen werden in den Bundesländern für dort gemeldete Einwohner dokumentiert und einmal pro Jahr an das Statistische Bundesamt gemeldet.

Der Trend der vergangenen zehn Jahre geht weg vom Erhängen, hin zum Überdosieren von Medikamenten und zum Einsatz von Gasen. Zudem nehmen sich deutlich mehr Männer das Leben als Frauen. Zwischen den einzelnen Bundesländern gibt es große Unterschiede der Suizid-Raten. In jüngster Vergangenheit verzeichnen Sachsen-Anhalt und Thüringen die stärksten Anstiege, Hessen und Rheinland-Pfalz die deutlichsten Rückgänge. Außerdem ist festzustellen, dass das Lebensalter der „Suizidenten“ ansteigt. Experten bezeichnen das  Phänomen Suizid im höheren Lebensalter als „Ungarisches Muster“. Das Durchschnittsalter von Selbstmördern ist stetig angestiegen und lag 2012 bei 56,9 Jahren.  Der sogenannte Werther-Effekt, der den Folge-Suizid durch Nachahmung des Selbstmordes eines Prominenten zum Hintergrund hat, spielt kaum noch eine Rolle.

Das NaSPro-Sekretariat weist darauf hin, dass Suizid keine kriminelle Handlung darstellt. Ein Lebensmüder „ermorde sich“ nicht aus niedrigen Beweggründen. In der Regel könne der Todeswunsch als Ausdruck einer subjektiv erlebten Ausweglosigkeit verstanden werden, die den Blick auf die Möglichkeiten des Weiterlebens blockiert. Insofern träfen die Bezeichnungen „Selbstmord“ oder „Freitod“ nicht den Kern der Problematik. ++ (mz/mgn/04.01.15 – 4)

http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46 

Berlin, 31. März 2012 (ADN).  „Alle vier Minuten kracht es auf Berliner Straßen, einmal pro Woche stirbt ein Mensch.“ Aufgrund dieser und anderer Tatbestände hält es die Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“  für höchste Zeit, diesen Alltag als Skandal zu erkennen.  In ihrer heutigen Sonnabendausgabe wird die jährliche Opferzahl in Berlin auf 17.000 beziffert. Das entspreche der Einwohnerzahl des gesamten Berliner Ortsteils Friedrichshagen  (Bezirk treptow-Köpenick) mit seinen elf Kitas, vier Schulen und 13 Zahnärzten. Außerdem stieg die Zahl der Verkehrstoten von 44 im Vorjahr auf 54 im Jahr 2011, so die Zeitung.

Es wird eine rückblickende Bilanz der vergangenen zehn Jahre gezogen. „Von den 65 verkehrstoten des Jahres 2001 waren 18 im Auto gestorben. Unter den 54 Toten im vergangenen Jahr starben nur drei im Auto.  Die Fahrzeuge sind robuster geworden, aber die anderen Verkehrsteilnehmer nicht.“ Um sie zuschützen, wird nichts oder nur wenig getan.

„Der Tagesspiegel“ verweist auf die millionenschweren Investitionen bei anderen Verkehrsträgern. So seien nach einem Brand in einem U-Bahnhof von den Berliner Verkehrsbetrieben sämtliche Stationen mit einem zweiten Ausgang nachgerüstet worden. Ein Unfall bei der S-Bahn habe die Erneuerung der Räder an 500 Doppelwagen zur Folge gehabt. Niemand habe die dafür aufgewandten dreistelligen Millionenbeträge in Frage gestellt, obwohl bei beiden Vorfällen kein Mensch umkam.  Allerdings gebe es erhebliche Proteste, wenn strengere, zweifellos lebensrettende Tempolimits eingeführt werden sollen.

Im Interview mit dem Unfallforscher Siegfried Brockmann wird nach einer Lösung gefragt. Er stellt fest, dass die gefährliche Infrastruktur im Stadtverkehr entschärft werden muss. Zudem fordert er Polizisten auf Fahrrädern und die Tempo-30-Pflicht. ++ (sk/mgn/31.03.12 – 93)