Archive für Beiträge mit Schlagwort: Volker Herres

Rom, 13. November 2011 (ADN). Der Zuschauer Walter Kutschmann aus Westoverledingen in Ostfriesland stellte am heutigen Sonntag in der viertelstündigen Abschlussdiskussion der ARD/Phoenix-Fernsehsendung die letzte und entscheidende Frage am Telefon: Welcher Zusammenhang besteht zwischen der derzeit allgegenwärtig geführten Diskussion um den Euro und dessen Rettungsschirm einerseits und der von George Bush und anderen USA-Präsidenten verkündeten neuen Weltordnung ? Aufgrund des Zeitmangels konnte oder wollten die prominenten deutschen Journalisten von ARD, Spiegel, Süddeutscher Zeitung und Tageszeitung auf die Frage  nicht mehr antworten.

Die Sendung wurde aufgrund des soeben zurückgetretenen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi life und direkt aus Rom übertragen. Sie stand unter dem Titel „Basta Berlusconi – Hat Italien abgewirtschaftet ?“   Darin wurde eine kluge Aussage von Bernhard Wabnitz aus dem ARD-Studio Rom von Vorneherein ad absurdum geführt. Er hatte  die Notwendigkeit unterstrichen, dass die in Europa bestehenden unterschiedlichen Blickwinkel und Sichtweisen in die einzelnen Regionen des Kontinents gebracht und dort vermittelt werden müssen.  Dass dies genau mit dieser Diskussionsrunde gründlich misslungen ist, beweist der samt und sonders aus deutschen Teilnehmern bestehende Gesprächskreis. An der medialen Debatte war kein einziger italienischer Pressevertreter  beteiligt, obwohl es davon in Rom – zudem in der derzeitigen angespannten politischen Situation – nur so wimmeln müsste. So wurden über die Lage Italiens, seiner Wirtschaft und seine Finanzen rein deutsche Meinungen und Aspekte verbreitet. Die Eindimensionaliät und Einseitigkeit war nicht zu übersehen und zu überhören. Weitgehende Einigkeit prägte die anwesende deutsche Medienwelt. Die Ansichten unterschieden sich nur in Nuancen.

Befeuert wurde die Gesprächsrunde erst am Ende der Übertragung durch die kritischen Anfragen der Fernsehzuschauer wie die aus Ostfriesland. Selbst dann blieben die Entgegnungen der Journalisten ausweichend und unentschieden. Fiona Ehlert vom Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gab das dann auch unumwunden zu: „wir haben zu wenig über die Italiener gesprochen.“ Und mit den Italienern gar nicht, bleibt zu ergänzen. Der Eindruck germanischer Medienarroganz und Unglaubwürdigkeit ist dennoch nicht zu verwischen.++ (me/mgn/13.11.11 – 19)

Köln, 16. Oktober 2011 (ADN). So richtig spannend wurde es bei der heutigen von Volker Herres moderierten Fetnsehdebatte „Presseclub“ erst nach dem Ende der eigentlichen Übertragung im Kölner Studio des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Es war der Zeitpunkt, zu dem nach dem traditionellen 45minütigen Gedankenaustausch der Journalisten die Meinung der Zuschauer und Zuhörer von der sozialen Basis per Telefon für 15 Minuten eingeholt wird. Dies glich diesmal einer besonders schallenden Ohrfeige. Die Anrufer fühlten sich nämlich durch den Verlauf der unter dem Titel „Vollgas oder Vollbremsung – Deutschlands Wirtschaftsboom am Ende ?“ – milde gesagt – regelrecht  verschaukelt. So  fragte eine Berlinerin Stephan Hebel von der „Frankfurter Rundschau“ danach, wo angesichts der sehr abstrakten Plauderei überhaupt das Schicksal des einzelnen Menschen bleibe und dies offenbar vergessen worden sei. Der Angesprochene gab daraufhin zu, dass es in solchen Gesprächsrunden häufig eine Neigung zum Ideologisieren  gebe. Fast überheblich ergänzte Birgit Marschall von der „Rheinischen Post“ mit der Bemerkung, „wir reden hier über makroökonomische Begriffe, weil die Probleme so hochkomplex sind“. Unausgesprochen blieb, jedoch ließ der Tonfall darauf schließen, dass sie dem normalen Bürger auf der Straße das Verständnis für die komplizierten Zusammenhänge gar nicht zutraut.

In ähnlicher Richtung beschwerte sich eine Zuschauerin aus Lüneburg, die sich durch die Aussage, Deutschland habe über seine Verhältnisse gelebt, verspottet und erniedrigt fühlte. Ihr antwortete Marc Beise von der „Südddeutschen Zeitung“ reumütig, er habe das wohl ein wenig schnell daher gesagt. Niemand solle verhöhnt werden. Er meine das nicht böse und den einzelnen Hartz-IV-Empänger habe er nicht missachten wollen.

Noch konkreter wurde Maria Hoffmann aus Leipzig. Sie wollte wissen, warum man nicht über die wahren Ursachen der Euro-Misere spreche und dementsprechend etwas ändere. Es müsse aus ihrer Sicht doch wohl das allerorten götzenhaft angebetete Wirtschaftswachstum und der Glaube daran in Frage gestellt werden. Dazu fand sich bei den medialen Experten der Runde gar keine greifbare Reaktion mehr, geschweige denn ein überzeugendes Argument.

Als Fazit ist festzustellen: Es wird über die Köpfe der Leute und des Volkes hinweggeredet. Und das obwohl es eine der wichtigsten Aufgaben von Medien ist, den Menschen kaum oder gar nicht durchschaubare Geschehnisse transparent zu machen und zu verdeutlichen. In dieser Gesprächsrunde ist das total misslungen.  Nicht zum ersten Mal. Vielleicht sollte der WDR als Gastgeber einfach andere Journalisten zum „Presseclub“ einladen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte belegen, dass fast immer dieselben Personen dort sitzen.  Schon der Auswahlmechanismus, nach dem die Dauerkarten für die sonntägliche Sendung an den wenige Dutzend umfassenden Kandidatenkreis verteilt werden, liegt tief im Dunkel. ++ (md/mgn/16.10.11 – 8)

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