Leipzig/Nürnberg, 24.Dezember 2011 (ADN). Dem deutschen Arbeitsmarkt wird eine neue Blüte verkündet. Das Berufsbild Weihnachtsmann lässt beispielsweise die Herzen in dem Jobcenter Leipzig – dem größten in Ostdeutschland – höher schlagen. Jubelnd verkündete bereits Anfang November Pressesprecher Hermann Leistner die frohe Botschaft, dass täglich die Telefone in der Jobvermittlung Leipzig klingeln. „Jeder fragt nach dem bärtigen Alten und möchte sich seinen Besuch am 24. Dezember sichern. Inzwischen haben wir 66 Buchungen von Familien für den Heiligabend und 6 Bestellungen durch Kitas in der Adventszeit“, gab Leistner sieben Wochen vor dem Fest bekannt. Die endgültigen Zahlen liegen zwar noch nicht vor, jedoch werden mit Sicherheit neue Beschäftigungssrekorde erreicht. Bereits im vergangenen Jahr schossen die Arbeitsverhältnisse in die Höhe. 433 Nikoläuse und Weihnachtsmänner wurden eingestellt. Die meisten Buchungen gab es von Familien für Heiligabend. Da sprinteten 49 Weihnachtsmänner zu 402 Bescherungen. In der vorangegangenen Adventszeit kamen Nikolaus und Weihnachtsmann bei  31 Weihnachtsfeiern in Firmen und Kitas zum Einsatz, so die offizielle Pressemitteilung der Leipziger Arbeitsagentur.

Inzwischen spielt sich dieses Jobwunder bundesweit ab. In Niedersachsen und Bremen bieten acht von 22 Arbeitsagenturen die weihnachtliche Beschäftigung an. Im hessischen Kassel steht die Jubelmeldung unter der Überschrift „Traumjob vom Weihnachtsmann“.

Dass die neuentdeckte Beschäftigung tatsächlich mit Niedriglöhnen entgolten wird, erfährt man nur am Rande. Pro Auftritt gibt es 25 bis 30 Euro in Leipzig und weiteren ostdeutschen Regionen. Im Hannover, Göttingen und andernorts in Westdeutschland werden zwischen 30 und 50 Euro gezahlt. Also das übliche West-Ost-Gefälle. Dass es harte Arbeit mit Bart und Mütze ist, vor den Kindern aufzutreten, erfährt man von Stefan Grob.  „Ich war noch nie so platt in meinem Leben als nach einem Tag als Weihnachtsmann.“ Er hatte zu seinen aktiven Zeiten als Knecht Ruprecht an einem Tag bis zu 20 Familien beglückt.

Die Bundesagentur für Arbeit betreibt die Vermittlung von Weihnachtsmänner inzwischen systematisch. Anja Huth aus der Nürnberger Zentrale erklärte gegenüber dem „Nordbayrischen Kurier“, dass die Arbeitsagentur die Anfragen entgegennimmt und die Bewerber betreut.  Wenn sich also das Berufsbild Weihnachtsmann weiter erfolgreich verfestigt  und dieses Beschäftigungsmodell flächendeckend eingesetzt wird, dürfte es nicht unwahrscheinlich sein, dass andere saisonale Dienstleistungen solcherart etabliebt werden. Denkbar ist im Frühjahr zu Ostern der Job als Osterhase und im Sommer der als Pfingstengel. Eventuell wird schon an den Tätigkeitsmerkmalen in der Arbeitsagentur gebastelt, um die Berufe Weihnachtsmann, Osterhasse und Pfingstengel in einer durchgängigen unbefristeten Arbeitsplatz münden und von den Industrie- und Handelskammer als Ausbildungsberuf zertifizieren zu lassen. Der Berufsname könnte dann gestreng der Chronologie des Kirchenjahres „WeihOstPfing“ heißen.

Dem deutschen Michel ist alles zuzutrauen, vor allem dann, wenn ihm seine Schlaf- und Zipfelmütze nach vorne gefallen ist und ihm jedweden Blick in die Wirklichkeit versperrt. ++ (ar/mgn/24.12.11 – 41)