Archive für Beiträge mit Schlagwort: Wiener Kongress

München/wasington, 27. Mai 2013 (ADN). Der legendäre Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika (USA), Henry Kissinger, ist 90 Jahre alt geworden. Er hat ein fast biblisches Alter wie seine Eltern, die 95 und 97 Jahre erreichten. Sie statteten ihren Sohn mit viel Selbstbewusstsein und Wissen aus, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) zum Jubiläum. Es habe seinen Niederschlag in einer voluminösen Doktorarbeit über Gleichgewichtspolitik, den Wiener Kongress und dessen dominierende Akteure gefunden. Weitere 15 Bücher folgten. Das jüngste, ähnlich dickleibige wie seine Vorgänger heißt schlicht „Über China“.

Kissinger hält es dem Pressebeitrag zufolge mit Sir Winston Churchill. Der britische Premier hatte allen politischen Größen dieser Welt den Ratschlag gegeben, als Erste über ein bestimmtes wichtiges Thema zu schreiben, um sich einen unauslöschlichen Platz im welthistorischen Schriften-Schrein zu sichern.

Je mehr der von der SZ als besessener Bücherschreiber bezeichnete Kissinger zu Papier bringt, um so rätselhafter scheint seine Rolle zu werden. Die Sphinx aus dem fränkischen Fürth – dort wurde er 1903 geboren – bietet so Interpretationen ihres Denkens, Tuns und Handelns auf dem diplomatischen Parkett extremster Art. Schwerste Vorwürfe scheiterten bislang an einer klaren und lückenlosen Beweisführung beispielsweise bei dem politischen Umsturz in Chile gegen Salvador Allende am 11. September 1973. Weitere der zahllosen, vielfach deutungsfähigen Zwiespältigkeiten nennt die Tageszeitung mit den Invasionen Griechenlands auf Zypern und Indonesiens in Ost-Timor sowie dem Putsch in Pakistan. Das Medium setzt fort, indem es weitere häufige Einmischungen Kissingers in die gegenwärtige Weltpolitik charakterisiert: „Noch immer gehen die Türen der Regierungszentralen quasi von alleine auf, wenn Kissinger reist. Überall auf der Welt, ob in Peking, Berlin, Riad oder Jerusalem, hat er Führungspersönlichkeiten hofiert und für seine Zwecke genutzt. Kein US-Präsident, der nicht auf seinen Rat hört. Es gibt wohl keinen größeren Netzwerker auf der Erde.“

Der fuchsschlaue und betagte Polit-Oldie bleibt ein geopolitisches Schwergewicht, ein Rätsel und damit im Gespräch. Darin scheint er auch seine öffentliche Daseinsberechtigung zu erblicken. ++ (ap/mgn/27.05.13 – 141)

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Strasburg, 14. Oktober 2011 (ADN). Alle halbe Jahre kommen 17 Regierungschefs zusammen, tagen hinter verschlossenen Türen und teilen anschließend ihren erstaunten Untertanen mit, worauf sie sich meistens nicht geeinigt haben.  So beschrieb heute der Vorsitzende der Sozialistischen Fraktion im Europäischen Parlament, Martin Schulz, die gegenwärtige politische Situation in Europa. „Die planen die Wiedeinsetzung des Wiener Kongresses in Brüssel“, schlussfolgerte er. Das vom 18.September 1814 bis zum 9. Juni 1815 in Wien veranstaltete  Treffen von Vertretern aus 200 europäischen Staaten sollte nach der fundamentalen militärischen Niederlage Napoleons die politische Landkarte Europas grundlegend neu gestalten. Dies geschah dann auch. Der belgische Diplomat Charles Joseph de Ligne charakterisierte die Monate währende Konferenz als tanzenden Kongress. Es handelte sich nach seinen Worten im Übrigen dabei um einen Kriegskongress, nicht um einen Friedenskongress.

Martin Schulz erklärte im Rundfunk: „Ich meine, wir leben nicht im Feudalismus“. Dennoch sollen die Steuerzahler Hunderte Milliarden Euro an die Banken zahlen, nachdem die sich verspekuliert und verzockt haben. Von den Bürgern werde verlangt, Geld zur Verfügung zu stellen, dessen letztliche Verwendung unter Ausschluss der Öffentlichkeit und des Parlamentarismus auf nationaler und europäischer Ebene  beschlossen wurde.

Dem so beschriebenen antidemokratischen Treiben setzt der Präsident des Deutschen Bundestages, Norbert Lammert, mit fein gedrechselten  Formulierungen eine freundlich klingende Tarnkappe auf. Er nennt die skandalösen Vorgänge im slowakischen Parlament einen „Schönheitsfehler eines aus offensichtlich von taktischen Kalkülen geprägten Abstimmungsverhaltens“.  Im Kern sei der in dieser Woche getroffene Beschluss über die Zustimmung zur sogenannten Europäischen Finanzstabilitätfazilität (EFSF), der der Entscheidung  in derselben Sache zwei Tage zuvor diametral entgegengesetzt ist,  juristisch völlig korrekt.

In der Bundesrepublik Deutschland sei das auch so verlaufen wie derzeit Schweden. Dort ist das Volk auch gegen den Euro und die Regierung dafür. Ähnliche Situationen habe es bei schwerwiegenden Wegscheiden bereits seit Bestehen der BRD gegeben. Die Entscheidungen seien ohne Mehrheit des Volkes zustande gekommen. Als Stichpunkte nannte Lammert die Gründung der Bundeswehr, den NATO-Beitritt und die Römischen Veträge.

Kein Wunder, dass die inzwischen global agierenden Kritiker einer solchen Demagogie das Problem kurz und treffsicher auf den Nenner bringen: „Sie nennen es Demokratie, aber es ist keine !“ ++ (dk/mgn/14.10.11-5)