Archive für Beiträge mit Schlagwort: Wirtschaftswissenschaften

Kiel, 20. Februar 2014 (ADN). Das Einbringen neuer interdisziplinärer Einsichten in die Wirtschaftswissenschaften hat sich das Institut für Weltwirtschaft auf die Fahnen geschrieben. Zu seinen Novitäten gehört beispielsweise die Installation einer Professur für Wirtschaftsethik.  Die Forschungseinrichtung feiert am Donnerstag in Kiel ein denkwürdiges Jubiläum. Sie wurde vor hundert Jahren am Hindenburgufer als „Königliches Institut für Weltwirtschaft und Seeverkehr“ gegründet. Die Initialzündung kam von Bernhard Harms. Er musste allerdings im Jahre 1933 seinen Stuhl räumen, weil er bei den Nazis als republikfreundlich galt.

Schon in den Zwanziger Jahren der Weimarer Republik erlebte das Wissenschaftszentrum eine erste Blütezeit. Es wurden die ersten Bestände für ein einmaliges Archiv von Wirtschaftsdaten aus aller Welt angelegt. Tätigkeitsschwerpunkte waren damals schon globale ökonomische Fragen. Multilaterale Handelspolitik und die aktuelle Finanzkrise stehen gegenwärtig im Mittelpunkt. Dabei bleibt es aber nicht mehr. Der Schwenk in Richtung interdisziplinäre Arbeit umfasst nun auch Soziologie, Psychologie und andere Wissensgebiete, die sich mit dem Wohlergehen der Menschen befassen. Sogar die Poesie zählt Institutsleiter Dennis Snower dazu. Allzu lange seien Emotionen n der Ökonomie unberücksicht geblieben, meint der Amerikaner, der seit zehn Jahren an der Spitze der rund 170 Mitarbeiter steht. Sein Forschungszentrum verstehe sich zudem als Brückenbauer zwischen den Wirtschaftswissenschaften, der Geographie, der Klimaforschung und den Neurowissenschaften.  Um die Neuausrichtung des Instituts zu verdeutlichen zitiert ihn die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) mit den Sätzen: „Wenn wir ein Institut für Weltwirtschaft sind und die Weltwirtschaft aus der globalen Sicht betrachten und nicht aus einer nationalen Sicht, dann müssen wir auf einen ganz anderen Stand kommen. Wir müssen quer durch die Kulturen denken, die nationalen Grenzen dürfen nichts bedeuten, uns ist das globale Bürgertum wichtig. Daher haben wir eine ganz besondere Aufgabe: die weite Sicht.“ ++ (wi/mgn/20.02.14 – 051)

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Berlin/Köln, 5. April 2012 (ADN). Über Jahrzehnte haben sich die Wirtschaftswissenschaften in ihrer Disziplin eingekapselt und so die Ökonomisierung aller Lebensverhältnisse vorangetrieben. Das erklärte der Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann am heutigen Donnerstag im Rundfunk. Ökonomen aller Lager hätten das Kapital stets hofiert, statt es zu bändigen. Beleg für das Versagen der traditionellen Wirtschaftswissenschaften sei die Krise des Euro sowie der Niedergang der Finanbranche. Es mangele der ökonomischen Disziplin an Wissenschaftlichkeit. Sie lasse nur noch eine Meinung zu und beachte Gegenmeinungen gar nicht mehr. Durch solches paradigmatisches Einkapseln degeneriere eine Wissenschaft zur Unwissenschaftlichkeit. Das Ökonomie-Studium gleiche einer Gehirn-Wäsche.

Nach Meinung von Thielemann wirkt das Kapital auf die Realwirtschaft wie eine Peitsche. Es diene nicht der Realwirtschaft, sondern übe Druck auf sie aus. Die ständigen Bekenntnisse, das Kapital und die Finanzbranche zu bändigen, sind hohl. Es ist schlicht nichts passiert, sagte Thielemann im Deutschlandfunk. Im Gegenteil: das Kapital werde heute hofiert durch die Europäische Zentralbank (EZB), die den Banken Milliardensummen schenkt. Was daraus folgt, sei völlig unklar.

Thielemann ist Direktor des MeM. Die Abkürzung steht für „Menschliche Marktwirtschaft“. Mit einer Initiative will der Wirtschaftsethiker die Wirtschaftswissenschaften erneuern. Markt, Marktlogik, Rationalität und Effizienz sind nach seiner Auffassung ethisch höchst fragwürdige Kernbegriffe. Dies müsse geändert werden..Die Nähe und Verflechtung zwischen ökonomischen Wissenschaften und Sozialwissenschaften sei wieder herzustellen. Das ist auch Teil eines Memorandums, um einen entsprechenden Wandel zu erreichen . Es wurde inzwischen von weiteren Ökonomie-Dozenten unterzeichnet. Der jahrzehntelange Tanz der Wirtschaftswissenschaftler um das goldene Kalb des Kapitals soll nach dem Willen der Berliner Wirtschaftsethiker ein Ende nehmen. ++ (wi/mgn/05.04.12 – 98)