Hongkong/Düsseldorf, 8. April 2013 (ADN). Die Nachfrage nach kreativen Köpfen, die Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden können, ist außerhalb der Universitäten enorm. Mit dieser Aussage zitiert die Düsseldorfer Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ am Montag Perry Mehling von der Columbia-Universität New York. Der Ökonomie-Professor machte auf einer vom Finanzinvestor und Milliardär George Soros gesponserten internationalen Tagung in Hongkong denen Mut, die gegen den Strom schwimmen und neue Wege gehen. Die Auswahl der 60 Doktoranden und Jungwissenschaftler aus 580 Bewerbern hatte das „Handelsblatt“ als Mitorganisator vorgenommen. Hauptpartner war das auch von Soros geförderte Institute for New Economic Thinking (inet).

Eine Erklärung für das enorme Echo beim wirtschaftswissenschaftlichen Nachwuchs für eine Teilnahme an dem zum vierten Mal nach Cambridge, Bretton Woods und Berlin veranstalteten Teffen gab Enno Schröder, der das Vorprogramm der Hauptkonferenz maßgeblich mit arrangiert hatte: „Nach wie vor gehen aufstrebende Ökonomen davon aus, dass sie innovative Aufsätze kaum in den führenden Fachzeitschriften unterbringen können, und ohne solche Veröffentlichungen bekommt man keinen Lehrstuhl“. Das Beharrungsvermögen der diskreditierten Modelle und Methoden scheine jedenfalls enorm zu sein. Einen überzeugenden Grund für den fehlenden Wagemut, innovative Wissenschaftsmethoden in die Volkswirtschaftslehre vermehrt einzuführen, nannte der amerikanische Wirtschaftshistoriker Philip Mirowski. Er kündigte deshalb den jungen Forschern einen steinigen Weg an. „Der Wissenschaftsbetrieb wird gerade vollständig kommerzialisiert. Das sollte euch klar sein, wenn ihr in ihn eintreten wollt.“

Zu den Konferenz-Teilnehmern, die in Hongkong originelle und neue Forschungsansätze präsentierten, gehörte der russischstämmige Brite Stanslaw Schmelew. Er stellte seine Studien vor, mit denen die Warenströme einer Volkswirtschaft einer Ökobilanz unterworfen werden. Das geschieht dadurch, indem in den Input-Output-Tabellen der Wasser- oder Rohstoffverbrauch berücksichtigt wird. Mit diesem Denkprinzip folgt der 35jährige Absolvent der Universität St. Petersburg seinem berühmten Landsmann Wassili Leontief, der für seine wirtschaftswissenschaftliche Arbeit seinerzeit mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Nach der Auffassung von Umweltökonom Schmelew, der heute beispielsweise in Oxford, Russland, Frankreich und Kasachstan lehrt, muss der Fortschritt mehrdimensional gemessen werden – nicht nur in Euro oder Dollar. Es genüge dabei nicht, dem Bruttoinlandsprodukt nur weitere Indikatoren anzufügen. Zudem versucht er, messbar zu machen, wie verschiedene Interessengruppen von politischen Entscheidungen beeinträchtigt werden. ++ (aw/mgn/08.04.13 – 094)

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